Bürgerliche Kräfte

Seehofer warnt davor, den nahenden Wahlkampf auf Merkel auszurichten, weil sonst „eine zweite bürgerliche Kraft“ 1)„Seehofer geht auf Distanz zu Merkel“, Süddeutsche Zeitung, 2.1.2009 zu entstehen droht.

Was aber ist eine zweite bürgerliche Kraft? Im Interview konkretisiert Seehofer dann, es könne „sehr schnell eine zweite bürgerliche Kraft neben der Union entstehen“ 2)Seehofer, a. a. O.. Demnach ist die Union also eine bürgerliche Kraft, neben der es nach dem Willen Seehofers keine zweite geben soll. Schlägt er damit in die Kerbe jener seiner Parteifreunde, die meinen, „Wir brauchen keine Opposition, weil wir sind schon Demokraten“ 3)„Der Standort Deutschland“, Gerhard Polt? Befürchtet er einen Verlust von Wählerstimmen, die dann einer anderen bereits vorhandenen Partei zugute kämen, die darauf zu einer zweiten bürgerlichen Kraft erstarkt?

Wenn er sich so sehr über Merkels Beliebtheit freut, andererseits die Union „inhaltlich und personell breiter aufgestellt“ 4)Seehofer, a. a. O. wissen möchte, was meint er dann bitte damit?

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1. „Seehofer geht auf Distanz zu Merkel“, Süddeutsche Zeitung, 2.1.2009
2, 4. Seehofer, a. a. O.
3. „Der Standort Deutschland“, Gerhard Polt

6 Antworten auf „Bürgerliche Kräfte“

  1. Ja, in die Polt-Kerbe schlägt der Horst.
    Zu den anderen offenen Fragen ist möglicherweise die alte CSU-Maxime ein Schlüsselchen: „Prävention durch Repression“ – hieße hier also: Installiere schonmal eine Platzhalter-Luftnummer für eine „zweite bürgerliche Partei“ und male den Teufel an die Wand, wenn die Alte grade gar so schlecht aussieht, weil ihre Kapitalschiffchenillusion wieder mal gesunken ist.
    Dann wird sie eben trotzdem gewählt; denn ‚das Zweite‘, ‚Zweitbeste‘, waren wir schon immer selbst (wussten Sie noch garnicht?). „Sollen wir uns also jetzt selber Konkurrenz machen?“ Ja, der Horst, „der kann schon was“.

  2. Konkurrenz, verehrter Herr Pecas, belebt das Geschäft. Der Metro-Konzern zum Beispiel, setzt das mit seinen Marken Mediamarkt und Saturn erfolgreich um. Der Kunde hat die Wahl und Metro macht das Geschäft.

    In der Politik übernimmt die Große Koalition die Rolle der Metro und gliedert sich in SPD (Mediamarkt) und CDU/CSU (Saturn).

    Was ich trotz Ihrer dankenswerten Erläuterung noch immer nicht verstehe, ist, was Herr Seehofer nun eigentlich meinte.

    Dafür haben Sie mich zu einem Wahlslogan inspiriert, auf den William Forsythe, wenn auch in anderem Zusammenhang, leider schon gekommen war: Yes we can’t!

  3. Mein gestern Abend mit Ihren Angaben gefütterter Supercomputer hat nach durchgängiger Rechenzeit vor einer Minute mit seinem Ergebnis auf die offenen Fragen gekreisst:
    Zweite bürgerliche Kraft = Offener Faschismus

  4. Demnach hat Seehofer gesagt, wenn der Wahlkampf nur auf das brustbehaftete Kanzlerwesen ausgerichtet würde, könne sehr schnell offener Faschismus entstehen. Wenn Ihr Rechengerät sich nicht geirrt hat, mein lieber Herr Pecas, muß Herr Seehofer hochgradig verwirrt sein. Diese Vermutung hege ich allerdings schon länger.

  5. Zu diesem Schluss komme ich eigentlich nicht direkt; ich sehe die Möglichkeit eines geriebenen Werbestrategen, der das Unsichtbare Wort, wenn ich es einmal so nennen darf, bemühte – der es also rhetorisch an der fraglichen Stelle unternahm, zugleich etwas [gesellschaftlich seinem Instinkt und allem Anschein nach offenbar gröber werdend Vorhandenes und von daher allein schon wahlarithmetisch – da kann jene Verwirrung bei Politprofis bekanntlich ganz leicht entstehen – Hochinteressantes] nichtzubenennen, also redetechnisch virtuell so zu extrahieren, dass dieses scharf angeschnittene Unsichtbare Wort dabei augenblicklich schon wieder [in die teilweise physisch so brustbehaftete wie mental bresthafte Union, die er damit eben auch gleich dant nahm] re-integriert ward.
    Da mein Rechengerät für gewöhnlich zwar zuverlässig ist, keineswegs jedoch als unfehlbar gelten kann, habe ich alles eigens noch einmal in der Nebelkammer überprüft und bin tatsächlich auf entsprechende Spuren gestossen.
    Jene von Horst „Host mi“ Seehofer bemühte Redefigur, das stimmt allerdings, ist landläufig als der Wirrwarr bekannt; und stets verbirgt sich etwas dahinter. In diesem Fall, vermute ich, handelt es sich dabei also darum, dass jene „zweite bürgerliche Kraft“ NEBEN – und nicht IN – der Union „zu entstehen droht“, „wenn der nahende Wahlkampf auf Merkel ausgerichtet werden sollte“ – warum das jetzt so sein sollte?
    I guess, Horst was coining his brand there, no matter what.

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