SMS 2.0 beta aka Twitter

Sie ahnen vielleicht bereits wegen des Titels, daß Sie hier nicht auf glühende Anhänger des Kurznachrichtendienstes besser bekannt als Short Message Service (SMS), stoßen werden.
Warum sollte man für unverhältnismäßig viel Geld, mehrere bis zur Unkenntlichkeit entstellte Satzstummel hin und her schicken, die man mühselig auf einer Minitastatur mit drei- bis vierfach belegten Tasten zusammenstöpseln muß, wenn man doch in einer einzigen Minute Gespräch sogar ungleich komplexere Sachverhalte ohne weiteres erschöpfend erörtern kann?

Bei genauerer Untersuchung hat sich sogar herausgestellt, daß die Apparate zur Übermittlung von Buchstaben bereits eine zusätzliche Funktion eingebaut haben, mit der man mit dem gewünschten Adressaten einfach sprechen kann, als säße man ihm gegenüber. Diese technische Sensation birgt ein gewaltiges Potential. Wenn sich das eines Tages durchsetzt wird das unsere Gesellschaft sicher verändern.

Als der letzte Schrei, oder wie man auf Neudeutsch sagt, the next big thing,  scheint sich Twitter abzuzeichnen. Die Idee: Man nimmt ein Medium mit dem sich vollständige Sätze, Bilder, Tonaufnahmen, und sogar Filme übermitteln lassen und begrenzt es auf 140 Buchstaben. Das klingt auf den ersten Blick reichlich schwachsinnig. Auf den zweiten Blick wirkt es allerdings anders. Völlig schwachsinnig, nämlich.

Trotzdem muß man ohne Neid anerkennen, daß die Idee von Twitter hervorragend ist. SMS ist mühevoll, beschränkt und nach allen praktischen Erwägungen nichts als Quatsch, für den Besitzer von Reisefernsprechern aber trotzdem bereit sind, ein Vermögen auszugeben und die Anbieter praktisch nichts kostet. Twitter ist genauso, nur billiger für den Anwender. Das muß ein Erfolg werden. So dürfte zumindest das Kalkül der Erfinder von Twitter gewesen sein. Wie es scheint liegen sie damit richtig. Der moderne Netznomade liebt es, Halbsätze zu verbreiten und kann es so endlich auf die „technischen Beschränkungen“  schieben, wenn es seinen Absonderungen an Substanz mangelt.

Zudem ist Twitter in aller Munde. Herr Gugel berichtet fast 30 Millionen Erwähnungen dieses Begriffs. Spätestens der Umstand, daß die Spam-Industrie diesen, nennen wir es Dienst, für sich entdeckt hat, ist ein sicherer Hinweis auf ein Erfolgsmodell.

Unsere Einschätzung in Twitter-tauglicher Kurzform: Sic transit gloria mundi!

Ausführlicher resümieren wir: Mit einer richtigen Tastatur ließen sich SMS auch leichter schreiben. Der nächste Dotcom Milliardär wird aber womöglich, wer Computer mit Tastaturen auf den Markt bringt, die nur 12 statt 105 Tasten  haben. Dann muß niemand mehr so lange Texte wie diesen lesen, weil sie erst gar nicht mehr geschrieben werden.

5 Antworten auf „SMS 2.0 beta aka Twitter“

  1. Alle Kunstgernes beschränken sich irgendwie selbst in der Wahl ihrer Ausdrucksmittel. Indem man einen Text auf eine bestimmte Länge eingrenzt, schafft man ein völlig neues Textgenre, das eigene Gesetzmäßigkeiten entwickelt.

    Eigentlich doch spannend.

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