Kategorie: Misswirtschaft und Politiktheater

  • Des Kaisers 418 neue Kleider

    Kirchhofs Visionen

    In Ermangelung eines schlüssigen Konzeptes zur Steuerpolitik, hat die CDU wenige Wochen vor der Wahl einen Überraschungsminister der Finanzen aus dem Ärmel gezaubert, ein Herrn Professor Paul Kirchhof, der eigentlich Verfassungsrichter ist. Ware Wundertaten werden ihm nachgesagt. Ganz einfach und gerecht soll sein Modell alles machen, sagt die CDU. Ungerecht und nur zu Lasten der „Kleinen Leute“ wäre es in Wahrheit, sagen SPD und PDS.

    Von 418 Steuervergünstigungen, die gestrichen werden sollen wird gemunkelt. Offiziell wird die CDU nicht müde zu bekräftigen, daß sie zu zwei Dritteln hinter dem Modell ihres Wunderknaben stehe. Wundersam ist vor allem, daß man nicht nur nicht erfahren kann, welche Drittel nun von der CDU unterstützt und welche abgelehnt werden, sondern was überhaupt der Inhalt von Kirchhofs Visionen ist. Sogar er selbst darf dazu offenbar nichts publik machen. Indessen ist zu hören, daß er den amtierenden Finanzminister der Verschwörung bezichtigt. Man mag sich fragen, ob die visionäre Geheimwaffe der CDU womöglich eine Halluzination ist. Immerhin gibt Frau Merkel unter zunehmendem öffentlichen Druck an, selbst nicht zu wissen, was der Professor aus Heidelberg da ausgeheckt hat. Zumindest was die geheimnisvolle 418 Punkte umfassenden Streichliste betrifft, sagte sie gegenüber Spiegel-Online:

    Ich kenne sie nicht. Ehrlich gesagt interessiert sie mich insofern auch nicht, als ich mich mit den Ausnahmen befasse, die wir abschaffen. [sic]

    Dieser Satz ist so mysteriös wie der Verbleib der Liste. Von Kirchhof ist sie nicht zu bekommen. Sie befände sich bei der CDU, lassen seine Mitarbeiter wissen. Die Union behauptet indessen, die Liste läge ihnen nicht vor. Vermutlich bekommt man bei weiteren Nachfragen zu hören, daß leider das Kleingeld für den Fotokopierer nicht gereicht hat.

  • Bahnexperten

    Meine erste Reise die ich allein unternahm, war ein Besuch bei meiner Großmutter. Das Verkehrsmittel der Wahl war ein Flugzeug, der Fluglinie PanAm. Das Flugzeug nicht so sehr weil es so arg weit war, sondern weil es für mich gar nicht anders möglich gewesen wäre, nach Berlin zu reisen. Die Bahn fuhr nicht durch die DDR und Auto ohne Führerschein über die Transitstrecke wäre wohl auch nichts geworden. Selbst wenn, mochte man seinem achtjährigen Kind eine Begegnung mit den VoPos an der Zonengrenze ja doch dringend ersparen.

    Die Reise gestaltete sich einfach und bequem. Papa gibt mich am Flughafen beim CheckIn der Lufthansa ab, eine nette Frau versorgt mich mit kleinen Aufmerksamkeiten (PanAm-Anstecknadel, Stifte, Malbuch) , hängt mir sicherheitshalber ein Schild mit meinem Namen um, falls ich den vergesse oder so. Im Flugzeug durfte ich dann das Cockpit ansehen. Der Pilot hat mir alles erklärt, was mir zu wissen nötig schien, um das nächste mal selbst zu fliegen. Ein wenig enttäuscht war ich, das gebe ich zu, daß die PanAm-Nadeln der Cockpit-Crew aus Metall waren und meine nur aus Plastik. Ich bin mir heute nicht mehr sicher, ob ich mich damals angemessen beschwert hatte. In Berlin brachte mich die nette Frau aus dem Flugzeug zu meiner Großmutter. Das war gar nicht schwer.

    Bahnfahren dagegen sehr. Das fand ich schon damals nicht so leicht und ist seitdem immer komplizierter geworden. Heute habe ich wieder meine Großmutter besucht. Diesmal nicht in Berlin, sondern Erlangen und eben mit der Bahn. Die erste Hürde war der Kauf einer Fahrkarte. Da meine Schwester ebenfalls nach Erlangen reiste, allerdings nicht von München sondern von Augsburg aus, gedachte ich einen Fahrschein München-Augsburg zu erwerben, plus einen ICE-Zuschlag für München-Erlangen, denn für die gesamte Reise war nur ein einziger Zug erforderlich, der ICE 1718 „Bamberg“. Weil meine Schwester eine RailKarte BahnCard hat, konnte sie mich verbilligt mitnehmen, wie sie mir sagte. Aber sie würde erst in Augsburg zusteigen.

    Ich plante also für den Kauf der Fahrkarte genügend Zeit ein, um dem Bahnmitarbeiter mein Anliegen in aller Deutlichkeit auszuführen. Schon nach einer knappen Viertelstunde Schlangestehen, durfte ich sogar beim Schichtleiter, Herrn Kapfhammer vorsprechen. Statt einem Wort des Grußes, richtete er nur einen wissenden Blick auf mich und wartete. Ich erklärte mit dem Zug um 10:47 nach Erlangen fahren zu wollen, würde aber nur eine Fahrkarte bis Augsburg benötigen, weil mir dort ein Fahrschein für die restliche Strecke übergeben bekäme. Ich bemerkte eine leichte Veränderung im Gesicht von Herrn Kapfhammer, den ich nicht recht zu deuten wußte. Weil es sich ja aber um einen ICE handle, wolle ich zusätzlich einen ICE-Zugschlag entrichten, der dann aber bis Erlangen reichen müsse. Inzwischen war jedes Verständnis aus dem Blick von Herrn Kapfhammer gewichen. Doch plötzlich begann er mit zu sprechen: „Dazu muß ich wissen, was das ab Augsburg für eine Fahrkarte ist.“ Aus. Vorbei. So schnell kann es gehen, daß ich gar nicht damit gerechnet hatte. Ich kann keine Fahrkarte kaufen. Am Automaten geht nicht, weil der nur Karten mit und ohne Zuschlag kann und am Schalterschichtleitermenschen geht nicht, weil der auch nicht kann, weil ich ihm sagen muß, was ich nicht wissen kann.

    Als ich mich gefasst hatte, hatte mich der Strom der Menschen bereits weit vom Schalter fortgespült und ein Fahrkartenautomat rückte in mein Blickfeld. Blitzschnell versuchte ich das Problem in einzelne Schritte zu zerlegen. München-Augsburg einfach, erst mal kaufen, dann weitersehen. Ich erinnerte mich, daß meine letzte Zugfahrt nach Augsburg 8,60 DM gekostet hatte, ich fand heraus, daß man in den Automaten „1 2 0 0“, eintippen musste, wenn man Nach Augsburg wollte und dann entscheiden, ob der Zug über Buchlohe fahren soll („2“) oder nicht (
    „1“). Auf dem Display stand 24,80 Euro. Ich hatte mit einem Preisanstieg gerechnet. Aber das erschien mir zu unrealistisch. Ich drückte „C“ und begann erneut: „1 2 0 0 1“: 9,70 EUR. Auch doppelt so viel wie bei der letzten Fahrt, aber immerhin denkbar, also griff ich zu, beziehungsweise bot der Maschine einen nagelneuen blauen Zwanzigeuroschein an. Sie zog ihn ohne zu kauen vollständig in ihren Schlund und würgte ihn sogleich wieder hervor. Ich entedeckte die durchgestrichene Abbildung einer Art blauen Geldscheins auf dem Display und folgerte, der Automat kann nicht rausgeben. Er kann nicht, ich habs nicht. Nicht kleiner zumindest. Das kommt mir bekannt vor.

    Ich stärkte mich mit einem Kakao, was mir zu einem Zehneuroschein verhalf. Lässig schlenderte ich erneut zu der Menschenschlange vor einem dieser Geräte. Wissend und souverän, ich fühlte mich fast ein wenig wie Herr Kapfhammer, blickte ich auf jene Dame vor mir, die zunächst gezielt mehrere, dann ratlos einige und schließlich verzweifelt viele Knöpfe drückte und sichtlich indigniert begann, zur Verarbeitung dieser Erfahrung einen anderen Ort zu suchen. Routiniert tippte ich „C 1 2 0 0 1“, es leuchtete mir der Betrag 9,70 entgegen und mit triumphalem Lächeln schob ich den bereitgehaltenen Gelcschein in den Apparat. Nach einer dramatischen Pause drang das sonst quälende Kreischen eines Nadeldruckers diesmal lieblich wie Schalmeienklänge an mein Ohr. Mit großer Geste klimpterte der Blechschrank mir 6 angelaufene 5-Cent-Münzen in seinen Ausgabefach.

    Von diesem Sieg angefacht, entschied ich den Zuschlag im Zug zu erwerben. Was sollte der Schaffner schon machen, ich war zahlungswillig, hatte geduscht und sogar bereits einen Fahrschein dabei. Soll der sich doch damit herumschlagen. Herr Kapfhammer hat es ja mit mir schließlich genauso gemacht. Dann kostet der Zuschlag eben 8 statt 6 Euro. Mir doch wurscht.

    Der Schaffner hatte zwar ein wenig mit dem grauen Gerät mit den Vielen Tasten zu kämpfen, der Wunsch nach einem Zuschlag bis Erlangen erschien ihm trotz meiner München-Augsburgkarte nicht abseitig. Verständig nahm er zur Kenntnis, daß ich ab Augsburg mit der Karte weiterfahren würde, die meine Schwester dort mitbringt. Dafür wirkte er ehrlich erschrocken als mir den Preis mitzuteilen hatte: 12,30 Euro. Ich erschrak nicht. Ich war froh, denn ich mußte nur bezahlen und Augsburg, die erste Etappe war geschafft.

    Ab Augsburg war der Schaffner dann schon etwas erschöpft. Er nahm die beiden Fahrscheine Augsburg-Erlangen, die meine Schwester besorgt hatte lange in Augenschein und zwickte seinen Stempel drauf. Er betrachtete den Beleg für den ICE-Zuschlag, den ich ihm von kaum zehn Minuten bezahlt hatte, überlegte und sagte dann, „Aber Ihre Fahrkarte gilt nur bis Augsburg.“ Ich lächelte mild und erklärte abermals, daß ich ab sofort mit meiner Schwester Zweitfahrkarte führe, die er soeben angesehen und für gut befunden hatte. Das fand er dann in Ordung, entschuldigte sich und verließ uns. Seiner möglicherweise noch andauernden Verwirrung mag es geschuldet gewesen sein, daß ihm dabei unbemerkt blieb, daß meine Schwester keinen ICE-Zuschlag bezahlt hatte. Das ist aber dem anderen in Nürnberg eingewechselte frische Schaffner auch nicht aufgefallen. Es ist ja auch nicht immer alles ganz so einfach, bei der Bahn.

  • Die Masse macht’s

    Ab einer gewissen Unternehmensgröße gibt es Zuständigkeiten. Der Kunde mag ja glauben, nur weil er den Umsatz erbringt, richte sich der betriebliche Ablauf nach ihm. Dabei ist alles von Wirtschaftswissenschaftlern bereits im Voraus geplant, die viel besser, früher und genauer wissen, was der Kunde will, der selbst ja nur ein Laie ist, dessen Kernkompetenz im Bezahlen liegt. Wenn überhaupt. Besser ist eine Einzugsermächtigung. Hauptsache: Kundenkontakt vermeiden. Der hält nur auf und kostet Geld.

    Ab einer gewissen Größe hat ein Unternehmen es auch nicht mehr nötig, Rücksicht auf einzelne Kunden zu nehmen, weil es sich auf Statistik verlassen kann. Wenn ein unverbesserlicher Querulant wegen einer zerbrochenen Kontaktlinse zur Konkurenz geht, kommt dafür ein anderer, der sich über den Mitbewerber ärgert. Ein paar Prozent Fluktuation gibt es schließlich immer und nach dem zweiten Wechsel geben die meisten ohnehin auf. Traurig aber wahr.

  • Grippe gegen Schulden

    Die Menschen sind am Ende. Vertrauensträger sind korrupt und geben Ihre Ideale für Puffbesuche auf, die sich selbst nicht leisten können oder wollen (VW). Die Reichen sind dekadent und halten soziale Verantwortung für eine Schwäche, die der globale Markt nicht toleriert (Deutsche Bank). Selbst die Unterhaltungsbranche ist von Sekten unterwandert (Scientology in Hollywood). Die Presse schreibt aus Weblogs ab, weil sie Ihre Quellen nicht mehr geheimhalten darf. Die Armen werden mehr, verhungern aber dafür auch in größerer Zahl.

    Jetzt aber rächen die Vögel die Verfehlungen der Menschen. Sie haben dafür die Vogelgrippe erfunden. Ein Virus, daß sie bereits mit verheerenden Folgen an sich selbst erprobt haben, funkioniert nun auch für Menschen. Am besten klappt es, wie mit den meisten Krankheiten, bei geschwächten Menschen. Auf Säuglinge und Greise hat sie es hauptsächlich abgesehen. So gemein es auf den ersten Blick aussieht, ist es doch gerade in Deutschland ideal. Säuglinge gibt es hier kaum, da kann das Virus also nicht viel anrichten. Alte haben wir reichlich, die wollen aber nur das ganze Geld verpulvern, daß sie einst in die Rentenversicherung einbezahlt haben. Das ist bekanntlich schon längst weg.

    Die Vogelgrippe wird neben den globalen Auswirkungen auf jeden Fall auch den Bundeshaushalt sanieren. Vielleicht kann man sogar eine Vogelsteuer erheben. Ob sie für Vogelhaltung oder Vögeln fällig werden soll, muß noch verhandelt werden. Bislang ist beides steuerfrei. Sicher ist aber schon jetzt, daß die Viren ihre Bewirtungsspesen nicht von der Steuer absetzen dürfen, weil viele Wirte gar nicht in der Lage sind, Belege auszustellen, auf denen die Mehrwertsteuer getrennt ausgewiesen ist.

    Die Vogelgrippe beseitigt Armut, Krankheit und Alter. Anders als andere Krankheiten, wie SPD, Grüne, CDU, FDP, BSE, uva. muß sie nicht extra gewählt werden, ehe sie macht was sie will.

    Wählen Sie Ihre Zukunft — Die Vogelgrippe kommt!

  • Wahlrecht für Experten

    Es gibt doch für alles Experten. Warum belastet man den uns Bürger damit, irgendwelche Parteien in Land- und Bundestage zu wählen? Wir haben doch keine Ahnung von Politik. Sonst wären wir ja selber Politiker geworden.

    So als Laie denkt man ja bloß, mit so einem multimilliardenschweren Bundeshaushalt müsste man doch ganz schön was bewegen können. Vielleicht meint man auch, wenn es alles, was jeder so zum Leben braucht, sowieso im Überfluß vorhanden ist, obwohl bei der Herstellung nicht einmal jeder gebraucht wird, müsse es doch allen gut gehen.

    Aber wir Laien haben eben keine Ahnung. Wir verstehen nicht, warum unsere Sprache anders werden muß. Wir sehen nicht ein, warum wir Wegwerfverpackungen nicht selber wegwerfen dürfen, sondern dafür Pfand bezahlen sollen. Wie neue Pässe dafür sorgen sollen, daß niemand mit Flugzeugen in unsere Häuser fliegt, leuchtet uns nicht ein. Wozu der Staat Einblick in unsere Konten haben muß, bleibt uns verborgen. Wir kapieren ja nicht einmal, warum bei Managern von Großunternehmen die gleichzeitig Abgeordnete sind immer die Rede von „Nebeneinkünften“ ist, die offengelegt werden sollen. Die Höhe der Diäten ist doch bekannt. Wir können selbst ja einen Computer nicht von einem Fernseher unterscheiden.

    Warum schreibt uns die Regierung nicht endlich verbindlich vor, welche Partei wir wählen sollen? Es ist ja kein Wunder das immer nur so wenige wählen gehen, bei so vielen Parteien. Wer soll sich den da noch auskennen? In der DDR ging das viel einfacher. Da gab es übersichtliche Stimmzettel und eine Wahlbeteiligung von über 100 Prozent. Man musste sogar nicht einmal hingehen zur Wahl. Bürgernah wie die SED war, akzeptierte sie ganz unbürokratisch auch Stimmen, die manche Wähler versehentlich gar nicht abgegeben hatten.

  • Kühlung als Marketingtrick

    Sie sieht genauso aus wie frische Milch, aber sie hält sich Monate lang. Man muß sie zudem nicht im Kühlschrank aufbewahren, zumindest, solange die Verpackung noch nicht geöffnet ist. Doch Sie hat einen schwerwiegenden Nachteil: Sie schmeckt entsetzlich nach abgekochter Milch. Genau das ist sie auch, die H-Milch.

    Dieses Gebräu entsteht aus Milch, die auf 135° C erhitzt und wieder abgekühlt wird. Dieser Prozess wird schnell durchgeführt, damit nicht alle Vitamine verloren gehen. Diese Sauce aus Molke und darin schwimmendem geronnenem Eiweißbrocken wird dann ordentlich durchgequirlt, damit daraus wieder eine homogene Flüssigkeit entsteht, die nicht besser schmeckt, als es von denaturierten Proteinen zu erwarten ist.

    Was aber hat diese Konserve neuerdings in den Kühlregalen der Supermärkte verloren? Immer mehr Milchtüten verschiedenster bekanner Marken, tragen auf einmal zusätzlich den harmlos klingenden Hinweis „besonders lange halbar“. Obwohl als Frischmilch angeboten, ist der Inhalt ganz offensichtlich H-Milch, was am Geschmack eindeutig zu erkennen ist. An Frechheit kaum zu überbieten ist der Aufdruck eines Herstellers, der sich nicht entblödet zu behaupten, seine H-Milch bliebe „besonders lange frisch“.

    Darf ich demnächst erwarten, Fleisch und Gemüse nur noch „frisch“ gekocht im Kühregal zu finden?

  • Phaeton

    Auf der Suche nach einem standesgemäßen Dienstfahrzeug der Redaktion des Fellow Passenger wurde von Volkswagen auch deren Luxusmodell „Phaeton“ angeboten. Das kommt für den Fuhrpark der Redaktion nicht infrage. Vermutlich auch nicht für irgendjemanden, der es sich leisten könnte.

    Autokauf ist eine zutiefst emotionale Angelegenheit. Bei einem Kraftfahrzeug genügt es nicht, daß es fährt und mit allerlei Annehmlichkeiten ausgestattet ist. Gut, dem reinen Pragmatiker reicht das natürlich. Der kauft dann auch gerne ein preiswertes und zuverlässiges Kombi-Modell aus Japan.

    Der typische Luxuslimousinenkäufer hingegen hat völlig andere Ziele. Er wünscht ein Fahrzeug mit einer Aura des Erhabenen. Ob es der Fahrer darin besonders bequem hat, spielt eine Rolle, ist aber zweitrangig, denn der gehört zum Personal. Selbst fährt das Volk, zum Beispiel einen Volkswagen.

    Abgesehen vom Lottogewinner aus Proletenkreisen, dürfte die in Wolfsburg gewünschte Klientel zumindest soweit mit der griechischen Mythologie vertraut sein, ein Fahrzeug mit dem Namen „Phaeton“ als hochgradig peinlich zu empfinden.

    Wir erinnern uns: Phaeton der Halbgott, hervorgegangen aus der Liebe des Sonnengottes Helios zu der sterblichen Klymene, verlangte zum Beweis seiner Herkunft, Helios‘ Sonnenwagen lenken zu dürfen. Trotz der eindringlichen Warnungen seines Vaters wich er nicht von seiner Forderung ab. Wie erwartet war Phaeton völlig überfordert, als er des Sternbildes Skorpion ansichtig wurde. Er verlor das Bewußtsein. Füherlos brachte der Wagen die gesamte Welt aus den Fugen. Erst nachdem die Haut der Äthiopier sich durch die sengende Sonne bereits schwarz gefärbt hatte, wurde der Göttervater Zeus durch einen Hinweis Demeters auf die Entgleisung aufmerksam. Vor Wut über die durch Phaeton vorzeitig herbeigeführte Unterbrechung seines jüngsten amourösen Abenteuers, bereitete Zeus Phaetons Treiben schließlich mit einem gewaltigen Donnerkeil ein Ende.

    Kein Wunder also, daß dieses Automobil sich nicht so recht verkaufen läßt. Mit ähnlichem Erfolg könnte Porsche wohl versuchen, ein Modell „James Dean“ zu vermarkten. Auch ein Mercedes „Lady Diana“ würde wohl auch keinen reißenden Absatz finden. Apropos Mercedes: Dürfen wir schon auf den Maybach „Adolf“ hoffen?

    Die Redaktion von des Fellow Passenger bleibt einstweilen beim Dienstfahrad.

  • Arbeitslose? Nein Danke!

    Die Lage ist eindeutig. Deutschland hat ein volkswirtschaftliches Problem. Die Arbeitslosigkeit. Es gibt nicht genug Arbeit, die verrichtet werden muß. Weil die Wirtschaft nicht dafür zuständig, und die Politik damit überfordert ist, haben die Arbeitslosen selbst schuld. Die Lage ist schwierig, aber nicht aussichtslos.

    Als überparteiliches und unabhängiges Arbeitslosenorgan stellt der Fellow Passenger die Lösungsansätze der beliebtesten Parteien vor.

    SPD: Alle Arbeitslosen werden beim Arbeitsamt angestellt. Die Gehälter (Arbeitslosengeld) werden ohnehin bezahlt, es entstehen also keine weiteren Kosten. Die Arbeit ist auch Branchenfremden zumutbar, weil sie ja ohnehin nichts tun müssen. Sämtliche Arbeitsämter können geschlossen werden, denn nichts kann man auch leicht per Home-Office erledigen. Ergebnis: Vollbeschäftigung.

    CDU: Arbeitslose werden mit elektronischen Fußfesseln ausgestattet. Wenn man jeden Schritt eines Arbeitslosen überwacht, schafft das Arbeitsplätze, denn irgendwer muß das ja machen. Jeder Arbeitslose bekommt einen Aufseher, der vorher arbeitslos war. Ergebnis: Halbierung der Zahl der Arbeitslosen.

    FDP: Der Mittelstand wird gefördert. Weil mittelständische Unternehmen nicht mehr existieren, hat jeder Arbeitslose ein Unternehmen zu gründen. Ergebnis: Keine Arbeitslosen, aber 5,2 Millionen insolvente Unternehmer und 18 Prozent FDP-Wähler.

    Die Grünen: Jeder Arbeitslose soll einen Baum an seinem Wohnort pflanzen und bei trockenem Wetter gießen. Ergebnis: Ein Grüneres Stadtbild.

    PDS: Arbeit wird abgeschafft. Erst wenn alle arbeitslos sind, ist soziale Gerechtigkeit möglich. Ergebnis: 100 Prozent gerechte Arbeitslosigkeit.

    NPD: Der Deutsche zeichnet sich dadurch aus, daß er hart und gerne arbeitet. Wer keine Arbeit hat, ist demnach kein Deutscher. Wer kein Deutscher ist, hat hier nichts verloren und wird ebenso wie Nicht-Arier ausgewiesen. Ergebnis: Mangel an Arbeitskräften. Gastarbeiter werden benötigt.

  • Bild schreibt ab

    Eigentlich hatte ich es bereits vermutet. Aber nun ist es offensichtlich. Die „Bild“ schreibt ab und zwar aus Blogs. Es war schon zu vermuten, als am 27. April die Schlagzeile „Justiz-Minister knallt durch – Fußfesseln für Arbeitslose!“ auf der Titelseite zu lesen war.

    Warum am 27. April, wenn doch die Presseerklärung des Hessischen Justizministerium bereits am 10. März abgegeben wurde. Die hat „Bild“ doch sicher auch bekommen? Das könnte natürlich Zufall sein.
    Die von Bild veröffentlichte Abbildung ist von der Urheberin mit der Bitte um Vervielfältigung abgewandelt worden.
    Sicher kein Zufall ist es aber, wenn „Bild“ Weblogs als kostenloses Bildarchiv betrachtet und sich freimütig und ungefragt daran bedient. So ist es geschehen mit insgessamt sechs Bildern aus der Reihe „Wir sind Papst!“ auf www.eye-said-it-before.de. Dort waren diese Fotos Beiträge von Bloggern, die dazu gedacht waren, die Bild-Schlagzeile zu verulken. In der Bild mit dem Zusatz „Eine Schlagzeile wird Kult“ abgedruckt, wirkte das freilich ein bißchen anders.

    Nun hat Rechtsanwalt Udo Vetter, Author von www.lawblog.de das Mandat jener Bloggerin übernommen übernommen, die ihr Gesicht unversehens in der Bild wiederfand. Mit der Bildunterschrift „Blonder Papst-Gruß mit Schlagzeile in Schwarz, Rot, Gold (gelb)“, versehen ist ihr die Veröffentlichung verständlicherweise unangenehm.

    Deshalb hat die Axel Springer AG nun Post von RA Vetter bekommen. Auf den Ausgang kann man gespannt sein. Immerhin die Redaktion der Online-Ausgabe (Bild.de) hat das betreffende Foto ziemlich zügig vom Netz genommen.