Junkies bremsen nicht für Holzklötze

Die „Süeddeutsche Zeitung“ zitiert Reiner Gerke, den Leiter der Sonderkomission „Brücke“, die im Fall des tödlichen Holzklotzwurfs ermittelt, wie folgt:

Es wäre doch wenig wahrscheinlich, sagt Gerke, dass jemand, der seit zehn Jahren drogenabhängig ist, auf dem Weg zu seinem Dealer vom Fahrrad absteige, um einen Klotz aus dem Weg zu räumen.

Alles klar, Herr Komissar! Ein Drogenkonsument identifiziert das Hindernis zunächst als Grottenschrat (Halluzination) und versucht erschrocken, ihn zu umfahren. Dabei verwechselt er aber Bremsgriff und Pedale (Ataxie) und prallt aus voller Fahrt genau auf den Holzklotz (Rumms).

Dieser Holzklotz tötete die Mutter zweier Kinder Nach einer Phase der Orientierungslosigkeit versucht der Junkie, sein Fahrad zu finden, was aber nicht gelingt (Tunnelblick). Er hält den Baumstamm für sein brennendes Fahrad und wirft es kurz bevor es explodiert die Klippen hinunter ins Meer. Danach reitet er auf dem Holzbrocken in den Sonnenuntergang wo schon sein nächster Schuß auf ihn wartet.

Offenbar unter dem Eindruck dieser Indizien gestand Nikolai H. während eines Verhörs, bei dem er – „zum Aussagezeitpunkt auf Entzug“ – von einem Arzt betreut wurde.

Es wäre doch wenig wahrscheinlich, daß jemand, der sein zehn Jahren drogenabhängig ist, einfach alles mögliche sagt und unterschreibt, wenn er nach drei Stunden Verhör auf Turkey ist und der gute Onkel Doktor mit einer leckeren Spritze neben ihm steht.
Bildquelle: Streetpreacher86

2 Antworten auf „Junkies bremsen nicht für Holzklötze“

  1. Nun ja… einerseits haste natürlich recht, dass es eine bodenlose Wahnwitzigkeit ist, jemandem, der drogenabhängig ist, auch gleich noch die Menschlichkeit abzusprechen, andererseits übertreibst Du es am Schluss, denn dass der Typ schuldig ist, daran besteht ja (soweit ich weiß), kein Zweifel.

  2. Immerhin gibt es anscheinend keine Beweise. Daß der Verdächtige ebenfalls Pappelstämme im Garten hat, ist als Indiz eher dürftig. Die DNA-Spuren hat die SoKo, wie sie selbst einräumt, kolportiert, um dem Verdächtigen eine Falle zu stellen. Mag sein, daß es diese Spuren doch gibt, und man nur den Aufwand vermeiden wollte, massenhaft Speichelproben zu nehmen. Vielleicht gibt es sie aber auch nicht. Dann aber bleibt allein das Geständnis, das zu widerrufen vermutlich nicht nur Herr Vetter empfehlen würde. Da bestehen also durchaus Zweifel.

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