Katze im Sack

Als „Hardboiled Melodram“ bezeichnet Florian Schwarz seinen Film „Katze im Sack„. Das habe ich aber gerade erst gelesen. Davor habe ich den Film gesehen und dazwischen spontan das Genre „Beischlafgroteske“ erfunden. Ich finde das passt besser.

Es begegnen sich zwei seltsame Menschen, Doris und Karl, im Zug und entwickeln eine ambivalente Zuneigung. Anstelle gemeinsamer Unternehmungen bestehlen sie sich lieber gegenseitig und trennen sich. Als sie sich in einer trostlosen Karaokebar wiedersehen, finden sie auch nicht zusammen. Dafür haben sie und sämtliche Gäste Sex mit einem Partner, den sie eigentlich nicht wollen. Karl mit dem „Sahneschnittchen“, auf das der schmierige Aufreisser Sandro ein Auge geworfen hatte, Sandro mit Doris, Doris‘ Freund geht ins Bordell und Sahneschnittchens Schwester stürzt sich ebenfalls auf Karl. Der zu Beginn der Geschichte von Karl verprügelte Gelegenheitsschwule Peter schlägt derweilen seine Frau.

Den Film ist witzig, boßhaft, auch melodramatisch und durchaus irritierend. Gut gespielt, schön gefilmt, schnell geschnitten. Die marode Atmosphäre wird untermalt mit Musik von 2Raumwohnung und Slut. Die Figuren bleiben bis zum Ende unnahbar und voller Rätsel, deren Auflösung stets nur angedeutet wird. Immer kommt es anders als vermutet. „Katze im Sack“ ist kein schöner, aber ein sehenswerter Film. Wenn der Verleih verspricht, es sei „Ein Liebesfilm für alle, die keine Liebesfilme mögen“, verspricht er nicht zuviel.

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