Neulich auf dem Reichtagsklo

A: Manchmal finde ich diese riesigen Managergehälter ja schon übertrieben.

B: Ja, wirklich. Die stümpern da rum und bekommen Millionen dafür.

A: Die Unternehmen können es sich eben leisten.

B: Und wem haben sie das zu verdanken?

A: Na uns!

B: Und was haben wir davon?

A: Also ich habe gerade zwei Millionen, äh … Nichts haben wir davon. Wir sind immer die Dummen.

B: Nur zwei Millionen? Das ist bitter. Aber so kann es doch nicht weitergehen. Wir stehen für Gerechtigkeit mit unserer Partei. Da müssen wir langsam wirklich mal was unternehmen.

A: Da hast Du recht. Wenn ich an all die armen Hinterbänkler denke, wird mir ganz anders. C soll neulich schon in der Bahn zweiter Klasse gefahren sein.

B: Schlimm! Demnächst muß man sich vielleicht auch noch zum Fahrer mit ins Auto setzen, das der an den Zielort transportiert.

A: Soweit kommt’s noch! Lass uns lieber die Däten erhöhen.

B: Werden da nicht die Deppen sauer, die seit Dekaden Nullrunden über sich ergehen lassen müssen?

A: Bestimmt. Aber was wollen die schon machen?

B: Hihi, die Linke wählen, vielleicht?

A: Hahaha, oder gleich die NPD.

B: Wer war das gleich nochmal?

A: Egal, die kriegen dann auch mehr. Hehehe!

B: Sagen wir so zweieinhalb Prozent?

A: Das ist so eine krumme Zahl. Machen wir lieber gleich drei.

B: Puh, Du bist echt hart im Verhandeln. Also gut. Aber, vier ist mein letztes Wort.

A: Das ist mir nicht machbar! Fünf Prozent, oder es gibt gar nichts.

B: Bitte, wir wollen doch vernünftig bleiben und können sicher einen Kompromiss …

A: Sechs also?

B: Deal!

Es folgt einträchtiges Rauschen zweier Toilettenspuelungen.

Telefongesellschaft O2!

Sie haben festgestellt, daß Ausdruck, Papier und Porto für Rechnungen für all Ihre Kunden eine schöne Stange Geld kosten. Das wollen Sie deswegen nun lieber auf den Kunden abwälzen. Soweit ist das keine große Überraschung.

Brief von O2

Nun behaupten Sie aber in Ihrem Schreiben, es sei „umweltschonend“, wenn künftig Sie nicht mehr „jedes Jahr 80 Tonnen Papier“ bedruckten, sondern Ihre Kunden stattdessen in Ermangelung eines Druckers, der zweiseitig drucken kann, gleich 160 Tonnen Papier verbrauchen. Ist es nicht vielleicht eher so, daß Sie sich einfach nur zu schade sind, wenigstens die Kosten fürs Kassieren zu tragen?

Daß es für mich „bequemer“ wäre, die Rechnungen künftig nicht mehr aus dem Briefkasten zu entnehmen, sondern aus den Untiefen Ihrer Website zu graben, glauben Sie ja wohl selbst nicht, was Sie dazu veranlasst, mit weiteren „Vorteilen“ zu locken:

  • Die Online-Rechnung bietet Ihnen nützliche Analysefunktionen zur Optimierung Ihres Telefonieverhaltens,
  • Sie können sie in der gewohnten Darstellung auf Ihrem PC abspeichern oder ausdrucken und
  • werden auf Wunsch per E-Mail über neue Rechnungen informiert.

Es ist nur so, daß ich keineswegs danach trachte, mein Verhalten zu optimieren. Es ist mir zudem nicht ersichtlich, worin der Vorteil bestehen soll, etwas in „der gewohnten Darstellung … speichern oder ausdrucken“ zu müssen, was ich bislang fertig ausgedruckt erhalte, ganz ohne, daß es einer E-Mail bedürfte, die mich auf den Eingang einer Rechnung hinweist.

Für den Fall, daß jemand diese, für Sie preisgünstigere, Variante tatsächlich ausprobieren möchte, kündigen Sie gleich noch an, eine „Rückumstellung“ mit 5,00 € zu bestrafen.

Da habe ich doch gleich mal Ihre Arbeit erledigt, und allen technischen Widrigkeiten zum Trotz, Ihrem Computer erklärt, daß ich daran nicht interessiert bin. So habe ich „einen wertvollen Beitrag für die Umwelt“ geleistet, während Sie hingegen vermutlich sechs Tonnen Altpapier erzeugt haben, um Ihren Profit zu steigern.

Zum Gedenken

Heute ist, wie ich gerade zufällig las, der Tag der Pressefreiheit. Gedenken wir also jener Zeit, in der die Presse noch frei genug war, ihre Quellen schützen zu dürfen. Denken wir zurück an die Tage, in denen die Presse noch unabhängig war von Medienkonzernen, die für ausgebildete Journalisten und Recherche kein Geld mehr ausgeben, sondern auf die Quote schielend Emotionen verkaufen.

Außerdem gedenken wir natürlich jenen Menschen, die in Ländern leben, wo es noch nicht einmal die kurze Zeit zwischen dem 2. Weltkrieg und der Markteinführung des Focus eine freie Presse gab.