Salamitaktik

MILANO - Food in Street Market (14)Wohlschmeckende Dauerwurst, wie etwa jene aus Ungarn, die unter dem Markennamen „Pick“  hierzulande vielfach angeboten wird, schmeckt am Besten, wenn sie dünn geschnitten serviert wird.

Diese Binsenweisheit ist für Feinschmecker freilich keine Neuigkeit. Die Fleischereifachverkäufer zeigen sich aber vorwiegend als unzureichend instruiert. Ohne ausdrückliche Anweisung scheuen sie den Aufwand und neigen dazu, die gewünschte Menge in möglichtst wenige Scheiben zu teilen.

Einige subalterne Salamiemmitenten erweisen sich sogar als durchtrieben genug, den Wunsch nach angemessen dünnen Scheiben damit zu quittieren, das Schneidegerät so einzurichten, daß nur noch unbrauchbare Fetzen dabei herauskommen, die der lästige Kunde kein zweites Mal zu bestellen wagen wird.

Bestellen Sie ungarische Salami also gleich unmissverständlich in 1,2 bis 1,5 Millimeter breiten Scheiben. Halten Sie die Fachkraft aber ruhig dazu an, die Dicke weiterer Metzgereierzeugnisse neu zu verhandeln.

[PS.: Weitere Aufschnittexperise bei Blue Sky]
Creative Commons License photo credit: Ambrosiana Pictures

8 Antworten auf „Salamitaktik“

  1. Tierleichen möchte ich gar nicht auf- oder angeschnitten haben, Herr Fellow Passenger. Egal, in welcher Form die in der Auslage landen.
    Die Leichengräber in der Politik beherrschen die Salamitaktik hingegen alle perfekt.

  2. Das überrascht mich durchaus nicht, verehrter Herr ZAF. Dennoch sind meine Privatstudien über die Schnittdicke von Lebensmitteln durchaus auch für Pflanzenesser von Nutzen. Trüffel entfalten ihr Aroma auch erst, wenn sie dünn genug gehobelt sind. Hier ist eine Versuchsreihe besonders leicht im heimischen Küchenlabor durchzuführen. Vorausgesetzt Sie verfügen über einen Trüffelhobel, der sich ebenfalls bei Hartkäsen wie Parmesan und Peccorino bewährt. Auch wenn der Sinn nach Knoblauch in hauchdünnen Scheiben steht ist dieses Werkzeug unbedingt zu empfehlen.

  3. Trüffel sind mir ein wenig zu teuer, um diese zu verwenden, Herr Fellow Passenger. Ich bin ja durchaus bereit, für gute Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen. Aber Trüffelpreise sind einfach nur obszön.

    Und Käse esse ich so gar nicht, weil der im allgemeinen mit aus Kälbermägen gewonnenem Lab dickgelegt wird.
    Aber vielleicht sollte ich mir doch mal einen Trüffelhobel zulegen. Die Idee mit dem Knoblauch klingt nicht so verkehrt. Bisher habe ich den immer mit einem Messer in dünnere Scheiben geschnitten, was angesichts der Tatsache, daß ich diese dann eine gewisse Zeit mit den sonstigen Lebensmitteln wie Tofu, Kartoffeln, Sellerie, Pastinaken, Möhren, Sonnenblumenkernen, Sesamsamen u.a. zusammen brate, aber auch wiederum ganz praktisch ist, da man so ein wenig mehr Zeit hat und der Knoblauch nicht gleich verbrennt, was bei hauchdünnen Scheiben wohl der Fall wäre. Aber so für Salate o.ä. wäre das mal eine Option.

  4. Also, werte Gourmets, ein Fetischhobel erst ist was für alle Zwecke: Ob Salami oder Käse, Knoblauch oder Kalbsgebräse, Tintenfisch und Lorrän Kisch … an die Wand drapiert damit! Das fördert garantiert den Appetit.

  5. Im Nachtrag oute ich mich auch als Vegetarier; schon lang so einer. Daher womöglich die Bissigkeit.
    Die Salamis in der Auslage erinnern mich irgendwie stark an die Knüttelchen, die die Strolche auf den Zeichnungen vom George Gross immer in der Hand haben. Naja. Ist wohl der Distanz geschuldet, die man als Pflanzenfresser so entwickelt im Lauf der Zeit – gegenüber den Carnivoren.
    Doch eins noch, hinsichtlich des Knoblauchs: Da der so gut wie immer mit Salz einhergeht, halte ich dessen Zerquetschen – in einem, sagen wir, Olivenholzmörser, gleich zusammen in Salz – für optimal; denn dann braucht man ihn weder niederzubraten, noch niederzubrennen, und kann ihn in solch feinste Form gebracht erst kurz vor Schluss des Kochaktes zugeben. Für die Dosierung des Salzes ist das ebenfalls garnicht schlecht, da hat man einen guten Überblick, per Aufsichtsvorlage, sozusagen. Das selbe Verfahren wende ich selbstverständlich auch bei Kaltgerichten, wie etwa Salaten, an: Universeller ist nicht einmal das Fetischhobelmodell.
    ¡Que aproveche!

  6. Ich sehe schon, die Ergebnisse meiner Untersuchungen werden nur mir selbst zugute kommen. Man sagt dem Blogwesen ja ohnehin nach, daß es sich um ein selbstreferentielles Unterfangen handelt.

    Ihre Abneigung gegen Lab, mein lieber Herr ZAF, schränkt das Ihnen zuträgliche Käsesortiment natürlich ein. Viele Sorten, die mit pflanzlichen Gerinnungsmitteln auskommen gibt es ja nicht.

    Unter den verschiedenen Mörsermodellen kann ich unbedingt jene aus Granit empfehlen, bester Herr Pecas. Mit solchen läßt sich Knoblauch sehr einfach, mit oder ohne Salz, verarbeiten. Spülmaschinentauglich sind sie auch und darüberhinaus in geradezu jedem asiatischen Lebensmittelgeschäft preiswert erhältlich.

  7. Wie jedoch, Herr Mitreis, hätten Sie jetzt zum Beispiel darauf kommen können, von einer asiatischen Fleischfachverkäuferin in hauchdünne Scheiben geschnitten, dabei beileibe aber nicht zerrissen werden zu wollen, ohne Ihre Ergebnisse nicht auf ihre Unter- und Obertöne hin verbloggt gehabt zu haben?
    Was jetzt schon auch ein bisschen für das Selbstreferenzielle an sich sprechen könnte.

  8. nicht nur salami, bester fellow, nicht nur die salami. auch die drucker neigen dazu, grobes anzubieten. die handlichen schneidemaschinen, die vorsichtshalber mit 2 knöpfen zu bedienen sind (vorsichtmassname, dass nicht etwa noch irgendeine hand unter den messern gelangt) zerfetzen öftermals das zuschneidende material (höchstens als balaststoff geniessbar, visuell garnicht! auch für vegeterier geeignet).
    das öftere nachschärfen hilft dabei, die drucksachen spurenfrei und formatgerecht (dank das nanomillimetergenauer hydraulik)abzuliefern. da können die fleischer nicht gegen anstinken. vielleicht bringen sie ihre pickwurst ab jetzt zum freundlichen drucker in der nähe.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.