Die große Umwendung

Die Werbebranche erlebt eine Zeit der Umwälzung. Elektronische Medien transportieren die „Message“ schneller und direkter. Die Absender von elektronischer Reklame wissen das längst. Die tradierten Werbeverschicker holen langsam aber stetig auf.

„Die wichtige Mitteilung“

Die internetaffine Werbeindustrie ist für stilsichere Formulierungen und beispielhafte Eloquenz bekannt:

Ausschnitt aus einer Phishing-E-Mail

„Die große Befragung“

Die klassischen Werbeversender schließen in großen Schritten auf.

Briefumschlag einer Werbesendung

Bei einer „wichtitgen Terminsache“ ist natürlich klar, daß sie keinen Aufschub duldet. „Die große Befragung“, davon hat man ja schon gehört. Die hat etwas mit dem Innenministerium zu tun, das ist fast sicher! Und die fragen mich! Endlich fragen sie mich mal! Das Beste ist: Duch einen einfachen Hieb mit dem Brieföffner werde ich nicht nur um 90 und auch nicht um 100 Euro reicher. Nein, über 100 Euro, also zum Beispiel 100,13 wird mir aus dem Umschlag heraus direkt in die Brieftasche flattern.

Wie Schuppen fällt es mir von den Augen: Bis jetzt habe ich immer nur falsch profitiert. Oder gar nicht, beziehungsweise nur die Anderen. Die blöden Anderen, die immer alles richtig gemacht haben und heute gönnerhaft solche Briefe verschicken können. Aber heute ist alles anders. Heute werde ich’s allen zeigen.

Andererseits: Geld verdirbt den Charakter heißt es. Vielleicht ist die Sache auch doch nicht ganz so eilig. Der Poststempel ist ja auch nicht so ganz verbindlich. Außerdem ist mein diamantbesetzter Brieföffner gerade im Pfandleihhaus und so einen edlen Umschlag mit der Nagelfeile zu öffnen passt ja dann auch nicht.

Ich warte lieber noch auf den nächsten Brief, der dann — die Marketingfachleute lernen schnell — sicher so aussehen wird:Werbebrief der Zukunft (Illustration)

Dem werde ich nicht widerstehen können. Bestimmt!

5 Antworten auf „Die große Umwendung“

  1. Scheiß Provinz. Ich habe noch nie ein kostenloses Gratisgeschenk umsonst bekommen. Schon gar keine Schamhaare aus dem Pariser Hilton. Vielleicht sollte ich doch eine Briefkastenfirma in Schwabing eröffnen.
    Wären Sie evtl.am Job des ehrenamtlichen Geschäftsführers interessiert?

  2. Vor allem klingt das, zu meiner übergroßen Freude, überhaupt nicht nach totem Briefkasten. Ich war schon sehr in Sorge nach dem Dahinscheiden des Stuttgarter Dichterfürsten.

    Beste Grüße auch an den geschätzten Kollegen Kubelix 🙂

  3. Der letzte Brief ist schon auf einfachste Weise als Spam zu entlarven: Wie wir alle (ob wir nun wollten oder nicht) erfahren durften/mussten, HAT Fräulein Hilton ja gar keine Schamhaare. Plumper Versuch. Ich werde darauf nicht hereinfallen!

  4. Daß ausgerechnet der große Poodle uns verlassen musste ist wirklich ein Jammer, mein lieber Herr Bazi.

    Das sagen Sie, Herr Frank. Vielleicht fehlt die Behaarung ja aber nur deshalb, weil sie sämtlich in auflagenstarke Mailing-Aktionen gesteckt wurde.

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