Auch wenn unser despotischer Chefredakteur die Parole ausgegeben hat, nicht mehr direkt per Link auf lausige Online-Beiträge der klassischen Presse zu verweisen, findet sich selbst dort ab und zu noch etwas Lesenswertes. Diesen Kommentar von Kai Biermann in der „Zeit“ über Freiheit im Netz darf ich Ihnen wohl zur Lektüre empfehlen, auch ohne empfindliche Disziplinarmaßnahmen befürchten zu müssen. Herr Passenger ist ja kein Unmensch.
Kategorie: Vermischtes
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So desinformiert die Presse
Die Internetausgabe der Rheinische Post erklärt, wohl exklusiv, wie die Online-Durchsuchung funktioniert.
Der Karlsruher Sicherheitsberater Dirk Fox hatte in einem Gutachten für das Bundesverfassungsgericht geschrieben: „Will man sicherstellen, dass die Durchsuchungssoftware auf keinem anderen als dem gewünschten Zielsystem installiert wird, gibt es keine Alternative zur manuellen Installation.“ Will heißen: Fahnder müssten demnach eigentlich in die Wohnung des Verdächtigen einbrechen und dort auf dem Rechner ihre Programme installieren.
Das mag stimmen. Wie aber kommt „RP ONLINE“ auf folgende Argumentationskette?
Dies allerdings ist nach dem Kompromiss zwischen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und Justizministerin Brigitte Zypries nicht erlaubt. Also muss alles versucht werden, dass der Verdächtige nichts von der Geheimdurchsuchung mitbekommt.
Weil eine „Geheimdurchsuchung“ nicht erlaubt ist, muß sie stattdessen im Geheimen erfolgen. Hört, hört! Weiter heißt es:
Antivirenprogramme schlagen bei Schnüffelangriffen schnell Alarm. Die Fahnder werden wohl darauf angewiesen sein, dass ihre Zielpersonen es mit der Computersicherheit nicht so Ernst nehmen.
Wer seinen Virenscanner aktuell hält, darf sich also freuen, ein unangreifbares System zu besitzen. Schön, daß Sicherheitslücken in Programmen demnach keine Rolle spielen. Warum werden die eigentlich nach ihrer Entdeckung geschlossen? Aber halten Sie sich fest. Es wird noch besser:
Nach Einschätzung von Experten können Fahnder allerdings nicht immer ihre Spuren löschen, die sie mit ihrer Software auf dem Rechner des Verdächtigen hinterlassen. Sichert der Nutzer etwa über ein sogenanntes Backup seine Daten und stellt das System Monate später wieder auf den alten Stand zurück, könnte das bereits gelöschte Spionageprogramm wieder auftauchen.
Das ist zweifellos ein Aspekt, der für Kopfzerbrechen sorgen könnte. Es wäre ja schlimm, wenn man ein paar Monate in U-Haft saß und plötzlich herausbekäme, warum.
Auch die Beweislast der gewonnenen Informationen ist fragwürdig: Daten könnten zum Beispiel von Polizisten manipuliert oder die Beamten selbst auf eine falsche Fährte gelockt werden, wenn der Nutzer die Online-Durchsuchung bemerkt.
Die Beweislast liegt klar bei den Ermittlern. Fragwürdig ist allenfalls die Beweiskraft.
Zudem kann ein Rechner nicht zweifelsfrei einer bestimmten Person zugeordnet werden, wenn zum Beispiel ein DSL-Anschluss gemeinsam genutzt wird.
Gemeint ist wohl nicht ein Rechner, sondern die IP-Nummer eines Internet-Zugangs, hinter dem sich ein ganzes Netz von Rechnern befinden kann. Das Problem: Ob die Schnüffler die richtige Maschine angreifen, erfahren sie erst, wenn sie das System bereits infiltriert haben.
Das bedeutet: Die erbeuteten Daten sind vielleicht für Kriminalbeamte hilfreich, die Anschläge verhindern wollen oder sich neue Ermittlungsansätze erhoffen. Staatsanwälte benötigen dagegen Beweise, mit denen sie eine Verurteilung erreichen können.
So sieht moderner Qualitätsjounalismus wohl leider aus: Geld für Anzeigen erbeuten und sich erhoffen, damit Leser zu erreichen, die nicht merken, daß sie für dumm verkauft werden.
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Logistik-Unternehmen vor dem Aus
Die heilige Dreifaltigkeit der inneren Sicherheit, Schäuble, Ziercke, Zypries, hat noch nicht ganz begriffen, daß das Bundesverfassungsgericht, aus gutem Grund, die Hürden für die Online-Durchsuchung so hoch gehängt hat, daß sie de facto unmöglich ist.
Vor lauter Verzweiflung ist dabei angeblich eine sensationelle Möglichkeit aufgetaucht, die zum Ruin der gesamten Logistik-Branche führen könnte. Laut Antiterrorblog hat die Rheinische Post berichtet, daß Hardware nun auch per E-Mail verschickt werden kann.
In einem ersten Experiment haben wir versucht, einige irreparabel defekte Drucker aus der Redaktion an einen Münchner Wertstoffhof zu mailen. Leider bislang ohne Erfolg.
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Unterschlagenes Land
Weil ja kein Mensch sich in allen Foren registrieren kann, wo diese wirklich brillante Überlegung zu finden ist, mal eine kurze Würdigung dazu:
Guckt in euren Pass, was steht da? Staatsbürgerschaft DEUTSCH. Was ist denn das? So eine gibts nicht. In jedem Pass anderer Nationen steht dort der Name des Landes. Da fehlt das Wort …LAND. Wieso?
Dort steht „Staatsangehörigkeit: deutsch“. Deutsch drückt in unserer Sprache aus, daß etwas aus unserem Land kommt. Das ist eine Herkunftsbezeichnung in deutscher Sprache. Die Staatsangehörigkeit Deutsch gibt es ebenso wie Französisch, oder Guatemaltekisch. Das Wort Land fehlt dort keineswegs. Wir sprechen schließlich auch nicht Deutschland, sondern Deutsch.
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Kurz notiert III
- Helfen kann so einfach sein: Für nur einen Euro pro Bundesbürger bekommt Saigon eine eigene U-Bahn, von Siemens.
- Die englische HSBC-Bank hat gerade 370000 Datensätze ihrer Kunden verschlampt. Halb so wild. Der BND „findet“ die CD-ROM bestimmt bald. Verloren geht da nichts.
- Als das Fernsehen noch genügend Zeit hatte, Menschen ausreden zu lassen, hat es auch Interviews gesendet, die heute noch interessant sind. F!XMBR war so freundlich, bei youtube.com die Zehn-Minuten-Häppchen einer Sendung mit Rudi Dutschke zusammenzuklauben.
- Ich habe jetzt mal das mir unaufgefordert unterbreitete Angebot „e@asy Credit“ über ein Darlehen direkt an ABN AMRO weitergeleitet, die mir unverlangt Vermögensverwaltung anboten.Vielleicht wird man mir ja eine kleine Provision zugestehen.
- Die „Zeit“ stellt die falsche Frage, was von Pierer wußte. Die richtige Frage wäre wohl eher, wie man womöglich schon heute einen Großauftrag erteilt bekommen kann, ohne sich dafür erkenntlich zu zeigen.
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Lebensmittelkraftstoff wird teurer
„Lebensmittel werden knapp“, titelte das Boulevard vor Kurzem. Das ist für Deutschland zwar wohl ziemlicher Käse, aber verwunderlich ist es kaum.
Warum soll man nicht zur Abwechslung mal Bio-Sprit verbrennen, statt Erdöl, ist eine gängige Idee. Rapsöl statt Diesel oder Ethanol aus Getreide ist ja auch geeignet, um Automobile anzutreiben und Heizungen zu befeuern. Dank der umweltfreundlichen Mineralöl- und Ökosteuern ist das auch viel wirtschaftlicher.
Bislang mußte man den begehrten Treibstoff umständlich ausgraben oder sonstwie aus dem Planeten pumpen. Heute können wir, dank der ohnehin vorhandenen Raffinierien, auch Lebensmittel tanken, die auf dem Acker wachsen.
Sollen die vom Ackerbau lebenden Völker sich doch einfach von Erdöl ernähren. Im Grunde ist es doch egal was wir in unsere Tanks füllen — Hauptsache wir holen es uns von den anderen.
Da unternimmt Wirtschaft und Politik endlich mal etwas gegen die hohen Energiepreise, und schon jammern die Verbraucher, weil im Gegenzug das Essen teurer wird. Denen kann man es ja nie recht machen. Es wäre kein Wunder, wenn dieses ganze parasitäre Arbeitnehmergeschmeiß demnächst auch noch verlangen würde, daß die Löhne an die Inflation angepaßt werden sollen.
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Seltsame Branchen
Herr Gugel hat unsere Verbannung seit ein paar Tagen schließlich doch aufgehoben. Seitdem werden wir wieder mit Spam überschüttet. Unser elektrischer Türsteher, Herr Akismet hat seitdem wieder alle Hände voll zu tun.
Das wirklich erstaunliche an Spam ist ja diese eng umrissene Branchentreue. Potenzpillen, Wichsvorlagen und Glücksspiele dominieren den Markt. Nur gelegentlich werden Aktienkäufe empfohlen, oder diffuse Software-Anbieter vorgestellt. Eher elten werben Diktatorenwitwen für die Ausfuhr von Vermögen um Mithilfe. Manchmal wird man nach den Zugangsdaten für sein Konto gefragt, oder auch nur gebeten es für Zahlungsabwicklungen zur Verfügung zu stellen.
Noch nie habe ich auf diesem Weg ein Angebot für Schuhe erhalten, oder für Tee, Heizöl, Satirezeitschriften, Möbel, Kalbsleber, Betäubungsmittel, Gebäck, Segelyachten, Schlüsselanhänger, Organspenden, Fernreisen oder einen Verbandskasten.
Darüber kann man natürlich nur froh sein. Aber komisch ist das schon.
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Spreeblick goes Gonzo
Das beliebte Berliner Mainsteam-Blog „Spreeblick“ entdeckt schließlich das von Hunter S. Thompson geprägte Genre Gonzo-Journalismus und schreibt über Doping.
Bitte mehr davon!
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Keine Ahnung, liebe Lebensmittelbringdienstmafia,
haben wir, was Sie uns da für Neuigkeiten über Postleitzahlen zu übermitteln trachten. Zumindest betiteln Sie ja Ihr Schreiben an uns mit „bringbuttler.de – PLZ-News“.
Daß Sie Ihre Absenderadresse [email protected] nun mit dem Namen „Pizza Punjabi“ versehen haben, macht uns immerhin neugierig auf Murg Calabrese und Linguine Jalfezi.
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Unterschätzte Netzangebote I
Möchten Sie sich im Weltweiten Netz mal ins rechte Licht rücken und Ihre Universalkompetenz in allen Lebenslagen unter Beweis stellen, wissen aber noch nicht um alle dafür geeigneten Techniken? Dann werden Sie gewiß Gefallen an der umfassenden kommunikationswissenschaftlichen Ausarbeitung des mit allen Wassern Digitaliens gewaschenen Herrn Leckse finden. Mit wohlfeilen Worten beschreibt Herr Leckse die erstaunlichen Erkenntnisse seiner umfangreichen Studien. Daraus kann selbst der eingefleischte Datenreisende noch einiges lernen.