Glatze und Gesang

Die tonangebenden Medien des klassischen Journalismus scheinen sich einig zu sein, daß die neue Frisur von Frau Spears, einer Sängerin aus den USA, von wesentlicher Bedeutung für das Weltgeschehen ist.

Die gleiche Frisur hat Frau O’Conner ja schon 1989 getragen, ohne das es großes Aufsehen erregt hätte. Allerdings konnte die auch damals schon singen.

Die spärliche (wahrscheinlich reformatorisch spearliche geschrieben) Haartracht empfand ich schon damals wenig anziehend. Allerdings wollte ich die begabte Musikantin ja nicht heiraten sondern hören. Eine Geschäftsbeziehung war es. Sie sang, ich kaufte die Alben.

Nicht zu meinem Schaden. Soeben stellte ich fest, daß jene 18 Jahre alten Darbietungen noch immer imstande sind, in willkommener Weise Gänsehaut  hervorzurufen. Völlig egal übrigens, ob es sich um das Pop-Album „I do not want what I haven’t got“ oder die Sammlung von Jazz-Standards „am I not your girl?“ handelt.

Es leuchtet ein, daß über die musikalische Entwicklung der jungen Frau Spears nichts berichtet werden kann.  Brustimplantate und Glatze helfen da einfach nicht weiter. Man kann sie nicht hören.

8 Antworten auf „Glatze und Gesang“

  1. Frau Spears ist eben nicht nur Sängerin. Von Anfang an hat sie, im Gegensatz zu Frau O’Connor, gezielt aus ihrem jeweiligen Lebensgefühl eine fest umrissene Figur entwickelt, mindestens ein bestimmtes Image gepflegt. Momentan spielt sie die Schlampenrolle. Hörbarer wird sie dadurch indes nicht.

  2. Es ist nach gerade erstaunlich, meine verehrten Herren Baseface und Michi, wie wirksam die Medien ihre Konsumenten bereits konditioniert haben. Die Abwesenheit von Haupthaar bedingt jedoch keineswegs automatisch einen Rechtsdrall, wie man an Yul Brynner, Telly Savallas oder auch dem großen Vorsitzenden der ZAF erkennen kann.

    Frau Spears hingegen ist, bester Herr Christoph, entgegen meiner obigen Formulierung eigentlich überhaupt keine Sängerin, sondern ein in vitro hergestelltes Medienereignis. Wäre sie zuvorderst Sängerin, sähe man sich nicht über Tage einer Berichterstattung über ihre Frisur oder Tätowierungen ausgesetzt, die ja eigentlich niemanden wirklich interessieren kann. Gewiß ist dieser Umstand, wenn nicht Zustand weniger der Unterhaltungsindustrie zuzuschreiben, sondern der medialen Windmaschine, deren Nachrichten sie aus sich selbst heraus gebiert. Es ist abstoßend.

  3. Sehr geehrter Herr Passenger,
    Zuvörderst möchte ich Sie darauf hinweisen, dass es mitnichten „zuvorderst“heisst, sondern vielmehr „zuvörderst“.
    Außerdem möchte ich Sie mit einer Off-Topic-Frage belästigen: Sie haben da in Ihrem von mir hochgeschätzten Periodikum rechts oben eine wunderschöne Box zur Erstellung von Meinungsumfragen. Darf ich Sie fragen, wie Sie dieselbe erzeugt haben? Und wissen Sie möglicherweise, ob man eine solche ohne größere Umstände in ein gemeines WordPress-Blog einfügen kann? Ich frage deshalb, weil Umfragen in meinem (zugegebenermaßen sehr technischem uns speziellen) Periodikum sehr von Nutzen wären.

    Ich verbleibe mit den freundlichsten Grüßen und Ihnen meine Ehrerbietung versichernd,
    Ihr Michi

  4. Es ist mir eine große Ehre und ein außerordentliches Vergnügen, Ihrem Ansuchen zu entsprechen, mein bester Herr Michi.

    Die Meinungsumfragevorrichtung trägt den Namen Demoracy. Sie ist beim geschätzten Herrn Kollegen Sutherland erhältlich — wie mir zu Ohren kam sogar in einer moderneren Version als der hier verwendeten.

    Mit Bedauern muß ich Ihnen in der Sache selbst abschlägig bescheiden. Die unter wordpress.com befindlichen Blogs basieren zwar auf dem Programm WordPress für das Democracy entwickelt wurde, jedoch ist es dort dem Vernehmen nach nicht möglich sogenannte Plugins selbst einzustecken.

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