Berlin oder so.

Neue Bücher erscheinen immerzu und reichlich. Wie jeder routinierte Kritiker meide ich es, Filme oder Theateraufführungen zu besuchen, über die ich schreibe. Selbstverständlich lese ich auch grundsätzlich keine Bücher deren Rezension zu verfassen mir angetragen wird.

Vermutlich weiß auch der Berliner Thomsn-Verlag um meine Praxis und hat daher gar nicht erst erwogen, mir ein Exemplar von „Berlin oder so.“ zur Lektüre anheimzustellen. Damit könnte die Sache erledigt sein, wäre nicht ausgerechnet der netzbekannte Wassermelonenfreund, Herr Undundund der Herausgeber. „Na undundund“, höre ich Sie nun lakonisch fragen, „warum soll ich deswegen ein Buch lesen?“ Das will ich Ihnen sagen:

Zum einen hat Herr Undundund aus literarischer Sicht eine hervorragende Wahl getroffen. Zum anderen können Sie die schönsten Bloggeschichten lesen, ohne dauernd auf Ihren Bildschirm zu glotzen. Sogar unterwegs und ohne Strom!

In „Berlin oder so.“, finden Sie wohlfeile Worte der großen Autoren

Falls Sie der im besten Finanzdienstleistungsbranchenblau gehaltene Einband (leider Paperback) mit einer Berlin-Silhouette im Stil von Osvaldo Cavandoli nicht überzeugt, sollten Sie sich Herrn Poodles Von hier nach Daressalam und zurück einmal vorlesen lassen. Spätestens dann werden Sie erkennen, daß sie ohne dieses epochale Werk zeitgenössischer Blogliteratur einpacken können.

7 Antworten auf „Berlin oder so.“

  1. Das mit dem Cavanoli nehmen Sie zurück, mein ansonsten verehrter Herr Passenger! Cavanoli favorisierte die organisch-dynamische Ferraristi-Linie, während für den Umschlag ein fragil-hysterischer Zitterstrich zum Einsatz kam, der dem Sujet angemessen ist, wie kaum einer sonst. Nicht von ungefähr heißt das Werk nicht »Milano oder so.« Und das Blau ist ein ganz anderes Blau.

  2. Verzeihen Sie, mein teurer Herr Opa, ich kann Ihnen gerade nicht folgen. Was genau verstehen Sie unter einem richtigen Schweinetreiben?

    In Anbetracht der obwaltenden Umstände möchte ich nicht auf die stilistische Nähe zu Cavanoli beharren, bester Herr Poodle. La Linea ist schon wirklich etwas schwungvoller als Ihre in der Tat zittrige Linienführung. Was ist das eigentlich zwischen der Schwangeren Auster und der Goldelse für ein Gebäude?

    Das von Banken, Versicherungen und ähnlich zwielichtigen Organisationen geschätzte Blau ist doch aber weniger ein bestimmter Farbton, als vielmehr ein Spektrum, in dem sich auch das gewiß eigens für das vorliegende Werk von Pantone ersonnene Berlin-oder-so-Blau befindet, mein lieber Herr Undundund.

  3. Ich wünschte mir, die Schwarte würde wie eine Sau durch ganz Bloggersdorf getrieben, soweit der schweinische Bezug. Ihre Person wollte ich keineswegs mit dem (wohlschmeckenden) Produkt in Verbindung bringen.

  4. Fragen Sie mich bitte nicht nach Einzelheiten, mein lieber Herr Passenger – Berlin zu zeichnen war schon demütigend genug, die Gebäude auswendig zu lernen war mir nicht auch noch zuzumuten.

  5. werter mister jolly good,

    nun berlin ist ja nicht siemens-da wird die farbe nicht gleich patentiert. viel mehr, wenn ich mich recht entsinne, erarbeitete die einst innovative agentur meta design, das erscheinungsbild der stadt berlin. die corporate farbe ist somit rot. keine schlechte farbe, an sich. sie schmückt allerlei dinge: die sovietische, kanadische, schweizer flaggen. wenn ich blau sehe, denke ich nicht an berlin sondern an den computer bildschirm kurz vor dem herunterfahren des rechners und luc besson. ich denke an den blue hope diamond und die cocktail stunde nach der arbeit. den umhang von der heilige maria ( lapiz lazuli ) und yves klein. das letzere ist ein etwas anderes blau, allerdings. und, last but not least, an den gin martini.
    alles in einem, keine schlechte assoziationen.

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