Am Sonntag war ich in einem Lokal in dem anläßlich eines Fußballspiels ein Fernseher betrieben wurde. Nach dem Spiel gab es auf DSF eines dieser Gewinnspiele, die man eigentlich nur als Erregung öffentlichen Ärgernisses bezeichnen kann.
Der private Fernsehsender 9Live hat damit angefangen. Er stellte seinen Zuschauern Fragen und für deren richtiger Beantwortung einige tausend Euro als Gewinn in Aussicht. Der findige Rätsellöser durfte unter einer Mehrwert-Nummer (49 Cent/Anruf) seine Lösung mitteilen. Die Fragen selbst waren nicht zu schwierig. Etwa so: „Der Maler Rembrandt malte 1629 ein Selbstportrait. Wer ist auf dem Gemälde zu sehen? A: Rembrandt, B: Marilyn Manson“. Unter den Anrufern wurde durch die Telefonanlage des Fernsehsenders einer ausgewählt, der die Frage beantworten durfte. Der Rest musste mit dem Anrufbeantworter vorlieb nehmen. Wärenddessen fuchtelte der Moderator wild mit dicken Geldbündeln vor der Kamera und kreischte „Das gibt’s doch gar nicht, daß niemand anruft! Brauchen Sie denn kein Geld?“
Das ist doch Glückspiel, dachte sich mancher. Das ist in Deutschland nicht erlaubt, zumindest darf das nur der Staat. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Die kam zu einem höchst erstaunlichen Ergebnis. Sie fand nicht nur keine Beweise, die den Vorwurf hätten erhärten können. Sie hat vielmehr herausgefunden, daß 9Live in keiner Weise vorgeworfen werden könne, unerlaubtes Glücksspiel zu betreiben.
49 Cent pro Anruf wäre ja auch nicht teurer als eine Postkarte zu verschicken, argumentierte der Sender. Ja schon, aber wenn ich eine Postkarte verschicke, verdient der Empfänger daran keine 30 Cent.
Noch erstaunlicher ist der seit dem erfolgte Sinneswandel des Senders. Der stellt inzwischen nämlich Fragen von ganz anderem Kaliber. Zum Beispiel: Wie viele Vierecke sind hier zu sehen:
Wissen Sie es? Es sind 27 Stück. Das ist kniffeliger zu beantworten als die Frage, wie die Staatsanwaltschaft zum Ergebnis Ihrer Untersuchung kam und warum 9Live plötzlich Fragen stellt, die kaum jemand beantworten kann. Es könnte ja sein, daß Staatsanwalt und Sender ganz viel Glück gehabt haben. Darum haben sie sich dann vielleicht in etwa so geeinigt: Wenn in Zukunft alles anders wird, war in Vergangenheit alles rechtens.
Ist vielleicht auch besser so, weil inzwischen jeder Privatsender das Nachtprogramm mit solcherlei spannenden Quizshows füllt. Es kann ja nicht sein, daß eine ganze Branche illegales Glückspiel betreibt. Wo kämen wir da hin?