Kategorie: Misswirtschaft und Politiktheater

  • Online Intelligence

    Das Leben eines Geheimagenten stellt man sich spannend vor. Gefährlich, manchmal verrucht. Man kennt das ja von James Bond, dem Mann mit der Lizenz zum Töten.

    Was macht ein Spion wenn er gerade nicht den Besitzern von weißen Angorakatzen auf den Fersen ist? Er zeigt auf seiner Homepage Fotos von seinem neuen Haus in Canberra, wo er neuerdings arbeiten darf, weil er den Amerikanern so tüchtig beim Krieg gegen den Irak geholfen hat. So macht es zumindest der BND-Agent Reiner M. über dessen Aktivitäten diese Woche der SPIEGEL schrieb.

    Blöd ist, daß das jetzt alles nicht mehr so geheim ist, wie es sich in diesen Kreisen geziemt. Der SPIEGEL hat ja auch geschrieben, daß er nun als „First Secretary“ an der deutschen Botschaft in Canberra arbeitet. Da gibt es zwar seltsamerweise zwei „First Secretarys“, aber nur einen, der Reiner M. heißt, seine Gemahlin Carola M. ist dort ebenfalls aufgeführt. Eine Google-Suche nach „Reiner Carola Canberra Mahlstedt“, fördert dann auch gleich ganz oben zwei Homepages zutage, die allerdings vom Netz genommen wurden. Weil das Internet aber ein gutes Gedächtnis hat, kann man die natürlich noch immer ansehen, zum Beispiel hier oder da bei archive.org.

    Es stellt sich die Frage, ob man sich heute noch teure Geheimdienste leisten muß, wenn man doch ohnehin alles im Internet finden kann.

  • Propaganda für Fortgeschrittene

    Herr Paulsen hat bei sich eine Leseempfehlung zum Thema Bild ausgesprochen. Im Großen und Ganzen gibt es über Bild nichts neues mehr zu erfahren. Andererseits ist die Gefahr groß, daß diese Jauchegrube durch Gewohnheit dem Bewußtsein entschwindet, wenn man sich nicht dann und wann darüber aufregt.

    Manchmal möchte man denken, Bild sei ein unverstandenes Satireblatt, dessen Erfolg darin begründet liegt, daß seine Leser es mit einer Zeitung verwechseln. Tatsächlich ist dieses Gossenblatt ein perfekt gestimmtes Machtinstrument, das heute die Inquisition des Mittelalters ersetzt. Schon damals war das Spektakel einer öffentlichen Hexenverbrennung von unwiderstehlicher Anziehungskraft für die Zuschauer und zugleich den Oberen ein wirksames demagogisches Werkzeug. Heute geht der sensationslüsterne Voyeur nicht mehr zum Markplatz, sondern kauft sich eine Bild, um sich an Schadenfreude und Grusel zu laben.

    Wenn es stimmt, daß die täglich gedruckten 3,7 Millionen Exemplare tatsächlich von 12 Millionen Menschen gelesen werden, was vermutlich glatt gelogen ist, erreicht Bild ein Viertel aller Wahlberechtigten. Da wird ersichtlich, was der Slogan, „Bild Dir Deine Meinung“, eigentlich bedeutet. Mitnichten ist hier der Bild-Leser aufgefordert sich ein klares Urteil zu verschaffen. Vielmehr richtet sich diese Aufforderung an jene, die eine zweckdienliche Meinung zu etablieren wünschen.

    Auch die aktuelle Kampagne „Schluß mit Bild — Bund der Sozialschmarotzer“, et cetera, wird kaum die Leser im Visier haben — zu kompliziert ist der Gedankengang für Menschen, denen man sonst nicht einmal zutraut, Sätze zu begreifen, die mehr als ein Dutzend Wörter umfassen. Allein geballte Medienmacht wird hier feilgeboten. Sinngemäß lautet die Botschaft: Wer ein Feindbild braucht, um seine Interessen durchzusetzen, stellt sich besser gut mit Bild. So blöken denn auch Politiker ihre Wahlappelle mitten aus dem Sumpf siechender Schauspieler, Penisrissen, Photos von Kinderleichen und sonstigen Bild-Spezialitäten entgegen. Eine Praxis, die Gerhard Henschel im Online-Merkur ausführlich kritisiert.

    Ein Ende dieser Schlammschleuderei fordert auch Michael Naumann in der Zeit. Anlaß war ihm eine Bild-Schlagzeile die unverhohlen hoffnungsfroh die Frage stellt, ob die im Irak entführte Susanne Osthoff enthauptet wird.

    Ein Ende ist freilich nicht in Sicht. Denn Bild steht nicht für sich allein. Die Schmuddelpostille existiert, weil täglich ein Millionenpublikum begierig darauf wartet, diesen Dreck in sich aufzusaugen. Solange es Dummheit gibt, wird Bild sie begleiten.

  • Vorne Einsteigen!

    Die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist dem kultivierten Menschen stets eine arge Belastung. Zu deprimierend ist die herzerweichende Dummheit, zu erschöpfend die skrupellose Rücksichtslosigkeit vieler Fahrgäste.

    Viele U-Bahn-Fahrgäste sind der Auffassung, alle anderen stünden nur auf dem Bahnsteig herum, weil die sonst kein Dach über dem Kopf hätten. So öffnen sie von der Wagentür nur die eine Seite, jenen kleinen Spalt, der ihnen gerade genügt um selbst in den Waggon zu schlüpfen. Tatsächlich trachtet aber die Mehrzahl der Wartenden danach, ebenfalls ihrerseits den Zug zu betreten. Weil es vielen Mitmenschen jedoch an Eigeninitiative und visionärer Kraft mangelt, nehmen sie die Situation als unabwendbar gegeben hin und zwängen sich schicksalsergeben, einer nach dem anderen, ebenfalls durch die kleine Öffnung, bis sich schließlich ein mit Augenmaß gesegneter Mitreisender erbarmt und auch die andere Hälfte der Tür öffnet.

    Schon vor einigen Jahren hat die Münchner Verkehrsgesellschaft bei ihren U-Bahnen eine technische Neuerung eingeführt, die ich hier lobend erwähnen möchte. So öffnen sich seitdem wie von Geisterhand beide Türflügel, selbst wenn ein egozentrisch veranlagter Reisender nur einen der beiden Hebel betätigt.

    Bei den neuestens eingeführten Zügen wurde dieses hervorragende System aber überflüssigerweise wiederum ersetzt. Der Aus- oder Einsteigewillige muß nun eine Sensorfläche berühren, sobald die sie umkränzenden Lämpchen in der richtigen Farbe leuchten. Jedoch keinesfalls vorher, sonst passiert nämlich gar nichts. So sieht man nun hilflose Menschen die, der gewohnten mechanischen Kontrolle beraubt, wie dressierte Affen hektisch auf der kleinen Scheibe herumtatschen.

    Überhaupt ist zu beobachten, daß technische Neuerungen an MVG-Fahrzeugen nur selten zu Verbesserungen führen. Moderne Trambahnen beispielsweise, sind so konstruiert, daß es im ganzen Vehikel nur zwei Stehplätze gibt an denen man niemandem im Weg steht. Aus naheliegenden Gründen sind sie zumeist von Kinderwägen besetzt.

    Eine weitere Hürde stellen die Lichtschranken in den Türen dar, welche die früheren einwandfrei funktionierenden mechanischen Schalter in den Gummilippen und Trittstufen abgelöst haben. In die Lichtschranke ragt nun bei regem Betrieb grundsätzlich ein Gepäckstück oder Rockzipfel hinein, was dem Betriebsgeschehen äußerst abträglich ist und häufig unwirsche Ermahnungen des Fahrers auslöst.

    Während vor ein bis zwei Dekaden noch dem Dümmsten einzuleuchten schien, daß die Kunst des Aus- und Einsteigens in eben genau dieser Reihenfolge liegt, ist der Umstand, daß es umgekehrt nicht funktionieren kann, inzwischen offenbar in Vergessenheit geraten. So sieht man sich bei dem Versuch ein Nahverkehrsmittel zu verlassen zunehmend Menschenmengen gegenüber, die nicht nur unnachgiebig den Ausstieg blockieren, sondern mit roher Gewalt ihren sofortigen Einstieg durchsetzen wollen.

    Wo moderne Technik und Indolenz nicht ausreicht, um den Betrieb zu stören, muß das Personal nachhelfen, indem es gezwungen wird despotische Fieberphantasien der Betriebsleitung in grausige Realität umzusetzen. Das geschieht beim Busfahren, dem mit einigem Abstand abscheulichsten Angebot öffentlicher Fortbewegung. Schon von weitem bellt der Busfahrer über die Lautsprecheranlage den in eisiger Kälte wartenden Fahrgästen den Befehl, „Vorne Einsteigen!“ entgegen. Dann fährt er das Fahrzeug freilich so weit an den Frierenden vorbei, daß alle von ihnen hinter der letzten Tür stehen. Ganz vorne öffnet sich eine etwa 80 Zentimeter breite Einstiegsluke, während die restlichen vier Ausstiege verschlossen bleiben, bis alle eingestiegen sind. Darum klettern die Aussteigewilligen drinnen erst mal unter Mühsal durch diese unwürdig kleine Öffnung ins Freie.

    Danach herrscht der Fahrer die Einsteigenden an, ihre Fahrscheine vorzuzeigen. Wer noch keinen hat, erhält barsch die Anweisung unverzüglich einen solchen am Automaten zu lösen und anschließend erneut vorstellig zu werden. Erst dann öffnet der Buskommandant die restlichen Türen, vermutlich um zu Lüften, denn wer aussteigen wollte hat das ja bereits bewerkstelligt.

    Um die lästigen Verzögerungen wieder wettzumachen befleißigt sich der Busdiktator einer ausgesprochen sportlichen Fahrweise, die ohne Sitzplatz oder Eishockey-Schutzausrüstung kaum frei von Blessuren zu überstehen ist.

    Wer über ein Kraftfahrzeug verfügt, sollte also ruhig einmal die öffentlichen Verkehrsmittel stehen lassen.

  • Heller und Pfennig

    Seit drei Jahren schon, genau seit dem 1. Januar 2002 haben wir nun neues Geld in unseren Taschen und Sparschweinen. Es ist sehr einheitlich, denn alle Länder der EU haben, bis auf England, die halbe EU hat das gleiche Geld. Das ist praktisch, weil man für einen Ski-Urlaub nicht extra österreichische Schillinge kaufen muß, sondern seinen Jägertee einfach mit Euro bezahlen kann. Eigentlich mußte man das früher auch nicht, denn die D-Mark war in der kleinen Alpenrepublik stets willkommen.

    Gleich, um nicht zu sagen Gleichgültig, ist auch die Gestaltung der Scheine. Statt Kupferstichen von Bettina von Arnim bis zu den Brüdern Wilhelm und Jacob Grimm auf der Vorder- und vom Brandenburger Tor bis zum „Deutschen Wörterbuch“ und der Königlichen Bibliothek Berlin auf der Rückseite, gibt es nur noch namenlose Architekturstudien und fiktive Brückenelemente neben einer Europakarte.

    Der Mangel an Kaufkraft mag umstritten sein, die visionäre Kraft der Euroschöpfer fehlt indes mit Sicherheit. Nicht einmal für eine 1000-Euro-Note hat es gereicht. Um das jammervolle Bild zu vervollständigen, hat man die Kategorie Kupfer um eine weitere Münze bereichert. Das neue „Fünferl“ im Wert eines alten „Zehnerl“ ist nun auch aus einer Kupferlegierung.

    Dabei braucht diese „Euro-Pfennige“ kein Mensch. Nur Supermärkte belasten Ihre Kundschaft ständig mit der Ausgabe von diesen kupferlegierten Cent-Münzen. Es mag ja sein, daß die deutsche Binnenwirtschaft endgültig zusammenbräche, würde eine 200 g Packung Räucherlachs für 7 statt 6,99 Euro verkauft. Ob diese Gefahr auch bestünde, wenn man einen für einen ganzen Einkaufswagen voller Bedarfsgüter statt 98,47 Euro einfach 98,50 Euro zu bezahlen hätte, wage ich zu bezweifeln.

    Ich sehe keine Veranlassung, stets einen Sack voll praktisch wertloser Kupfermünzen mit mir herumzutragen. Also werfe ich sie mit gewisser Abscheu nach jedem Einkauf in eine alte Konservenbüchse. Das führt jedoch zu weiterer Unbill, sobald das Gefäß voll ist. Nur weil es sich um ein gesetzliches Zahlungsmittel handelt, bedeutet das nämlich längst nicht, daß man damit etwas bezahlen könnte. Banken verweigern die Annahme. Ein offensichtlich geisteskranker Bankkaufmann wagte mir sogar den Vorschlag zu unterbreiten, ich solle die Münzen händisch nach Größe sortiert in Papierrollen verpacken, ehe er sie entgegennehmen würde.

    Wie diese Ausführungen klar belegen, krankt die deutsche Wirtschaft wie schon oft kolportiert am Euro. Allerdings nicht an der Währung als solches, sondern am Hirnrissigen Cent-Fetischismus, der damit einhergeht. Und natürlich am Fehlen des 1000-Euro-Scheins.

  • Drei ist nicht vier

    Barbier bei der Arbeit
    Foto: Mark Schweizer

    Zu dieser profunden Erkenntnis gelangte nun laut Spiegel-Online das Düsseldorfer Landgericht, als es eine Klage des Rasierer-Herstellers Gilette gegen den Rivalen Wilkinson abwies, in der Wilkinson vorgeworfen wurde, sein vierschneidiges Modell von dem Gilette-Rasierer mit drei Klingen abgekupfert zu haben.

    Irgenwie kann man ja die Sorge der Juristen verstehen. Wenn in ein paar Jahren der Gilette Parsec27 Hydraglide* gegen den Wikinson Femto28 Electrocuit* antreten muß, wird es der Verbraucher mit der Unterscheidung nicht mehr so leicht haben. Zumal die Klingen beider Modelle dann bestimmt hinter einer alarmgesicherten semipermeablen Doppelmembran aus Eigenurinstein verborgen sind, damit man sich nicht aus Versehen schneidet.

    * Huhu, Gilette und Wilkinson! Diese Namen könnt Ihr schon heute von mir kaufen. Spenden Sie einfach 6500 € (pro Name) für Peppy.

  • Blogger schmecken nicht wie Zuckerwatte!

    Zuckerwatte
    Bild geklaut bei Treibgut

    Deutschlands Helden der Wirtschaft gefallen sich, indem sie für 30 Millionen Euro mediales Johanniskraut fürs Volk verteilen. Dabei verlassen sich die Schöpfer der Kampagne „Du bist Deutschland“ vor allem darauf, daß die Deutschen von einem Stimmungstief geplagt sind, das sie sich selbst herbeigeredet haben. Folglich müsste sich diese Depression durch eine Landesweit angelegte Psychotherapie wieder beseitigen lassen, so die Idee der Initiatoren.

    Der Gedanke ist ehrbar, keine Frage. Dennoch hat die Kampagne in vielerlei Hinsicht eine ganze Reihe von Schwächen. Die größte ist wohl, daß in Sachen Bildung, Gesundheitswesen, Sozialfürsorge und Arbeitsmarkt ein Abwärtstrend zu spüren ist, und vor allem weder Regierung noch Opposition sich die Mühe gemacht haben ein Konzept zu erarbeiten das Besserung hoffen lässt. Gemessen an beispielsweise Tansania geht es Deutschland überragend gut. Deutschland geht es auch absolut gesehen nicht schlecht. Aber der Abstand wird schmaler und das beunruhigt die Menschen.

    Korruption gibt es wohl überall. In gewissen Maßen mag sie dem Wohlergehen eines Landes vielleicht sogar förderlich sein. Doch allzuviel ist ungesund. Allzuviel davon gibt es in Deutschland. Das ist so, weil es zum Beispiel für Abgeordnete nicht verboten ist, von Personen oder Unternehmen Geld anzunehmen. Der Verein Transparency International rügt dies an Deutschland bereits seit vielen Jahren, das da im internationalen Vergleich starkten Nachholbedarf hat, wie ein Papier des Vereins zeigt (hier als PDF).

    Daß eingedenk dieser Umstände so manchen der Mut verlässt, ist eigentlich nicht überraschend. Die Frage ist, ob eine Kampagne aus der schönen bunten Welt der Werbung daran viel zu ändern vermag.

    Zweifel sind berechtigt. Zum einen ist nicht alles im Lande eitel Sonnenschein, zum anderen ist die Kampagne selbst nicht wirklich gut umgesetzt. Während sich die meisten Webmaster bemühen ihre Seiten so zu gestalten, daß sogar blinde Menschen etwas damit anfangen können verläßt sich die deutsche Motivationselite lieber auf Flash, was selbst sehende zuweilen vor Schwierigkeiten stellt. Zum Beispiel erteilt der Internetauftritt Linuxanwendern ohne Kommentar eine Absage.

    Wem es gelingt die Seite aufzurufen, der mag über einige Inhalte stolpern. So fragt man sich, warum unter anderem gerade Albert Einstein als Musterdeutscher hinhalten musste. Immerhin musste er aus Deutschland fliehen, um seiner Arbeit nachgehen zu dürfen.

    Kein Wunder also, daß aus der deutschen Bloglandschaft auch Gegenwind weht, wie Google-Blogsearch zeigt.Spreeblick hat seine Leser dazu ermuntert, dort eigenen Entwürfe für die Kampagne zu hintelegen. Die ersten drei „Anzeigen“ sind freilich von Ihm selbst. Im Motiv „Du bist Ackermann“ ehrhebt der Bankvorstand die rechte Hand zum „Viktory-Zeichen“ und ist sichtlich froh die Gerichtsverhandlung unbeschadet überstanden zu haben. Bald 300 Entwürfe sind dort zu finden. Viele davon sind recht gelungene Satiren.

    Interessant, was Mitinitiator der „Du bist Deutschland“-Kampagne Michael Trautmann dazu dem Handelsblatt mitzuteilen weiß: „Mit dem negativen Feed-Back bei den Weblogs haben wir gerechnet. Die sind immer destruktiv“.

    Mit so einem dümmlichen Kommentar mußten wir rechnen. Werber sind sind immer arrogant.

  • Imagekampagne

    „Du bist Deutschland“ ist das Credo einer Imagekampagne die Deutschland neuen Schwung geben soll. Nicht etwa aus den Reihen der Politik stammt diese Idee, sondern es haben sich Medienmacher und andere Wirtschaftsunternehmen zusammengefunden. Die wissen daß wenn man nur genug Werbung für ein Produkt macht, wird es gekauft — egal wie miserabel es ist. Das Beste: Jeder ist aufgefordert, selbst mitzumachen.

    Die Blogwelt ist „begeistert“ und präsentiert eigene Entwürfe. Nicht so gerne auf der Homepage der Kampagne, die wie Codefreak bereits feststellen musste nicht so gut funktioniert, sondern natürlich in ihren Weblogs.

    Anke Gröner hat den Serienhelden Alfred Tetzlaff als Aufhänger gewählt, Nerdcore sorgt dafür, daß auch Kobolde und Banditen wieder neue Hoffnung schöpfen. Hartz4all klärt die Hintergründe des Logos der Kampagne auf. Zenzizenzizenzik berücksichtigt gleich auch noch den Aspekt der Vergangenheitsbewältigung.
    Spreeblick hat sogar gleich eine eigene Flickr-Gruppe eingerichtet in der sich bereits fast 100 weitere Vorschläge finden.

    Bei so viel gutem Willen werden selbst wir, trotz der in der Redaktion latent vorhandenen Misanthopie, mitgerissen und haben ebenfalls einen Vorschlag entwickelt. Wir hoffen, der von uns gewählte Sympathieträger wird dank seines vorbildhaften Wirkens helfen Deutschland den nötigen „Drive“ zu geben.


    Du bist Volkswagen

    Drücken Sie auf das Bild, dann wird es groß.

    Du denkst in deinem Geldbeutel herrscht eine dauernd eine Wirtschaftskrise? Das denkt auch Volkswagen über die Konten seiner Aktionäre.
    Warum der Vorstand meint, daran wären die unverschämten Gehaltsforderungen seiner Mitarbeiter und der völlig unmögliche Standort Deutschland schuld, Porsche und BMW aber gleichzeitig fleißig Leute einstellen muß man wirklich nicht begreifen. Aber eins schon: Jammern bringt nichts, wenn Du für Volkswagen arbeitest. Denn der Betriebsrat träumt schon von seinem nächsten Bumsurlaub.

    Du bist Deutschland

    Leider fehlt unserer Grafikabteilung die richtige Schriftart. Tatsächtlich konnten wir nicht ein Mal herausfinden welche in der Originalkampagne verwendet wird. Wir bitten dies zu entschuldigen.

    Update: Wie gut die Kampagne für unsere Persönlichkeit ist, wie das alles mit der Wahl von Partein, Päpsten und Kanzlern zusammenhängt und wer wir wirklich sind, erklärt Indiskretion Ehrensache vortrefflich.

  • Schneeflöckchen, Weißröckchen

    H&M-Signet mit einer Line Koks

    Wie kommen eigentlich die PR-Manager von Hennes & Mauritz darauf, zum Thema Drogenkonsum Stellung beziehen zu müssen? Die Polizei äußert sich doch auch nicht über geschmacklose Textilien. Der übereilte Vorstoß von H&M, den Vertrag mit Frau Moss zu lösen, erweckt eher den Eindruck, der Vorstand möchte vermeiden, daß die eigenen Konsumgewohnheiten in das Licht der Öffentlichkeit rücken.

    Es ist immer wieder erstaunlich, welche Blüten die Prohibitionspolitik in der öffentlichen Meinung treibt. Wenn die Times schreibt, daß Frau Moss täglich 300 Euro für Drogen ausgibt, soll das wohl sensationell klingen. Wenn man es sich überlegt ist es das kaum. Ein Kokainrausch dauert ja nicht lange. Wer Kokainabhängig ist, dürfte etwa 150 Milligramm pro Stunde verbrauchen. Wenn man 8 Stunden am Tag schläft, bleiben 16 Stunden und ein Bedarf von 2,4 Gramm. Top-Qualität ist „nur“ zu 50 Prozent gestreckt. Demnach muß Frau Moss sich täglich 4,8 Gramm des weißen Pulvers durch die Nase saugen. Viel mehr dürfte für 300 Euro wohl auch nicht zu haben sein. Sie könnte mit der Hälfte auskommen, wenn sie es spritzt. Es ist transparent, daß sie finanziell durchaus auf Rosen gebettet ist*. Daher dürfte sie es vorziehen, ihre Haut unperforiert zu lassen.

    [via MC Winkel]

    *Vielen Dank an den Wohnungsverkäufer von MC Winkel, dem wir diese Redewendung verdanken!

  • Einfacher Reformvorschlag

    Parteispenden dürfen nur noch anonym geleistet werden, damit die begünstigte Partei sich nicht zu einer Gegenleistung verpflichtet sieht.

    Spendenquittungen werden nicht ausgestellt. Einerseits garantiert das die Anonymität der Spende. Andererseits verhindert es, daß die Zahlung von der Steuer abgesetzt werden kann. Es kann nicht sinnvoll sein, daß man sich aussuchen darf, ob man lieber Steuern zahlt, oder seine Lieblingspartei unterstützt.

    Abgeordnete dürfen keinen Beruf ausüben. Die einzigen zulässigen Einkünfte neben der Diät sind Kapitalerträge aus eigenem Vermögen und Mieteinnahmen aus eigenem Immobilienbesitz, sofern Kapital oder Immobilie bereits vor Übernahme des Mandats im Besitz war oder während der Amtszeit ererbt wurde. Das mindert nicht nur die Beeinflußbarkeit, sondern sorgt auch für ausreichend Zeit sich mit dem politischen Tagesgeschäft zu befassen.

    Wer dagegen verstößt verliert sein Mandat und jeglichen Anspruch auf Übergangsgeld und Altersentschädigung.

  • Alle sind Sieger

    Die SPD hat die Wahl gewonnen, strahlt Gerhard, der Kanzler bleiben will. Angela will auch Kanzler sein, weil die Union die Wahl gewonnen hat, sagt sie. Dabei zieht sie ein ganz schön beleidigtes Gesicht. Genauso wie ihr Kumpel Edmund der eigentlich auch mal Kanzler sein mag. Im Gegensatz zu Gerhard weiß sie, daß sie und er am meisten von allen Parteien verloren haben. Zusammen 7,5 Prozent der Leute, die sie früher noch mochten.

    Die FDP hat auch gewonnen, weil sie endlich mal wieder fast im zweistelligen Bereich liegt. Guido will aber diesmal nicht der Kanzler sein. Und keiner will mit Oskar und Gregor spielen, obwohl die noch viel mehr gewonnen haben als alle anderen.

    Damit man regieren darf, muss man mindestens die Hälfte aller Stimmen bekommen haben. Wenn eine Partei das nicht alleine schafft, muß sich sich mit einer anderen zusammentun. Oder mehreren. So eine kriminelle Vereinigung heißt Koalition. Weil sich alle gegenseitig aber nicht leiden können, wird das diesmal ganz schön schwierig. Die SPD mit der Union will Gerhard nicht. Die SPD mit den Grünen und der FDP will der Guido nicht. Die Union mit der FDP und den Grünen auch nicht.