Neues Fenster

Mehrere Fenster auf einem Bildschirm sind eine tollle Sache. Das muß ich jetzt mal ganz ausdrücklich loben. Als Blogger muß man sich ja immer bemühen auch mal etwas gut zu finden, damit man in der finsteren Ecke der Destruktivität von Herrn Trautmanns Du-bist-Deutschland-Keller nicht vermodert.

Wenn man regelmäßig Internet statt Fernsehen schaut, lernt man schnell, wie man zwischen verschiedenen Seiten umschalten kann. Wenn man auf einer Seite einen Hinweis auf eine andere entdeckt muß man nur einmal draufdrücken und schon kann man dort weiterlesen. Anders als beim Fernsehen wechselt dann nicht einfach nur das Programm, sondern es taucht ganz oft gleich ein zusätzliches Fenster dafür auf. Das ist so, als würde sich beim Betätigen der Fernbedienung sogleich ein weiteres Fernsehgerät im Wohnzimmer manifestieren. Von Elvis Presley einmal abgesehen, möchte doch aber niemand mehrere Sendungen gleichzeitig verfolgen. Davon wird man nur dick und medikamentenabhängig. Gelegentlich möchte ich tatsächlich Sachen in einem eigenen Fenster betrachten, etwa um im einen etwas über den Inhalt des anderen zu schreiben. Das kann ich ganz leicht erreichen, indem ich zusätzlich eine weitere Taste drücke.

Offenbar halten viele Internetseitenverfasser ihre Ausführungen für derart langweilig, daß sie anehmen, man würde sie unverzüglich vergessen, sobald man einem ihrer Hinweise folgt. Warum sonst sollten sie einen zwingen die empfohlene Seite in einem zusätzlichen Fenster zu lesen? Diese Aufdringlichkeit ist ungefähr so angenehm wie die Offerte eines Drückerkollonenmitglieds eine Rätselzeitschrift zu abonieren, der behauptet nur dadurch von seiner Medikamentenabhängigkeit loszukommen.

Ganz im Sinne von den Herren Kemper, Jung von Matt, Traut- und Bertelsmann und den anderen Sozialvermarktern, möchte ich rufen: Du bist das Internet. Öffne und schließe Deine eigenen Fenster und lasse die Deiner Leser in Frieden.

9 Antworten auf „Neues Fenster“

  1. Wahr geschrieben, Herr Fellow Passenger. Aber es sind nicht nur die Grossen, die meinen mit dieser Unsitte den Leser bei sich zu halten. Ganz besonders putzig sind diejenigen Sites, insbesondere die aus dieser neumodischen Ecke ECommerce, die sogar innerhalb ihrer Homepage neue Fenster öffnen.

  2. Die Großen, Herr Sascha, sind es sogar eher selten, scheint mir. Diese selbstbetrügerische Methode die Besuchsstatistik aufzuhübschen hat eher etwas wadenbeißerisches.

    Da können Sie Ihre Ziele wienern und blank polieren wie sie wollen, Herr 3zenzi+c, wenn Sie nur bitte aufhören, bei mir ungefragt die Fenster aufzureißen. Wir haben Winter und es ist kalt draußen.

  3. Schütten Sie einfach etwas Glycerin in die Tinte und sie gefriert erst bei sehr niedrigen Temperaturen. Alternativ können Sie auch Alkohol nehmen, allerdings wird dadurch die Tinte nur dünnflüssiger. Außerdem schreiben Sie doch eh alles am Computer. Da brauchen Sie nur Strom und Elekronen bewegen sich auch bei Minusgraden im Gegensatz zu manch fauler Person!

  4. Da haben Sie recht, Herr Fellow Passenger. Mit Alkohol meinte ich niedrigkettige, einfache Alkanole wie Methanol, Ethanol oder Propanol. Aber hätte das dann noch jemand verstanden?
    Vulgo wird Ethanol ja als Alkohol bezeichnet. Eine Trivialbezeichnung ist auch noch Ethylalkohol. Da die Viskosität niedrigkettiger Alkanole allerdings sehr gering ist, tritt bei der Zugabe dieser Verbindungen eher ein Verdünnungseffekt ein. Sie könnten natürlich das ganze nachträglich mit Cellulose, Stärke oder anderen Verdickungsmitteln verdicken. Aber das erscheint mir zuviel Aufwand, wenn Sie das gleiche auch mit Glycerinzugabe erreichen können.
    Und wieso streiken die beweglichen Teile Ihres Computers? Was haben Sie denn da für einen Mädchencomputer, der gleich den Dienst einstellt?

  5. Mit Glycerin wird die Tinte zwar nicht dünner, aber weniger farbig.

    Ich beglückwünsche Sie dazu, daß Sie offenbar eine richtige Männerfestplatte zu betreiben scheinen. Die normalen Mädchencomputerfestplatten geben unter 0 °C den Geist auf.

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