Beweis durch Desinformation

Wikipedia ist völliger Quatsch. Zumindest hat die „Süddeutsche Zeitung“ sich vorgenommen, diese These zu untermauern, indem sie selbst Quatsch in die freie Online-Enzyklopädie hineinschreiben ließ. Die Mehrzahl, nämlich 12 von 17 der von der SZ mit Falschinformationen versehenen Wikipedia-Beiträge war längst korrigiert als der SZ-Artikel erschien, der beweisen sollte, daß dort jeder etwas hineinschreiben kann ohne daß zuvor jemand dessen Richtigkeit prüft.

Der Beweis ist gelungen. Man kann in der Tat jeden Unsinn in die Wikipedia schreiben. Niemand prüft das vorher. Das ist genau der Sinn des Projekts. Wird die „Süddeutsche“ uns demnächst zu verblüffen suchen, indem sie den Beweis antritt, daß es von oben nach unten regnet?
Die Prüfung von Wikipediaeinträgen erfolgt erst in der Anwendung. Dann aber dafür von Tausenden, statt von einem Redakteur, der ein bis zwei Fachleute kennt, die er dazu befragen kann falls er es für notwendig erachtet. Das scheint ganz gut zu klappen, wie der Artikel zeigt, der das Gegenteil zeigen sollte.

7 Antworten auf „Beweis durch Desinformation“

  1. Nun, die SZ hat ja hiermit den Beweis geführt, dass das System Wikipedia funktioniert.
    Immerhin sind die nicht gefundenen Fälschungen ja derart unerheblich, dass sie selbst Lesern, die mit den (manchmal abstrusen) Fachgebieten vertraut sind, entgehen können.
    Man darf nur nicht den Fehler begehen, die Wikipedia als Referenz zu benutzen – für einen ersten Überblick hingegen taugt sie durchaus.

  2. Interessant wäre eine Untersuchung, wie einfach man jeden Tag Unfug in eine angesehene Zeitung hineinschreiben kann und wie schwierig es ist, diesen jemals wieder herauszubekommen. Was man schwarz auf weiß besitzt und so weiter.

    Da gab es wohl mal einen Selbstversuch eines Kolumnisten (war es nicht sogar das Streiflicht der SZ?), der relativ enttäuschend endete – der Mensch hatte sich so viel Autorität erarbeitet, daß ihm der Unfug einfach abgenommen wurde.

    Da ist mir die wikipedia, wo anonyme Mitmenschen schreiben , deren Ergüsse ohne Ansehen der Person kritisch hinterfragt werden, schon lieber – auch wenn ich zu einem speziellen Zeitpunkt X zu lesen bekommen mag, daß Eckhard Henscheid der Gründer der Heilsarmee war. Peinlich nur, wenn ein Schüler so etwas als Referat vorträgt, aber dann hat er wenigstens etwas über die „Grundzüge wissenschaftlichen Arbeitens“ gelernt.

  3. Sie beziehen sich gewiß auf wissenschaftliche Aufsätze, mein bester Herr Michi. Dort sind aber grundsätzlich Primärquellen gefragt, was eine Enzyklopädie von vorneherein ausschließt.

    Um Unfug in Zeitungen unterzubringen, verehrtester Herr Maxr, läßt man diesen am einfachsten der „Bild“ zukommen. Die druckt das gerne ungeprüft und sogar Zeitungen übernehmen das dann gelegentlich. Erstaunlich, daß man sich lieber auf ein Druckerzeugnis beruft, das offentlichtlich keinerlei Wert auf objektive Berichterstattung legt, als auf ein vergleichsweise zuverlässiges Online-Medium. Davon abgesehen ist die Frankfurter Schule der Heilsarmee immerhin näher als Dieckmann dem Presserat.

  4. Bester Herr Passenger,

    Neinnein, ich bezog mich keinesfalls auf wissenschaftliche Aufsätze. Zwar kann man auch dort Sekundärquellen zitieren, aber ich meinte vielmehr, dass man die Wikipedia nicht als Referenz-Nachschlagewerk zu Rate ziehen soll, nicht in Bezug auf Aufsätze, sondern generell.

    Ich bitte um Verzeihung, dass ich mich da missverständlich ausdrückte.

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