Kategorie: Vermischtes

  • Presseecho

    Als offizielles Mitglied im Medienverbund „Propaganda“ der geliebten Bundesregierung, hat das Fachmagazin für Halbwissen hier ein Pressecho über den erfolgreichen Start des neuen Informationsangebots zusammengestellt. Wir sind natürlich immer bestrebt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen zustimmenden und ablehnenden Reaktionen abzubilden. Leider fanden sich aber bisher noch keine hochqualitativen, beziehungsweise überhaupt negativen Stimmen. Wir bitten die Leserschaft um Nachsicht, oder besser Mithilfe.

    [Update: noch sechs weitere, zwei davon sogar kritisch]

  • Von Politikverdrossenheit keine Rede

    Das Propagandateam der geliebten Bundesregierung hatte mit allem gerechnet: Ein Sperrvermerk bei jugendschutzprogramm.de, der Einsatz der Streitkräfte im Inneren des Rechenzentrums des Webhosters, finaler Rettungsschuß auf den Großen Vorsitzenden oder die Deportation sämtlicher Beteiligter nach Guantanamo oder sogar Haspelmoor.

    Das steht sicher alles noch bevor. Zunächst aber zeigte sich das Volk weit weniger politikverdrossen, als im Vorfeld durchgeführte Studien vermuten ließen. Der auf Hochleistung getrimmte Rechnerverbund der geliebten Bundesregierung wurde im ersten Ansturm vor lauter Liebe einfach überrannt. Mit einer solchen Zustimmung (100,17 Prozent) hatte selbst die geliebte Bundesregierung nicht gerechnet.

    Im Namen des Propagandateams der geliebten Bundesregierung bedankt sich das Fachmagazin für Halbwissen bei all seinen Lesern für das rege Interesse!

  • Die geliebte Bundesregierung

    In einem beispiellosen Kraftakt hat die geliebte Bundesregierung im Internet innerhalb kürzester Zeit ein Propagandagroßprojekt auf die Beine gestellt, daß ihre Regentschaft für die nächsten 1000 Jahre sicherstellen soll.

    Für ihre größte Medienkampagne der deutschen Nachkriegsgeschichte hat die geliebte Bundesregierung die Creme versierter Propagandaexperten verpflichtet, unter der schmissigen Adresse http://die.geliebte.bundesregierung.in.der.schwatzbude.de/ dem Volk die billige und populististische Symbolpolitik der Koalition schmackhaft zu machen.

    Dank der erfahrenen Medienprofis von elementarteile.de, fellowpassenger.dehartz4all.de, pantoffelpunk.de und zenzizenzizenzic.de, vermag die Legislative erstmals, Inhalte in einer technisch korrekten Form anzubieten. In der offiziellen Pressemitteilung der geliebten Bundesregierung heißt es über die Website:

    Diese ist nicht nur in validem XHTML 1.0 Strict und CSS level 2.1 geschrieben, sondern wird auch von einem sorgsam ausgewählten Propagandateam aus versierten Internetexperten betreut,die schon viele Jahre die gerechte, weise und gute Politik der geliebten Bundesregierung unterstüzen.

    Neben richtungsweisenden Umfrageergebnissen zu schamlosen Suggestivfragen kann der Wähler durch geschicktes Buchstabenraten bei einem Onlinespiel eine Dame vor dem Galgen retten. Geheimtip: Die Buchstaben Q, Y und X werden in gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen als besonders wirkungsvoll beschrieben.

    Wer im „Superwahljahr“ 2009 nicht vor hat, auszuwandern, kommt an der geliebten Bundesregierung auf keinen Fall vorbei.

  • Wenn man weiß, was sie vorhaben, kann man es verhindern

    Angenehme elektronische Musik zu unangenehmen Fragen mit Originalzitaten prominenter Zyniker:

  • Seriöser protestieren

    Gerne unterstützen wir weiterhin die Kampagne gegen Internetverstümmelung von Patrick G. Stoesser, der ganz hervorragende Stopp-Schilder zum Mitmachen anbietet.

    Schweren Herzens haben wir uns nun dennoch auf unsere originäre Pflicht besonnen, seriöses Halbwissen in tradiert humorbefreiter Weise zu präsentieren, weshalb wir ab sofort oben links (warum auch immer gerade dort) den Ursula-von-der-Leyen-Fan-Club zu Wort kommen lassen.

    Ehe Sie sich darüber beklagen, beteiligen Sie sich bitte lieber zuerst an der Petition gegen Internetsperren. Wissen Sie nicht, worum es geht, lesen Sie jetzt sofort dort weiter.

  • Tun Sie was für Ihre Freiheit!

    Nicht nur für Juristen, sondern für jeden, der in Deutschland lebt ist das in letzter Zeit arg geschundene Grundgesetz eine Pflichtlektüre. Jeder Bürger darf es sich kostenlos bei der Bundeszentrale für Politische Bildung bestellen. Das geht auch online und zwar hier: Bundeszentrale für Politische Bildung. Zum aktuellen Thema empfiehlt es sich, insbesondere den Artikel 5 [1]Art. 5 GG, gesetzeiminternet.de zu lesen. Der steht nämlich, durch den konzertierten Vorstoß Ursula von der Leyens, Simone Brigitte Zypries‘ und Karl-Theodor von und zu Guttenbergs, auf dem Spiel.

    Daß dieses wohlfeile, zum Abwinken populistische Gesetzesvorhaben keinen einzigen Fall von Kindesmißbrauch verhindern kann, liegt auf der Hand. Gesperrt werden sollen Webangebote, die Bilder solcher Verbrechen zeigen. Die Sperrung durch das Bundeskriminalamt kann zwangsläufig erst erfolgen, wenn der Mißbrauch bereits geschehen ist.

    Aber es kommt noch schlimmer: Die Anbieter solchen Materials werden nicht verfolgt, sondern sogar geschützt. Hier entsteht nicht Kinderschutz sondern Täterschutz. Werden solche Angebote versteckt, existieren Sie im Verborgenen weiter, unbehelligt von Opferschutzvereinen und Strafverfolgungsbehörden. Das Problem wird nicht gelöst, sondern bewahrt.

    Wenn denn das Problem tatsächlich überhaupt die Dimensionen aufweist, wie von den Sperrbefürwortern immer wieder angegeben wird. Ein Gastkommentar auf Alvar Freudes „Odem Blog“, kommt bei der Suche nach den Quellen für diese unglaublichen Zahlen zu dem Schluß, daß sie nicht einmal ansatzweise stimmen können [2]Anonym, „incompetence not in danger„, blog.odem.org, 01.05.2009.

    Der Heise-Verlag weist darauf hin, daß die ganze Aktion kaum wirklich im Interesse des Schutzes von Kindern vor Mißbrauch sein kann [3]Holger Bleich, Axel Kosse, „Verschleierungstaktik„, c’t 9/09.

    Ob beabsichtigt oder nicht, würde das Gesetz den Aufbau einer übermächtigen Infrastuktur zur Zensur des Internet zur Folge haben, die für alle möglichen unerwünschten Internet-Inhalte Anwendung finden würde. Dies alles völlig unbemerkt und unkonrollierbar, weil die Sperrliste Geheimsache ist, und die Exekutive allein darüber befindet, was auf dieser Liste stehen soll.

    Alle von Frau von der Leyen genannten Länder die sie als Vorbilder betrachtet haben entweder durch öffentlich gewordene Sperrlisten, oder Aussagen der zuständigen Beamten, bereits deutlich gemacht, daß diese Filter nicht ansatzweise hilfreich sind. Im Falle der durchgesickerten Listen, zeigte sich vor allem, daß die überwiegende Mehrzahl der Eintäge keine Angebote mit pädokriminellem Material betrafen.

    Schon längst fordern Lobbygruppen, diesen Sperrmechanismus für Ihre eigenen Interessen nutzen zu dürfen. Alle strengen Kontollmechanismen haben in der Vergangenheit mehr als deutlich gemacht, daß es nie bei einem eng umgrenzten Anwendungsfall bleibt. Statt einigen Dutzend Telefonüberwachungen wurden allein im letzten Jahr in Berlin 1,1 Million abgehörte Gespräche. Längst wird das außschließlich zur Abrechnung der LWK-Maut gedachte Toll-Collect-System zur Strafverfolgung eingesetzt, obwohl dies bis zur Einführung kathegorisch ausgeschlossen wurde. Ein System das zum Mißbrauch einlädt, wird immer mißbraucht.

    Insgesamt verstößt das Sperr-Vorhaben gegen das Recht auf Informationsfreiheit und gegen das Gebot der Gewaltenteilung. Damit ist es eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie in Deutschland. Damit es soweit erst gar nicht kommt, Zeichnen Sie die Petition „Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten„. Nehmen Sie sich jetzt gleich die 5 Minuten Zeit, sich auf der Petitonsseite des Deutschen Bundestags zu registrieren, anzumelden und die Petition mitzuzeichnen. Selbst wenn Sie normalerweise nie zum Wählen gehen. Es ist wirklich wichtig.

    References
    1 Art. 5 GG, gesetzeiminternet.de
    2 Anonym, „incompetence not in danger„, blog.odem.org, 01.05.2009
    3 Holger Bleich, Axel Kosse, „Verschleierungstaktik„, c’t 9/09
  • Die normative Kraft des frei erfundenen

    Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, wie selbst rational denkende Kritiker der drohenden Internetzensur die Propaganda ihrer Befürworter aufgesogen haben. So schreibt das geschätzte Scusiblog [1]Mitte April soll es mit der Internetzensur los gehen.„, scusiblog.org, 10.4.2009:

    Die Regierung glaubt wirklich 40.000 Zugriffe auf dokumentierten Kindermißbrauch im Monat mit dieser Maßnahme zu verhindern.

    Das darf man aber getrost bezweifeln. Die Fakten sind ausführlich untersucht worden. Die Regierung kann gar nicht glauben, sie könne Kindesmißbrauch verhindern. Selbstverständlich weiß sie auch, daß die Zahlen nicht stimmen, schließlich hat sie die selbst erfunden.

    Dem Gesetzgeber ist der freie Informationsfluß im Netz unheimlich. Man könnte das Internet als die erste große funktionierende Anarchie betrachten oder auch als basisdemokratischen Cyberspace mit Auswirkungen auf die Realwelt. Daß passt freilich nicht in das Konzept eines hoffnungslos überbürokratisierten Präventionsstaats, der im Wesentlichen bankrotten Banken gehört.

    Warum rettet der Staat eigentlich seine Gläubiger, bei denen er mit 1,5 Billionen in der Kreide steht? Wenn die hiesigen Banken weg sind, gründet sicher jemand neue. Da wird nun groß geschwafelt, was wir den nächsten Generationen für Schulden hinterlassen. Dabei haben die sicher keine Veranlassung, die zurückzuzahlen. Die nehmen eben neue Kredite auf, wie sie es von ihren Vorgängern gelernt haben. Der Staat als guter Schuldner wird allgemein überschätzt. Das Schneeballsystem ist noch jedes mal irgendwann zusammengebrochen. Üblicherweise werden dann die Schuldverschreibungen vernichtet und uneinsichtige Gläubiger gleich mit.

    Auf jeden Fall kann man allenfalls die Stimmen der Wähler gebrauchen, nicht aber Volkes Stimme. Der Bürger soll sich nicht in die Regiergungsgeschäfte einmischen, indem er mit geringstem Aufwand seine Meinung öffentlich macht, wie es im Netz möglich ist. Ein paar Verlage und Fernsehsender sind noch leicht im Zaum zu halten. Ettliche tausend Meinungsträger die einfach so ins Internetz schreiben könnten allerdings zum Problem werden. Also muß das Netz unter staatliche Kontrolle.

    In Deutschland ist das Netz aber, anders als in China oder den Vereinigten Arabischen Emiraten, ziemlich dezentral organisiert. Deswegen kommt die Zensur hier nicht direkt über das Innenministerium, sondern über Porno-Uschis Fruchtbarkeitsministerium. Das ist in der Volksmeinung immerhin noch einigermaßen unbelastet. Die „abstakte Bedrohungslage durch internationalen Terrorismus“ ist doch schon etwas abgenutzt. U.v.d.L. hat ihr Amt nicht inne, weil sie sechs Kinder gebar und ein weiteres adoptierte, sondern weil sie sehr genau weiß, was ihrer Karriere außerdem wirklich förderlich ist. Zum Beispiel der Zynismus [2]Zum Glück kennen manche noch den Unterschied zwischen Zynismus und Sarkasmus, Kindesmißbrauch als Grund für Zensur anzuführen.

    Man braucht wirklich nicht zu glauben, daß eine herausragende Kulturleistung wie das deutsche Grundgesetz gegenüber machtbesessenen Selbstdarstellern für immer Schutz bietet. Am Ende ist es doch nur ein Stück Papier, das das mit etwas Geschick aufgebrachte Volk mit größter Freude verbrennen wird, wenn man ihm nur eine Abwrackprämie dafür gibt.

    Auch das Internet als Störfaktor wird letzenendes maßlos überbewertet.

    [Update am 11.04.2009:]

    Daß der Schutz von Kindern vor Mißbrauch für die Apologeten geheimer Zenzur keine Rolle spielt, folgert übrigens auch der Heise-Verlag in seiner neuen Ausgabe von „c’t“ [3]Holger Bleich, Axel Kossel, „Verschleierungstaktik“, c’t, 9/09, auch online bei heise.de:

    [D]ann kann es nur um die Installation der Sperren selbst gehen. Das würde bedeuten, dass hier mit einem Vorwand eine geheime Liste eingeführt wird, die man nach und nach um weitere strafbare und unliebsame Inhalte erweitern kann.

    References
    1 Mitte April soll es mit der Internetzensur los gehen.„, scusiblog.org, 10.4.2009
    2 Zum Glück kennen manche noch den Unterschied zwischen Zynismus und Sarkasmus
    3 Holger Bleich, Axel Kossel, „Verschleierungstaktik“, c’t, 9/09, auch online bei heise.de
  • Salamitaktik

    MILANO - Food in Street Market (14)Wohlschmeckende Dauerwurst, wie etwa jene aus Ungarn, die unter dem Markennamen „Pick“  hierzulande vielfach angeboten wird, schmeckt am Besten, wenn sie dünn geschnitten serviert wird.

    Diese Binsenweisheit ist für Feinschmecker freilich keine Neuigkeit. Die Fleischereifachverkäufer zeigen sich aber vorwiegend als unzureichend instruiert. Ohne ausdrückliche Anweisung scheuen sie den Aufwand und neigen dazu, die gewünschte Menge in möglichtst wenige Scheiben zu teilen.

    Einige subalterne Salamiemmitenten erweisen sich sogar als durchtrieben genug, den Wunsch nach angemessen dünnen Scheiben damit zu quittieren, das Schneidegerät so einzurichten, daß nur noch unbrauchbare Fetzen dabei herauskommen, die der lästige Kunde kein zweites Mal zu bestellen wagen wird.

    Bestellen Sie ungarische Salami also gleich unmissverständlich in 1,2 bis 1,5 Millimeter breiten Scheiben. Halten Sie die Fachkraft aber ruhig dazu an, die Dicke weiterer Metzgereierzeugnisse neu zu verhandeln.

    [PS.: Weitere Aufschnittexperise bei Blue Sky]
    Creative Commons License photo credit: Ambrosiana Pictures

  • Der Gläserne Spiegel (2)

    Passend zu unserem Bericht über den ungewollten „Spiegel“ hat sich Thomas Knüwer die Nummer 10 angesehen und auf „Indiskretion Ehrensache“ ebenfalls gute Gründe aufgeschrieben, warum wir das Blatt auch weiterhin nicht mehr lesen mögen.

  • Der gläserne Spiegel

    Vermutlich aus lauter Verzweiflung über schwindende Abonnentenzahlen, schickt der „Spiegel“, in letzter Zeit gerne auch „das ehemalige Nachrichtenmagazin aus Hamburg“ genannt, seine Hefte schon unaufgefordert und kostenlos in unsere Redaktion.

    Post aus Hamburg im durchsichtigen Umschlag
    Post aus Hamburg im durchsichtigen Umschlag (Klick machts groß)

    Die Aufmachung spricht Bände. Das Heft kommt mit einem persönlich adressierten Begleitschreiben, eingeschweißt in durchsichtige Folie. Das hat den Vorteil, daß man die Sendung gar nicht öffnen muß, um zu lesen, was der Verlag uns schreibt. So erfährt zum Beispiel jeder, durch dessen Hände der Umschlag geht, daß wir die Hamburger Alarmismuspostille vor kurzem abbestellt hatten. Von dieser Art des durchsichtigen Briefumschlags mit ungefaltetem Inhalt dürfte Wolfgang Schäuble noch träumen, sie für den Postversand verbindlich vorzuschreiben. Der „Spiegel“ läßt aus dem Traum bereits heute Wirklichkeit werden.

    Jedenfalls schreiben die Herren Mascolo und Müller von Blumencron, daß sie noch zwei weitere Ausgaben schicken möchten und sehen darin eine Geschäftsbeziehung, die es rechtfertigen würde, uns auch noch telefonisch zu belästigen. Man möchte ja schließlich erfahren, warum wir das Blatt nicht mehr bestellen, heißt es. Offenbar vermag man sich in Hamburg nicht mehr daran zu erinnern, daß diese Frage bereits gestellt und auch beantwortet wurde.

    Zur Erinnerung: „Es ist eine Schande, wie das Augsteinsche Sturmgeschütz der Demokratie sich zur Pressestelle von Angela Merkel heruntergeschrieben hat.“ Mit diesen Worten haben wir versucht, der freundlichen Dame vom der Abonnenten-Telefon zu erklären, warum es nichts mehr werden wird, mit dem „Spiegel“ und uns.

    Man mag es als pluralistische Ausrichtung euphemisieren, wenn der „Spiegel“ abwechselnd Berichte über die Auswirkung von Mobilfunk bringt, die in der einen Ausgabe schwer gesundheitsgefährdend sein sollen, in der nächsten aber schon wieder völlig harmlos. Bei soviel Pluralismus bleibt dem Leser am Ende doch nur die Erkenntnis, daß man beim „Spiegel“ eben auch keine Ahnung hat, aber den Platz zwischen den Anzeigen vorsichtshalber trotzdem vollschreibt.

    „Wir wollen auf Sie als Leser nicht verzichten“, ist ja eine nette Formulierung, die die beiden Briefschreiber von der Brandstwiete sich da abgezwungen haben. Ob es nicht doch eher der Verzicht auf 182,- Euro per Anno ist, der die Herren so sehr schmerzt?  Vermutlich war unser Abonnement nicht das einzige, gekündigte.

    Zumindest glauben die beiden Chefredakteure, uns viel zu bieten zu haben. Zum Beispiel die Stirn, zu behaupten, „die großen Reportagen, die exklusiven Interviews und der investigative Journalismus sind seit jeher das Markenzeichen des SPIEGEL“.

    Da lachen ja die Hühner. In den letzen Jahrzehnten hatte ja wohl kein hoher Amtsträger oder Wirtschaftsmagnat Grund den Montag zu fürchten, weil er der Nation dann vom „Spiegel“ als untragbarer und korrupter Dünnbrettbohrer derart vorgeführt würde, daß er nur mehr seinen Hut würde nehmen können.

    Kein Wunder! In der Nummer 9 des „Spiegel“ gibt es gleich ein Kostprobe dafür, wo die investigativen Qualitätsjournalisten ihre Nasen (und wer weiß was sonst noch) hineinstecken: „Unternehmen Teppichluder“, kündet das Inhaltsverzeichnis von einem dreiseitigen Artikel auf Seite 62. Das Thema ist so, nun ja, heiß, daß im Inhaltsverzeichnis auch nocht Platz für ein Foto und folgenden Text zu finden war: „Sie ist zugleich Starlet, Geschäftsfrau und Markenartikel. Davorka Tovilo stolziert hauptberuflich über die roten Teppiche der Republik und zählt damit zum Personal einer Branche, die nach eigenen Regeln lebt: Schönheit ist das Kapital, produziert wird allein der Skandal — am besten durch Nacktheit.“ Die gibt es dann, wegen der Chronistenpflicht, auf dem Foto im Artikel zu bestaunen. So deckt man freilich nicht auf, wer mit wem prallgefüllte Schwarzgeldkoffer an Autobahnparkplätzen austauscht.

    Den ersten Skandal gibt es aber schon auf Seite 43 im Beitrag „DNA-Fahndung im Kühlregal“. Ein Großlieferant für Fleisch soll statt der vorgeschriebenen wenigstens 50 Prozent, womöglich nur 20 bis 25 Prozent Rindfleisch in sein gemischtes Hack gerührt haben, wie manche Leute behaupten. Er bestreitet dies, die Polizei weiß es nicht. Vielleicht wird aber, je nachdem, trotzdem irgendwann Anklage erhoben oder vielleicht auch nicht. Sicher scheint nur: Hier hat die Redaktion eineindrittel Seiten Platz verschwendet, die die Anzeigenabzeilung viel besser hätte verwenden können.

    Auf den linken zwei Dritteln der Seite 34 zankt sich Markus Feldenkirchen im (exklusiven?) Interview noch ein wenig mit Manfred Güllner, ob dessen Orakel von „Forsa“ mit seinen 18 Prozent für die FDP richtig liegen kann, wenn doch die „Forschungsgruppe Wahlen“ in ihrem Kaffesatz für die FDP gerade mal 12 Prozent zu finden vermag.

    „Vieles hat Ihnen, wie wir hoffen, gefallen. Manchmal werden Sie sich auch geärgert haben, Wie könnte es auch anders sein.“ Ja, der „Hohlspiegel“ hat uns oft unterhalten. Der Grundsatz, Islamtitel schwarz zu hinterlegen, war praktisch. War es dunkel im Briefkasten, sah man sofort, es steht wieder eine Islamophie-Ausgabe ins Haus. Hin und wieder hatte sich auch mal ein interessanter Essay in die weite Ödnis des Hefts verirrt. Geärgert haben wir uns eigentlich nie. Eher legten wir ein ums andere mal ermattet das Heft zum Altpapier mit der von Auflage zu Auflage schwindenden Hoffnung, es würde ab der nächsten vielleicht besser werden.

    Dabei fangen noch heute alle Artikel in etwa gleich an. „Donnerstagabend, kalt, aber trocken, die Geschäfte rund um die Münchner Bayerstraße machen gerade Feierabend …“ [1]Dialka Krahe, „Das Projekt Davorka“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.62ff, „Die Schlange geht um den halben Block, sie ist rund tausende Menschen lang. Viele haben tagelang gezeltet in der Innenstadt von Miami.“ [2]Thomas Schulz, „Tödlicher Kreislauf“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 68ff, „Da war es nochmal, am 15. Dezember: sein Lächeln. Das Alles-wird-gut-Lächeln. Das Thomas Middlehoff-Lächeln. Wie er bei der Bilanzpressekonferenz minutenlang die obere Zahnreihe blitzen ließ, da wirkte …“ [3]Jürgen Dahlkamp, Gunter Latsch, Jörg Schmitt, „Ein grandioses Geschäft“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09, S. 72ff, „Vollbärtig, braungebrannt und guter Laune kam Investment Banker …“ [4]Christoph Pauli, „Individuelle Anerkennung“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 89, „Die Religiösen mit langem Bart und ausladender Kopfbedeckung fuhren in großen Limosienen vor, wurden auf samtenen Fauteuils plaziert und von silbernen Tabletts bedient.“ [5]Susanne Koelbl , „Siegeszug der Taliban“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.104ff , „Es ist ein Trüber Februar in England, wieder ein Monat, in dem die Wirtschaft schrumpft und das Pfund schwächelt, wieder ein Monat in dem die Arbeitslosigkeit rekordschnell steigt.“ [6]Thomas Hüetlin, Mathieu von Rohr, „Land voller Angst“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.108ff, „Leicht gelblich, gleichsam einer Karotte wirkt seine Haut auf dem Foto in dem er mit offenem Hemdskragen die breite Stirn in Falten legt.“ [7]The Fellow Passenger, „Der gläserne Spiegel“, Fachmagazin für Halbwissen, 24.2.09

    Gut, eigentlich hatten Herr Mascolo und Herr Müller von Blumencron nur darum gebeten, „selbst zu prüfen“, ob es ihnen gelingen würde, für uns „das Blatt noch spannender zu machen“ und nicht, ob etwas von Belang drinsteht. Vielleicht kommen als nächstes noch Horoskope, die Lottozahlen und Diätvorschläge dazu, um den „Spiegel“ endlich so „spannend“ zu machen, wie die anderen Illustrierten.

    References
    1 Dialka Krahe, „Das Projekt Davorka“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.62ff
    2 Thomas Schulz, „Tödlicher Kreislauf“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 68ff
    3 Jürgen Dahlkamp, Gunter Latsch, Jörg Schmitt, „Ein grandioses Geschäft“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09, S. 72ff
    4 Christoph Pauli, „Individuelle Anerkennung“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S. 89
    5 Susanne Koelbl , „Siegeszug der Taliban“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.104ff
    6 Thomas Hüetlin, Mathieu von Rohr, „Land voller Angst“, Spiegel Nr. 9 / 21.2.09 S.108ff
    7 The Fellow Passenger, „Der gläserne Spiegel“, Fachmagazin für Halbwissen, 24.2.09