Fernsehglück

Am Sonntag war ich in einem Lokal in dem anläßlich eines Fußballspiels ein Fernseher betrieben wurde. Nach dem Spiel gab es auf DSF eines dieser Gewinnspiele, die man eigentlich nur als Erregung öffentlichen Ärgernisses bezeichnen kann.

Der private Fernsehsender 9Live hat damit angefangen. Er stellte seinen Zuschauern Fragen und für deren richtiger Beantwortung einige tausend Euro als Gewinn in Aussicht. Der findige Rätsellöser durfte unter einer Mehrwert-Nummer (49 Cent/Anruf) seine Lösung mitteilen. Die Fragen selbst waren nicht zu schwierig. Etwa so: „Der Maler Rembrandt malte 1629 ein Selbstportrait. Wer ist auf dem Gemälde zu sehen? A: Rembrandt, B: Marilyn Manson“. Unter den Anrufern wurde durch die Telefonanlage des Fernsehsenders einer ausgewählt, der die Frage beantworten durfte. Der Rest musste mit dem Anrufbeantworter vorlieb nehmen. Wärenddessen fuchtelte der Moderator wild mit dicken Geldbündeln vor der Kamera und kreischte „Das gibt’s doch gar nicht, daß niemand anruft! Brauchen Sie denn kein Geld?“

Das ist doch Glückspiel, dachte sich mancher. Das ist in Deutschland nicht erlaubt, zumindest darf das nur der Staat. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Die kam zu einem höchst erstaunlichen Ergebnis. Sie fand nicht nur keine Beweise, die den Vorwurf hätten erhärten können. Sie hat vielmehr herausgefunden, daß 9Live in keiner Weise vorgeworfen werden könne, unerlaubtes Glücksspiel zu betreiben.

49 Cent pro Anruf wäre ja auch nicht teurer als eine Postkarte zu verschicken, argumentierte der Sender. Ja schon, aber wenn ich eine Postkarte verschicke, verdient der Empfänger daran keine 30 Cent.

Noch erstaunlicher ist der seit dem erfolgte Sinneswandel des Senders. Der stellt inzwischen nämlich Fragen von ganz anderem Kaliber. Zum Beispiel: Wie viele Vierecke sind hier zu sehen:

Es sind insgesamt siebenundzwanzig Vierecke in diesem Bild zu sehen.

Wissen Sie es? Es sind 27 Stück. Das ist kniffeliger zu beantworten als die Frage, wie die Staatsanwaltschaft zum Ergebnis Ihrer Untersuchung kam und warum 9Live plötzlich Fragen stellt, die kaum jemand beantworten kann. Es könnte ja sein, daß Staatsanwalt und Sender ganz viel Glück gehabt haben. Darum haben sie sich dann vielleicht in etwa so geeinigt: Wenn in Zukunft alles anders wird, war in Vergangenheit alles rechtens.

Ist vielleicht auch besser so, weil inzwischen jeder Privatsender das Nachtprogramm mit solcherlei spannenden Quizshows füllt. Es kann ja nicht sein, daß eine ganze Branche illegales Glückspiel betreibt. Wo kämen wir da hin?

Fußfessel für Langzeitarbeitslose

Es hat mich ja bei Herrn Schröder sehr gewundert, daß er immer so tut, als wären Arbeitslose, faule Säcke, die partout nicht arbeiten möchten. Die muß man nur mal ordentlich unter Druck setzen, damit die mal was arbeiten gehen. Und schwups ist die Arbeitslosigleit wegregiert. So einfach ist das.

Aber was ist das? Kaum wird in der Arbeitslosenstatitistik etwas weniger gelogen als vorher, haben wir auf einmal 5,2 Millionen Faulpelze. Doch nicht so einfach?

Der hessische Justitzminister Christean Wagner hat da aber ganz interessante Ideen, die er, bislang eher unbemerkt, über seine Pressestelle verlautbaren ließ. In der Presseinformation steht tatsächlich:

Die elektronische Fußfessel bietet damit auch Langzeitarbeitslosen und therapierten Suchtkranken die Chance zu einem geregelten Tagesablauf zurückzukehren und in ein Arbeitsverhältnis vermittelt zu werden. Viele Probanden haben es verlernt, nach der Uhr zu leben, und gefährden damit ihren Arbeitsplatz oder ihre Ausbildungsstelle. Durch die Überwachung mit der elektronischen Fußfessel kann eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.

Wenn die bösen Arbeitslosen elektronische Fußfesseln bekommen, so wie verurteilte Straftäter auf Bewährung, wird sicher alles besser. So einfach ist das.

Der SPIEGEL-Online schreibt „Immer mehr Deutsche zweifeln an der Demokratie“. Ob es wohl daran liegt, daß das Leben in dieser Demokratie immer mehr wird, wie man es aus Diktaturen kennt? Ja, tut es. So einfach ist das.

Hinweis auf die Pressemitteilung via Mehrzweckbeutel und Nachdenkseiten.

Wie einmal alles zu spät war

Als ich von der Geschäftsstelle eines Kunden aus, mal meine E-Mails ansehen wollte, war mein Mail-Server nicht erreichbar. Na gut, dachte ich mir, da wird die Telekom mal wieder was verbockt haben. Das bin ich ja gewohnt.

Nach zwei Stunden kam es mir aber doch irgendwie seltsam vor, denn werktags bemerken die Netzwerker bei T- (sprich Te-minus) ihre Verfehlungen meist schon bald selbst. Vielleicht liegt es ja am Router dachte ich, und rief mal zuhause an, auf daß einer meiner Mitbewohner mir Bericht erstatten würde. Doch in der Leitung herrschte lange Stille, gefolgt von einem Besetzt-Ton.

Vielleicht hat irgendwo ein Bagger aus Versehen die Leitung abgezwickt, dachte ich und nahm Kontakt mit der Störungsstelle auf. Dort sagte man, die Leitung sei in Ordnung. Das von mir geschilderte Phänomen sei aber typisch für eine Telefonanlage ohne Strom.

Besorgt rief ich unsere Vermieterin an, die im selben Haus ein Ladengeschäft betreibt. Sie konnte mir glaubhaft versichern, daß zumindest das Haus noch stünde, und auch die elektrische Versorgung grundsätzlich gewährleistet sei. Sie wolle aber gerne weiter ermitteln.

Das tat sie und rief eine Viertelstunde später prompt zurück. Sie sei nicht ganz sicher, aber bei den Stromzählern im Keller wäre an jenem der mit „4. Stock, rechts“ beschriftet ist, der Schalter andersherum als bei allen anderen. Darüberhinaus sei dort eine Plombe angebracht.

Ich fand es nun angebracht, etwas aufgebracht bei den Münchner Stadtwerken nachzufragen, ob sie etwas damit zu tun hätten. Das hatten Sie. Man beschied mir, wegen offener Außenstände habe man sich entschlossen die Versorgung einzustellen. Immerhin 1067 Euro seien noch offen.

So recht erklärlich war mir dieses nicht, dennoch wollte ich den Inhalt meines gewaltigen amerikanischen Luxuskühlschrankes um keinen Preis verderben lassen. Außderdem wollte ich der Rest-WG ein Leben im Kerzenschein nichtzumuten, egal wie romantisch das sein mag. Ich habe also meinen Kunden in aller Eile verlassen, um festzustellen, das mein wohlgedecktes Bankkonto mich nicht befugt an einem Geldautomaten mehr als 1000 Euro pro Tag abzuheben. Selbst mit den am Mann befindlichen 46 Euro war die Forderung unmöglich zu erfüllen. Mit dem kurzfristig arrangierten beinahe konspirativen Treffen mit meiner Mutter am Münchner Hauptbahnhof konnte ich schließlich den geforderten Betrag aufbieten. Mit diesem habe ich schließlich zwei Minuten vor Geschäftsschluß die Stadtwerke München erreicht.

Dort habe ich auch erfahren, wie es geschehen konnte, daß die, zugegeben exorbitante Nachforderung, welche von mir aber längst beglichen war, aus Sicht der SWM noch immer offen stand. Ich hatte mit den Stadtwerken nämlich eine Ratenzahlung vereinbart. Weil mein Einkommen kein Regelmäßiges ist, zahlte ich nicht elf Monate jeweils 100 Euro, sondern zweimal 300 und einmal 500. Dies würdigte die Buchhaltung der SWM aber lieber als Vorauszahlungen für kommende Abschlagsforderungen, die sie deswegen nie gestellt haben.

Vorbeugehaft

Die Junge Welt berichtet von einer der schwachsinnigsten Begründungen für ein weiteres verfassungswidriges Gesetz:

„Der »Unterbindungsgewahrsam zur Verhinderung von Straftaten« wird im Entwurf von bisher zulässigen 48 Sunden auf 14 Tage ausgeweitet. Mit der Begründung, daß Hamburg Austragungsort der Fußball-WM 2006 sei, verweigerte die CDU jeglichen Kompromiß.“

In Bayern und Baden-Württemberg ist das im Polizeiaufgabengesetz bereits verankert. Hamburg wird nun aller Voraussicht nach folgen.

„Unterbindungsgewahrsam“ ist eine etwas ungelenke Wortkonstruktion, die unser Gesetzgeber hervorgebracht hat, um nicht „Vorbeugehaft“ sagen zu müssen. Aber so hieß das früher bei den Nazis. Dabei ist dasselbe gemeint. Aber gerade weil es dasselbe ist, braucht es heute einen anderen Namen.

Die Polizei darf, zum Beispiel Sie, lieber Leser, einsperren, wenn sie der Meinung ist, daß Sie vielleicht demnächst etwas anstellen wollen könnten. Vorsichtshalber. Das muß auch gar nichts schlimmes sein, nichts wofür Sie, wenn Sie es getan hätten, von einem Gericht bestraft oder sogar eingesperrt würden. Sich zur falschen Zeit am falschen Ort mit grün gefärbten Haaren aufzuhalten genügt vollauf.

Egal wann und wo, reicht es auch, die „falsche“ Meinung zu haben. Bislang nur theoretisch, aber das liegt schon jetzt im Ermessen von Polizeibeamten.

Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich

Es ist ja schön, daß man für jede Lebenslage einen Experten befragen kann. Leider kennen sich diese aber eben nur in bestimmten Fachgebieten aus, nicht aber mit dem Leben selbst. Ein etwas altes, aber schönes Beispiel ist ja die Rasterfahndung. Da haben schon in den 70er-Jahren Experten herausgefunden, daß Terroristen bestimmte Merkmale aufweisen. Sie fahren unauffällige Automobile, wohnen in Wohngemeinschaften, unternehmen gelegentlich Flugreisen und benehmen sich eben überhaupt wie typische Terroristen. Das ist sehr praktisch, weil man sie so leicht erkennen kann. Der normale Mensch, der Nicht-Experte also, mag sich denken, daß diese Kriterien vielleicht auf einen beachtlichen Teil der Bevölkerung zutreffen dürften. Studenten zum Beispiel. Aber vielleicht sind Studenten immer auch potentielle Terroristen. Wie soll man das beurteilen, wenn man kein Experte ist?

Das Beste an Experten ist ja, daß es nicht nur für jedes Fachgebiet welche gibt, sondern auch für jedes Ergebnis. Die einen Klimaexperten sagen, globale Erwärmung voraus. Andere kündigen eine neue Eiszeit an. Ob es nun auf unserem Planeten wärmer oder kälter wird, ist mir jetzt zwar nicht ganz klar, aber ich bin ja auch kein Fachmann.

Manchmal denke ich selbst. Nicht weil man es von mir erwartet. Auch nicht, weil ein Gesetz es mir vorschreiben würde. Das passiert einfach so. Zum Beispiel, wenn mir jemand sagt, er habe kein Einsehen für Privilegien von Geistlichen, Rechtsanwälten, Journalisten und Ärzten. Wer nichts zu verbergen habe, könne sich schließlich auch getrost abhören lassen. Dann muß ich immer ganz laut denken. Völlig laienhaft sage ich dann etwa: Es geht nicht um die Privatsphäre von denen, sondern um Deine. Auch einer, den die Staatsanwaltschaft, vielleicht nur aus Versehen, für kriminell hält, müsste sich doch trotzdem trauen dürfen, mal mit seinem Arzt zu telefonieren, wenn er ein Rezept für seine Herztropfen braucht. Das ist ein Grundrecht, das jedem Menschen zusteht, selbst wenn er wirklich kleine Kinder frisst.

Der Experte muß immer Sachen denken, auf die normale Menschen gar nicht erst kommen. So dachte einer mal, UMTS-Lizenzen zu verkaufen, würde den Bundeshaushalt sanieren. Andere Fachleute meinten, rund 50 Milliarden Euro für so ein Papier zu bezahlen wäre ein tolles Geschäft. Heute wundert sich der eine Experte, warum der Bund das Geld nicht bekommt, die anderen Spezialisten fragen sich, weshalb sie es nicht bezahlen können. Der Laie versucht es mit einfachen Mitteln nachzuvollziehen. Mit seinen rudimentären Kenntnissen der Mathematik, rechnet er munter darauf los: 100 Milliarden DM sind ungefähr 50 Milliarden Euro. Eine Milliarde sind tausend Millionen. Über 60 Millionen Handys haben die Deutschen gekauft. Wahrscheinlich ist die Hälfte davon inzwischen schon kaputt. Aber sagen wir mal, es gibt 50 Millionen Handytelefonierer. Jetzt darf man nur mit den vielen Nullen nicht durcheinanderkommen. 50.000.000.000 geteilt durch 50.000.000 gibt 1000. Tausend Euro, die eine Mobilfunkfirma jedem seiner Kunden zusätzlich abknöpfen muß. Klingt viel. Ein prüfender Blick auf die letzten Handyrechnungen des Fellow Passenger zeigt, er steuert pro Monat etwa 30 Euro Umsatz bei. Wie viel mag davon als Gewinn hängen bleiben, den sein bevorzugter Netzbetreiber in neue Technik investieren könnte? Vielleicht 5 bis 7 Prozent. Der Einfachheit halber rechnet der Laie – ab jetzt mit Taschenrechner – mal mit 10 Prozent, also 3 Euro im Monat. Die 1000 Euro wären also nach 333 Monaten bezahlt. Das wären ja über 27 Jahre! Das kann nicht sein. Kopfschüttelnd beschließt Herr Passenger, daß er zu wenig mobiltelefoniert und wiederholt die Rechnung mit 100 Euro pro Monat und kommt dabei auf 10 Jahre. Verzweifelt versucht er es andersherum: Wenn die Investition sich über drei Jahre, also 36 Monate rechnen soll, muß der Gewinn pro Nase 27,77 Euro monatlich betragen. Dafür muß also jeder Handybesitzer monatlich 278 Euro vertelefonieren, nur um die Lizenzen zu bezahlen. Hoffentlich ist so ein UMTS-Sendemast nicht so teuer.

Bei Anruf Nepp

Für was sind eigentlich diese komischen Telefonnummern, die mit 0180 beginnen? Ursprünglich war die Idee doch, Unternehmen könnten sich so an den Kosten beteiligen, die ihren Kunden bei einer Kontaktaufnahme entstehen. In Wahrheit ist es aber heute so, daß die Unternehmen ihren Kunden damit ohne Not finanziellen Schaden zufügen. Welchen Vorteil hat ein ADAC-Mitglied, seinen Verein unter der Nummer 01805/101112 für 0,12 Euro pro angefangener Minute anzurufen, wenn es selbst unter der Woche tagsüber auch schon für 0,014 Euro möglich ist, ihn unter der Nummer 089/222222 zu erreichen? So ist es nur bei Anruf aus dem Festnetz. Es könnte also für den liegengebliebenen Autofahrer mit dem Mobiltelefon günstiger sein. Könnte es. Ist es aber nicht. Denn da gilt der Tarif des Funknetzbetreibers. Der ist bei 0180er-Nummern gewaltig. Bei O2 kostet ein Anruf beim ADAC tagsüber zum Beispiel 0,60 Euro pro Minute.

Jetzt könnte man meinen, der ADAC oder jeder andere 0180er-Nummerninhaber möchte etwas an den Anrufen seiner Kunden verdienen. Vielleicht möchten sie das, aber sie tun es nicht. Das Geld bleibt bei der Telefongesellschaft. Im Gegenteil: Wer sich eine 0180er-Nummer schalten lässt muß dafür jeden Monat extra zahlen.

Nicht alle 0180er-Nummern sind böse. So kostet ein Anruf unter der Vorwahl 01804 nur 0,24 Euro pro Anruf. Bei Gesprächen ab knapp 18 Minuten wäre das ein Schnäppchen. Bei 01802 lohnt es sich sogar schon ab sechseinhalb Minuten. Bei diesen Tarifen zahlt übrigens der Angerufene nicht nur monatlich sondern auch für die Verbindungskosten. Nur aus dem Festnetz natürlich. Vom Handy aus kostet es minutenweise etwa 0,40 Euro. Daß eigentlich schon der Angerufene zahlt, stört die Mobilfunkanbieter dabei keineswegs.

Wenn Sie, sobald jemand Sie auffordert ihn unter so einer Vorwahl anzurufen, das Gefühl beschleicht, man will Sie über den Tisch ziehen, kann ich Sie in drei Punkten beruhigen:

  1. Ihr Gefühl trügt nicht
  2. Der Nutznießer ist nicht der, den Sie anrufen sollen. Der wird nämlich selber abgezockt.
  3. Praktisch immer haben die Unternehmen auch normale Telefonnummern. Viele davon finden Sie zum Beispiel hier.

American Express Gold

An
American Express Services Europe Limited
Zweigniederlassung Frankfurt am Main
Frau Sonja Scott
Theodor-Heuss-Allee 112

60486 Frankfurt am Main

Sehr geehrte Frau Scott,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 24. Februar dieses Jahres, das ich mit großem Interesse gelesen habe.

Falls es zutrifft, daß die American Express Gold Card „sich bewusst an Menschen, die mehr erwarten“ richtet, ist sie in der Tat „etwas Besonderes“. Bislang ist mir nämlich kein Fall bekannt, in dem ein Stück Kunststoff ein eigenes Bewußtsein entwickelt hätte.

Bei allem Respekt vor der Entwicklungsarbeit, die zweifellos hinter dieser bahnbrechenden Biogenese steckt, muß ich gestehen, daß mich die Vorstellung eines Zahlungsmittels mit eigenem Willen eher beunruhigt.

Meine Skepsis gilt dabei nicht Kreditkarten im Allgemeinen. Bereits im Jahr 1989 konnte ich mich für diese Form des bargeldlosen Zahlungsverkehrs entscheiden. Auf das Produkt aus Ihrem Hause fiel meine Wahl damals nicht, weil seitens der Händler auf diesem Planeten dafür kaum Akzeptanz bestand. Soweit ich erkenne, hat sich das bis heute nicht geändert. Ganz im Gegenteil, scheint es mir sogar so, als fürchteten die Händler, zumindest hierzulande, eine Zahlung per Kreditkarte mehr als der Teufel das Weihwasser.

Ich würde Ihre Einladung ja gerne annehmen, gerade weil Sie den Antrag ja schon vorbereitet haben. Wenn mir nur erkennbar wäre, welcher Vorteil mir daraus erwachsen sollte.

Weiterhin geht Ihre individuelle Vorarbeit hinsichtlich des Antrages nicht soweit, wenigstens vorab meinen Vor- und Nachnamen nebst Anschrift in das Formular einzutragen. Mein Geburtsdatum soll ich offensichtlich sogar gleich zweimal angeben. Soweit ich sehe, unterscheidet sich der Grad an individueller Dienstleistung durch American Express schon im Ansatz nicht von dem, was auch jedes deutsche Kreisverwaltungsreferat bietet.

Sie haben ja schon sehr richtig erkannt: Ich erwarte mehr! Wenn Sie mir ein Produkt aus Ihrem Hause verkaufen möchten, erklären Sie mir bitte zuerst, wofür es nützlich ist. Bei der Gelegenheit wollen Sie mir freundlicherweise auch einen Vertragsentwurf zukommen lassen, den ich durch meine Unterschrift annehmen kann.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift]

PS.: Wenn Sie bereits die Möglchkeit einer Teilnahme an einem Preisauschreiben als „besonderes Dankeschön in Aussicht stellen“, werden Sie mir sicher verzeihen, wenn ich dies, auch öffentlich, als Bauernfängerei bezeichne.

Gesetz ist Gesetz

Ich rauche. Nie vor dem Frühstück, selten vor dem Mittagessen, fast immer nach Einbruch der Dunkelheit. An manchen Tagen mehr, an anderen gar nicht. Sicher ist das ungesund. Zuweilen sind es kubanische Zigarren, die ich mir aber nicht immer leisten mag. Meistens drehe ich mir Zigaretten aus meinem Lieblingstabak. Filter mag ich gar nicht, denn die riechen immer so komisch.

Weil mein bevorzugter Tabak nicht jederzeit am Automaten an der Ecke feilgeboten wird, kaufe ich ihn lieber gleich im Zehnerpack. Das reicht dann mal einen, manchmal auch zwei Monate. Nett fand ich, daß die Händler mir immer gleich gratis ein Feuerzeug dazugegeben haben. Ich habe die immer bei Gelegenheit verschenkt, weil ich ja schon seit Jahrzehnten mein amerikanisches Benzinfeuerzeug verwende und so ja eigentlich kein anderes brauche.

Bei meinem heutigen Tabak-Kauf sah ich anstelle des Feuerzeugs der Freundschaft einen feindseeligen Aushang, der besagt, daß ein neues Gesetz Tabakwarenhändlern untersagt, „Rabatte und Beigaben auf Tabakwaren“ zu gewähren.

Wieder ist der Regierung ein großer Wurf gelungen, den Bürger vor der Nikotinsucht zu schützen. Zu unserer eigenen Sicherheit, gibt es kein Gratis-Feuerzeug mehr. Endlich sind wir gerettet! Nie wieder werde ich Nikotin rauchen! Zukünftig werde ich nur noch Schreibwaren und Zeitschrifen einkaufen, die ich von der Steuer absetzen kann. Das ist auch viel gesünder als Rauchen. Das Beste: Der Schreibwarenhändler meines Vertrauens, kann mir jederzeit meine Treue als Kunde belohnen, indem er mir ein Einwegfeuerzeug zum Werbegeschenk macht.

Die Gunst der Wähler schwindet

Und nochmal Chaostage: Rot-Grün versackt in der Krisenflut – Politik – SPIEGEL ONLINE:

Weiter in der Wählergunst abgerutscht

Für die derzeit mehr als schlechten Meldungen bekommt die Bundesregierung in der jüngsten Umfrage die Quittung. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt und die Visa-Affäre kosten die Regierungskoalition von SPD und Grünen weitere Wählergunst. Mit zusammen 49 Prozent hätte eine Koalition von Union und FDP gegenwärtig einen Vorsprung von neun Punkten vor der rot-grünen Koalition mit zusammen 40 Prozent. Das ergab die heute veröffentlichte wöchentliche Forsa-Umfrage im Auftrag des ‚Stern‘ und des TV-Senders RTL.

Das kann kaum überraschen. Fragt sich nur, wem die Wählerschaft bei der nächsten Wahl ihre Stimme geben mag. Die Opposition kritisiert die Regierung zwar nach Kräften, bietet ja aber selbst auch kein ernsthaftes Konzept. Sie vermag ja nicht einmal so recht einen Kanzlerkandidaten aufzustellen. Es ist wohl zu erwarten, daß die vielbeschworene Radikalisierung der Wähler schließlich jenseits auch der 5-Prozent-Hürde spürbar wird. Wie auch immer eine regierungsfähige Koalition sich dann zusammensetzen mag — es wird auf jeden Fall interessant.

Regierung und Opposition gleich weltfremd

Es ist schon interessant. Jeder weiß, daß die offizielle Statistik seit Jahrzehnten im Wesentlichen dazu ausgelegt war, die Zahl derer, die keine Arbeit haben, massiv zu beschönigen. Nun, da die Regierung Schröder nach bald zwei Legislaturperioden einräumt, die Wähler ebenso belogen zu haben, wie ehedem die Regierung Kohl, geben sich sowohl Regierung als auch Opposition dennoch überrascht:

Chaostage: Rot-Grün versackt in der Krisenflut – Politik – SPIEGEL ONLINE: „Die Bundesregierung steht vor allem seit den neuen Arbeitsmarktdaten, die 5,2 Millionen Menschen ohne Job ausweisen, auch aus den eigenen Reihen unter Druck, stärker gegen die Arbeitslosigkeit vorzugehen.“

In dieser neuen Zahl ist aber immernoch jeder Arbeitslose herausgerechnet, der seinen Job verloren hat, aber noch immer mit jemandem aus „einem Topf lebt“ der erwerbstätig ist. Ebenso fehlen jene, die gerne arbeiten würden, aber in Ermangelung eines Job-Angebotes sich vom Arbeitsamt haben überreden lassen, in Frührente zu gehen. Vermutlich liegt die tatsächliche Zahl der fehlenden Arbeitsplätze jenseits der sechs Millionen.

Wenn man sehr optimistisch ist, kann man es immerhin gut heißen, daß trotz der ach so dringenden Probleme wie Dosenpfand, Alkopops und Vergabepraktiken für Visa, die Politik schließlich doch noch erkennt, daß Arbeitslosigkeit ein dringendes Problem darstellt, das unbedingt gelöst werden muß.

Müssen wir auf die Veröffentlichung noch realistischerer Zahlen warten, ehe unsere Parlamentarier erkennen, daß die „soziale Hängematte“ auch schon vor Hartz kaum freiwillig aufgesucht werden konnte?

Werden unsere Abgeordneten erkennen, daß es in Deutschland nach wie vor attraktiv ist, zu arbeiten? Werden sie feststellen, daß es für Unternehmen kaum etwas schlimmeres gibt, Mitarbeiter zu beschäftigen?

Werden unsere Helden der Politik bemerken, daß ein starker Kündigungsschutz der immer weiter wachsenden Zahl der Erwebslosen nichts nützt?

Versäumen Sie nicht die nächste Folge, in der es heißt: „10 Millionen Arbeitslose – Schröder überrascht! Merkel fordert Fischers Rücktritt“