Der Frosch ist gar, aber die Kröte schluckt sich besser

Natürlich ist die weit verbreitete Legende vom Frosch, der im nur langsam bis zum Siedepunkt erhitzten Wasser seinem nahenden Tod nicht zu entrinnen versucht, blanker Unsinn. Verweilen wir aber ruhig noch einen Moment in diesem Bild, denn die Gesellschaft ist in diesem Vergleich weit realistischer dargestellt als die metaphorisch etwas übersprapazierte Amphibie.

Wie der imaginäre Frosch im Kochtopf bemerken nach Jahren der Indifferenz nun auch etablierte Medien offenbar, daß die vielgepriesene „vierte Macht“ in Deutschland, die Presse nämlich, im Begriff ist, ihre Freiheit und damit ihre Grundlage zu verlieren.

Warum die Pressefreiheit wichtig ist, dürfte den meisten Menschen durchaus klar sein. Wie sie funktioniert und welche Voraussetzungen dafür nötig sind, erschließt sich dagegen nicht ohne weiteres auf den ersten Blick.

Geht es um die Frage, ob der Staat Journalisten bespitzeln darf, wird gerne gefragt, ob „die“ denn was besseres wären, warum „deren “ Privatleben schützenswerter sein sollte als das anderer. Die Antwort ist überraschend einfach: Das spielt überhaupt keine Rolle.

Es geht nämlich nicht um Journalisten, sondern um ihre Informanten. Genaugenommen sollen in erster Linie auch sie nicht geschützt werden, sondern eigentlich die Weitergabe der Information.

Mal angenommen, ein V-Mann des BKA wurde von seinem Dienstherren genötigt, drei junge Männer dazu zu überreden einen Sprengstoff-Anschlag vorzubereiten. Zudem wäre ihm die Aufgabe zuteil geworden, in großer Menge nur schwer erhältliche Chemikalien zu besorgen und den Dreien  zur Verfügung zu stellen. Wenn der V-Mann das eigentlich nicht in Ordnung findet und gerne aufdecken möchte, mit welchen Methoden das BKA da gearbeitet hat, kann er das nicht so einfach, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Vielleicht ermittelt er noch wo anders verdeckt. Vielleicht in einer kriminellen Organisation, die ihn töten würde, falls sie herausfindet, daß er ein V-Mann ist. Eventuell müsste er auch nur die Rache seiner Vorgesetzten fürchten. Deswegen muß er die Möglichkeit haben, sich unerkannt an die Presse zu wenden. Das wird er nur dann wagen, wenn er sich völlig sicher sein kann, daß seine Identität dabei geheim bleibt.

Dürfen Journalisten abgehört werden, wird ihnen kaum jemand mehr solche brisanten Informationen zukommen lassen. Sie können dann schlimmstenfalls nur noch verbreiten, was die Behörden ihnen mitteilen. Im angenommenen Fall könnte das sein, daß drei wild entschlossene religiöse Fanatiker gerade dabei waren, Sprengstoff-Attentate beispiellosen Ausmaßes zu verüben und dies nur dank der Geistesgegenwart eines zufällig anwesenden Bundeskriminalbeamten in letzter Sekunde verhindert werden konnte.

Warum das nicht jedes reichweitenstarke Presseerzeugnis wenigstens einmal auf seiner Titelseite erklärt, ist eigentlich nicht zu begreifen.

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