Süd-Nord-Gefälle bei Christkindelmäkten

Während der geschätzte Kollege Herr Burnster im vorweihnachtlichen Berlin mit Humus und Schwamm, was nicht besonders nahrhaft klingt, darben muß, wird der Münchner Christkindelmarktbesucher an der Münchner Freiheit mit „Heißem Bischof“ und „Sizilianischer Bratwurst“ bei Laune gehalten.

Freilich ist die Wurst in Wahrheit von fränkischer oder thüringer Herkunft, besticht aber durch hohe Qualität und vorzügliches Aroma. Zudem ist sie mit Kräutersenf nappiert, dessen Gewürzkomposition ihr zumindest den Nimbus des Sizilianischen verleiht.

Der heiße Bischof ist ein „Glühwein der Extraklasse“, wie der Anbieter ohne Bescheidenheit wirbt, der Wahrheit aber damit durchaus nahe kommt. Von Geschmack und Rauschwirkung abgesehen bereitet aber natürlich der Name besondere Freude. Ein geistiges Getränk, das an einen Geistlichen erinnert, der erregt seinen Ministranten nachstellt, erzeugt ein gerüttelt Maß an vorweihnachtlichem Frohsinn.

20 Antworten auf „Süd-Nord-Gefälle bei Christkindelmäkten“

  1. Den kenn ich schon noch, Ihren heißen Bischof. Wie bereits erwähnt, statt Glühwein trauen sich diese janusköpfigen Erziehungsesoteriker vom Kollwitzplatz doch tatsächlich Yogitee auszuschenken. Zwangsräumen sollte man ihn hin und wieder lassen, den Prenzlauer Berg.

  2. Fordern Sie Wasserwerfer an, Herr Burnster, so kann das bei Ihnen ja nicht weitergehen.

    Hirschkakao klingt ja an sich schon befremdlich, aber als ich die Zusammensetzung las, wurde mir schlecht, Herr Ole. Heidelbeersherry mag ich ja noch dulden, aber Kakao mit Leberkleister ist eindeutig zu viel.

    Grünkohl habe ich auf den hiesigen Weihnachtsmärkten noch nie entdeckt. Flammbrot, Maroni, Überbackene Baguettes, Crepes, Schupfnudeln und vieles mehr, aber keinen Grünkohl. Sollte ich mal zur Weihnachtszeit in Kiel sein, Herr Wüstenfloh, will ich das gerne versuchen.

  3. Tun Sie es nicht, mein bester Herr Passenger. Also das mit dem Grünkohl meine ich. Das schaffen nur Norddeutsche, weil man sie von klein auf daran gewöhnt hat. Wir süddeutschen Kenner schaudern schon beim bloßen Anblick, der ein wenig an ein Stoffwechselprodukt nach exzessivem Brennesselverzehr erinnert, genauso auch riecht und wenigstens so ähnlich schmeckt.

  4. Da packt mich aber der heilige Zorn, Herr … Herr …Poodle. Ich werde nicht versuchen, mit gleicher Münze heimzuzahlen, weil wir hier im Norden ein tolerantes Volk sind, dem der süddeutsche militante Lokalpatriotismus fremd ist.

    Wenn das, was der Mensch so unter sich lässt, jawohl, auch Sie Herr Poodle, in der Grünkohlzeit ein gewisses Kolorit annimmt, ist das eben der untrügliche Indikator, dass diese schöne Zeit wieder angebrochen ist.

    Bleiben Sie dort unten doch bei Ihren Nudeln oder Spätzle oder wie die Dinger auch heissen mögen.

  5. Wenn ich Herrn Poodle richtig verstehe, Herr Wuestenfloh, ist es nicht die Färbung der Stoffwechselendprodukte nach dem Verzehr von Grünkohl, sondern die optische und olfaktorische Gleichheit und geschmackliche Ähnlichkeit von verdauten Brennesseln mit dem zubereiteten Grünkohl selbst, die seinem Abraten zugrundeliegt.

    Ob der Grünkohl dem süddeutschen Gaumen grundsätzlich unzugänglich oder gar dem Metabolismus unzuträglich ist, scheint mir durch Ihre Ausführungen, Herr Poodle, nicht hinreichend gefestigt, weil ich es als unwahrscheinlich erachte, daß Sie menschliche Ausscheidungen mit Brennesselanteil je tatsächlich einer eingehenden kulinarischen Prüfung unterzogen haben. Wie mir durch einige Leserzuschriften bekannt ist, gibt es allerdings Menschen deren sexuelle Vorlieben den Verzehr von Exkrementen einschließen. Sollten Sie diese Praxis pflegen, will ich Ihrem Vergleich gerne Glauben schenken.

    Wäre es denn einem der Herren möglich, mir darzulegen wie dieses Gemüse üblicherweise zubereitet wird, damit ich mir zumindest theoretisch ein Bild über dieses offenbar umstrittenen Gemüses machen kann?

  6. Herr Fellow Passenger, ich will Ihnen gegenüber gerne zugeben, dass meine Antwort auf die Poodle’sche Provokation emotional und thematisch nicht sehr treffsicher ausgefallen ist. Das wiederum Verbindende zwischen der Auslassung des o.g. Herrn und meiner Replik war das Stichwort ‚Stoffwechselprodukt‘, das ein blutrünstiges Rauschen hinter meinen Augen evozierte und mich blindwütig in einen Kommentiertaumel hinein riss.

    Nun muss ich aus der Situation das Beste machen
    und in die Zukunft blicken. Für mich ist es in Anbetracht der vorweihnachtliche Stimmung sogar gedanklich möglich, wieder in einen sachlich geprägten Dialog über den Grünkohlgedanken mit dem Herrn Poodle einzutreten.

    Ihrer Bitte, Herr Fellow Passenger, Sie in die Art der Zubereitung des Grünkohls einzuweisen, würde ich sehr gerne nachkommen. Nur leider fehlt mir dazu völlig das Talent. Ich durfte mich seit frühesten Tagen darauf beschränken, dem segensreichen Wirken der Hausfrau in der Küche zuzuschauen. Meine aktive Mitwirkung war dabei nicht gefragt. Hingegen habe ich mir im Laufe des mittlerweile gar nicht mehr so kurzen Lebens, manche Verdienste bei Verzehr unseres Nationalgerichts erworben.

    Darf ich Sie, vereehrter Herr Fellow Passenger, auf Google verweisen, das, wie ich schon geprüft habe, durchaus zuverlässige und seriöse Hinweise zum Thema Grünkohl auswirft.

  7. Ich stelle fest:

    Grünkohl mit Kassler und Kochwurst ist ein himmlischer Genuß.

    Was aussieht, wie ausgekotzt oder wie ’ne mißglückte Kuhflade, sind württembergische „Spätzle“. Soll ich Ihnen das Foto nochmal unter die Nase halten, Herr Poodle?
    Das Zeug riecht nämlich auch so, großes Kohlsches Ehrenwort!

  8. meine herren.
    ich glänze zur zeit mit totschlagargumenten. ich schrecke nicht zurück auch hier meine hiebelogik zu verewigen.

    zunächst, auf den chriskindlmarkt am für die stadtmünchen bedeutungsschwangeren sendlinger tor, (die einstige stadtgemäuer) waren nicht nur original bayerische crepes und baguettes zu erwerben, jedoch auch gyros und pita mit exotischer füllung. ein einziger stand servierte schreckliche würschte (lt. mister jolly good). für ein kaskrainer muss man sich schon bis in die fussgängerzone durchkämpfen. der stand ist heissbegehrt und ist direkt neben den ofenkartoffel stand.
    die feuerzangenbohle am sendlinger tor ist nicht von der hand zu weisen und der ausschank original bayer mit gejammer und grantig. das darf nicht fehlen. diese „wir orientieren uns an die anfrage“-mentalität, eine ergeizige „serviceüberalles“-mentalität ist äusserst unbayerirsch. ich mage es wenn mir entgegengegrantelt wird, dass das die letzte runde sei. und ob sie genug verdienten, denn noch viele kunden gern mehr trinken würden, dos ist mir gleich – diskursen gehören einfach dazu. trink di zsamm.

  9. Gegendarstellung
    Der Fellow Passenger hat zu keiner Zeit behauptet, die von dem Würschtlstand auf dem Christkindelmarkt am Sendliger Tor zu München servierten Würschtl wären schrecklich.

    Richtig ist, daß der Fellow Passenger das eingeschränkte Angebot kritisierte, welches sich zu diesem Zeitpunkt nur mehr auf Rauchzipferl erstreckte.

    Richtig ist ferner, daß der Fellow Passenger den schräg gegenüber feilgebotenen „weißen Glühwein“, als ungenießbar eingestuft hat und bekundete, der erheblich bessere „rote Glühwein“ vom Stand mit dem grantigen Betreiber, harmoniere nicht mit den an sich einwandfreien Rauchzipferln.

  10. Herr Kubelick, wen haben Sie denn totgemacht? Ich hoffe doch, Sie haben sich bei dieser Tätigkeit keine selbstverstummenden Verletzungen zugezogen. Wir wären untröstlich trostlos.

    Canossa, lag das nicht irgendwo in der Nähe Ihrer Residenz?

    Ich hätte Ihnen unglaubwürdige Neuigkeiten zu ofenbarren!

  11. Sie, Herr Fellow Passenger, stimmt irgendetwas mit der von Ihnen im Impressum angegebenen Mailadresse nicht. Ihre vorherige ist bei mir inmitten sammelsurischer Verwirrungen untergegangen, und die impressarische Adresse beschwor bei mir trotz komplett korrekter Schreibweise nichts als elektronische Postdämonen. Schade. Nun denn, Ihnen nun von dieser Seite aus ein famoses, enorm lebenswertes Weihnachtsfest mit allerlei kulinarischen Köstlichkeiten.

    Selbiges auch für Sie, Herr Kubelick, der ich Ihnen mangels elektronischer Briefkastenadresse meine Grüße ebenfalls nur auf diesem Wege zukommen lassen kann.

  12. Von Ernährungslehre, Müttern und Omas weiß man, dass Grünkohl wie alle Kohlarten sehr gesund ist. Grünes Gemüse enthält viel Eisen und empfiehlt sich daher besonders für anämische Menschen (z.B. junge Frauen, Schwangere, Stillende…). Grünkohl und Sauerkraut sind besonders gesund, wegen ihres hohen Vitamin-C-Anteils, weshalb die schlauen Vorfahren sie zu traditionellen Winterspeisen erkoren.
    Gibt es auf Münchener Christkindlmärkten auch indischen Chai (Yogi-)Tee oder ist dies eine Berliner Spezialität? Ich bin den kulinarischen Sinnesfreuden naher und ferner Lande prinzipiell aufgeschlossen. Grünkohl bleibt mir seit längerem erspart.
    Am appetit-anregensten und attraktivsten klingt in meinen Ohren der Beitrag von Herrn kubelick. Eine gelungene Reisebeschreibung. Ich werde den Weg zu den pita mit exotischer füllung und anderen Genüssen finden.

  13. für manch nicht norddeutscher ist grünkohl ein ebenso exotischer lekerbissen wie für sie, verehrteste miss moon, masala tea.
    einst, sehr pituresque im sz-magazin erläutert, die kulinarischen erstbegegnungen eines japanischen schriftstellers mit den bayowarischen speisekreationen. der arme löffelte den sud des weisswurschtwassers. er empfand ihn etwas fad für eine suppe, aber nicht ungut. manch anderer könnte ihn für händereinigungswasser halten. wer weiss.

    dementi. nichts als dementi, mister jolly good. die wursch, welche den ganzen tag in den ölpfützen auf der heissplate vor sich hin dorrte..ich weiss nicht…ich staune…da gehn meine augenbrauen gen norden. sie, mein aller pinibelster, sie zunge mit den zum vergoldenen geschmacksnerven! sie! ich werde das einfach überhören, übersehen, verdrängen, was?

  14. Vielen Dank für Ihre Wünsche, mein lieber Herr Ole, die bitte auch ihnen erfüllt werden mögen. Das mit der E-Mail-Adresse verblüfft mich, erhalte ich doch täglich mehrere Zuschriften dorthin. Sind Sie sicher, daß Sie sämtlichen „quark“ daraus entfernt hatten?

    Daß grüne Farbe bei Gemüse auf hohen Eisengehalt hinweisen soll, gehört ins Reich der Mythen, verehrte Frau Shivamoon, wie Sie selbst leicht feststellen können, indem Sie diese Tabelle studieren.

    Überhören Sie was Sie wollen, verehrter Herr Kubelick, die Gegendarstellung richtet sich ja nicht an Sie.

  15. ah, vielen dank für die übersichtliche lektüre. doch ein wenig verwirrt bin ich schon. zwiebel wirken eisenaufnahmehemmend? das ist mir zu bunt! ein leben ohne zwiebel und brot kann und will ich mir nicht vorstellen. roh, gekocht, gefüllt, gebacken oder einfach nur gebraten oder glasig gedünstet, getrocknet oder oder derren schale zum ostereier colorieren: ein zwiebel ist das wunderbarste aller gemüsesorten. oh ja!

  16. Die Zwiebel, mein bester Herr Kubelick, ist als Gemüse vollkommen unentbehrlich. Lassen Sie sich nicht beirren. Der Genuß der Allium cepa hat noch niemanden der Anämie anheimfallen lassen. Die durch sie verminderte Aufnahmefähigkeit des Körpers für Eisen läßt sich ohne Weiteres durch den Verzehr einer schönen Portion Carpachio ausgleichen.

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