Kategorie: Vermischtes

  • Borscht mit B

    Nach dem Genuß ukrainischer Spezialitäten und erklecklicher Mengen passender geistiger Getränke wird Geschichte geschrieben.

    Nach ausgiebiger Prüfung der physischen und psychischen Belastbarkeit des designierten heiligen Vaters durch das wachsame Auge des Kardinalprodiakonates und des Zeremonienmeisters Leon, die wegen Minderjährigkeit von der Vodkaverkostung ausgeschlossen blieben, stieg der geheimisumwobende weiße Rauch auf.

    „Annuntio vobis gaudium magnum, habemus Papam! Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum Fellow Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Passenger qui sibi nomen imposuit Petrus II“, verkündete Kardinalprotodiakonin Tabea.

    Kardinalprotodiakonin Tabea
    In sakraler Stimmung kündigt Kardinalprotodiakonin Tabea das neue Pontifikat an.

    Dank des beispiellosen Einsatzes von Zeremonienmeister Leon, kam es diesmal bei der Deutung der Rauchsignale nicht zu Unsicherheiten.


    Zeremonienmeister Leon sorgt für die nötige Luftzufuhr.

    Papst Petrus II. bei der Anprobe des Ornats
    Papst Petrus II. bei der Anprobe des Ornats

    Nachdem der neue Papst Petrus II der versammelten Menge den apostolischen Segen Urbi et Orbi erteilte, war die Ernennung von Kardinal Jan K. zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre seine erste Amtshandlung.
    Kardinal K. nimmt Schwester R. die Beichte ab
    Kardinal K. nimmt Schwester R. die Beichte ab

    Die Glaubenskongregation müsse sich endlich wieder auf ihre urspünglichen Aufgaben besinnen, begründete er seine Entscheidung. Deshalb sei es ebenfalls nötig, daß die Glaubenskongregation künftig wieder unter ihrem früheren Namen „Die Römische Inquisition“ firmiert, erklärte der Heilige Vater weiter.

    Ferner kündigte er weitreichende Reformen an. So solle beispielsweise die Oblate als Symbol für den Leib Christi schon bald durch herzförmige Schokoladentäfelchen abgelöst werden. Die heilige Messe müsse den Gläubigen endlich in zeitgemäßer Form schmackhaft gemacht werden.

  • Von so viel Ignoranz wird mir ganz schlecht

    Schon wieder ein Rechtschreibthema! Dabei bin ich doch sicher keine Kapazität auf diesem Gebiet. Munter rechtschreibfehlere ich so vor mich hin, schäme mich, wenn ich dabei ertappt werde und huldige stets der präreformatorischen Schreibweise. Die zu erlernen war mir schwierig genug und mein beginnender Altersstarrsin hindert mich daran, davon abzuweichen.

    Stur weigere ich mich, „wohl verdient“ zu schreiben, wenn ich „wohlverdient“ meine, weil ich glaube, daß „vermutlich erarbeitet“ und „angemessen“ nicht dasselbe bedeuten kann.

    Rechtschreibung hin oder her, verstehe ich nicht, warum ich dauernd von „Ignoranz“ lesen muß, wenn der Autor offensichtlich Gleichgültigkeit“ meint. Zum Beispiel bei Telepolis:

    Doch etwa der Widerspruch zum Irak-Krieg 2003, der ihn in Konflikt mit US-Präsident George W. Bush brachte, verstellt den Blick dafür, dass Johannes Paul II. gerade mit diesem weltlichen Führer, mit seinem Sendungsbewusstsein, seiner Ignoranz für Andersdenkende, seinen durch keinen Zweifel und kein Argument zu erschütternden weltanschaulichen Positionen viel verband.

    oder auch in der FAZ.NET:

    Davon unbeschadet verdient das Reformpaket Annans Anerkennung: weil es die Mängel dieser Organisation nicht verschweigt, weil es sich weder scheut, Widersprüche auszusprechen, noch Fehlverhalten (Ignoranz von Völkermord) und Fehlentwicklungen (Menschenrechtsverletzer in der Menschenrechtskommission) anzuprangern.

    Anscheinend sind diese Autoren selbst von Ignoranz befallen. Dabei könnten sie diesen Zustand leicht ändern, wenn sie nur nicht ausgerechnet eines Ihrer wichtigsten Handwerkszeuge, den Duden ignorieren würden. Darin steht nämlich — im alten wie im neuen — was Ignoranz bedeutet: Dummheit, Unwissenheit.

  • Sportlicher Biergartenbesuch

    Das Frühlingswetter und der Vorschlag einer Freundin trieben mich in den Biergarten. Die Kieselsteinchen auf den Straßen hat die Stadtreinigung zusammengefegt. Endlich wieder Inlineskates-Fahren! Genüßlich eine kühle Radlermaß trinken und dazu Obazda mit Breze essen. Vielleicht auch ein indisches Joghurt-Gemüse-Gericht, dessen Namen ich mir nicht merken kann. Wunderbar!

    Doch was ist das? Die Meteorologen kündigen Regen an. Auf nassen Wegen ist nicht gut skaten, weil die Rollen dauernd seitwärts wegrutschen, außerdem muß man danach die Kugellager auseinanderbauen, säubern und neu schmieren, weil sie sonst rosten. Kurzentschlossen verlegen wir unseren Biergartenbesuch in den „Wintergarten“ am Elisabethmarkt. Da ist auch ein Biergarten und es ist näher. Viel näher sogar. Genauer gesagt ist es keine 100 Meter von der Redaktion des Fellow Passenger entfernt. So viel zum Sport.

    Der kleine Biergarten ist nett, der Kellner auch. Er scheut allerdings, meiner Begleitung die schwierige Entscheidung „Apfel- oder Orangenschorle“ abzunehmen. Freie Entfaltung in der Ausübung seines Berufes schade ihm, erklärt er. Schweren Herzens serviert er schließlich Apfelschorle.

    Es wird schnell ziemlich kalt draußen. Also gehen wir rein. Der Kellner serviert, jetzt etwas mutiger, Orangensaftschorle. Der Lärmpegel macht die Unterhaltung schwieriger. Mit schriller Stimme und agressiven Gebärden brüllt ein Äthiopier an der Theke wieder und wieder, „Ich bin ein Bayer!“

    Meine Begleitung berichtet von ihrem Urlaub in Goa. Von idyllischen Plätzen, herzlichen Gastgebern und friedlich kiffenden Gästen erzählt sie. Sie schwärmt, wie angenehm entspannt ihr Lebensgefährte, mein langjähriger Freund, dort war.

    Der äthiopische Bayer präzisiert indessen mehrfach und lautstark, „Ich bin ein Münchner! Ich bin ein Schwabinga!“

    Unser Gespräch geht weiter. Eine Münchner Agentur suche einen Senior Art Director, sagt Sie. Ob sie sich schon beworben habe, fragte ich. Ich sei wie Ihre Mutter, schimpft sie. Ob sie die Stelle denn interessiere, korrigiere ich meine Frage. Ja, sagt sie, als sich Daniel, ein Freund des „Schwabingas“ zu uns gesellt. Der Papst sei gestorben erklärt er auf englisch, und fragt, wer der Nachfolger werden würde. Macht Vorschläge. Der da hinten im Eck mit dem weißen Zwirbelbart? Du, ich? Ich nicht, kontere ich, denn der Papst müsse Katholik sein. Ob ich Protestant sei, will er wissen. Ich sei überhaupt nicht religiös, erkläre ich. Das gefällt ihm. Er fragt meine Begleitung, ob sie englisch verstehe. Sie bejaht, gibt zu erkennen, daß sie Amerikanerin ist.

    Daniel, der zweite Äthiopier im Wintergarten erzählt, er habe in Russland Mikrobiologie studiert. Es sei immer kalt gewesen. Minus 20 Grad Celsius. Dort würden deshalb unglaubliche Mengen an Vodka verzehrt. Mir viel ein, daß Konrad Adenauer deswegen vor einer Verhandlung mit Krustschow Öl getrunken haben soll, um nicht vorzeitig vom Stuhl zu kippen. Daniel kennt diese Geschichte und freut sich. Er will wissen, ob ich Russisch verstehe. Ich weise auf meine Begleitung und sage, sie könne Russisch. Sie unterhalten sich eine Weile. Alles was ich verstehe ist, „Njet, njet, njet!“

    Sie bekommt einen Anruf von Ihrem Freund, er muß aufs Klo. Zu mir gesellt sich der „Schwabinga“. Wortreich erklärt er, daß Schwarze immer wieder diskriminiert werden. Ich verstehe ihn nur schlecht. Er wirkt etwas niedergeschlagen, manchmal kämpferisch provokativ. Vor allem ziemlich betrunken. Man solle lieber an Gott als die Kirche glauben, sagt er. Ich gebe ihm recht. Er glaube nur an was er sehe und an sich selbst. Das sei auch gut so, sage ich ihm.

    Meine russisch-amerikanische Münchnerin kommt wieder an den Tisch und klagt, darüber daß Ihr Freund sie nicht mit dem Auto abholen möchte. Ich hätte zuweilen auch keine Lust, daß Haus zu verlassen sage ich. Zu Fuß bräuchte ich zu ihm 20 Minuten, auf Skates wäre sie leicht in 10 Minuten dort. Sie antwortet, sie wisse nicht ob sie ihn sehen wolle. Er sei nicht mehr so entspannt, wie im Urlaub. Die Alltagsroutine hole einen eben schnell wieder ein, denke ich laut.

    Daniel und sein Freund wollen gehen, verstricken sich aber mit einem älteren Herren an der Theke in ein Gespräch über Begrüßungsrituale. Ich fühle mich bereits durch zwei halbe Radler und ein Helles geschwächt und möchte heim. Sie hat sich entschlossen zu ihrem Freund zu skaten. Wir zahlen und brechen auf.

    Geregnet hat es übrigens nicht.

  • Abgrund Internet

    Das Internetz ist der Hort des absolut Bösen. Dort verabreden sich Terroristen und Kinderschänder. Betrüger aus Nigeria winken per E-Mail mit virtuellen Millionen, um reale Tausender abzukassieren. Unaufhöhrlich schwappt digitaler Werbemüll in die elektronischen Postfächer. Heimtückische Dialer-Programme verursachen horrende Telefonrechnungen. Kriminelle heischen unter falschem Namen nach den Kennwörtern für Bankgeschäfte. Ungeschoren verstoßen zwielichtige Gestalten gegen deutsche Gesetze, indem Sie ihre Machenschaften kurzerhand auf ausländische Server verlegen.

    Diesem Sodom und Gomorrha im Cyperspace muß endlich Einhalt geboten werden! Wir brauchen ein wirksames Internetzgesetz. Der Zugriff auf ausländische Angebote muß unterbunden, oder zumindest über eine amtlich verwaltete Positiv-Liste eingeschränkt werden. Weiterhin müssen Internetzangebote innerhalb Deutschlands vor der Veröffentlichung von amtlicher Seite geprüft werden. Unablässig ist eine Kontrolle durch die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Schriften und das Bundesamt für Verfassungsschutz. Zu empfehlen wäre, wegen der Gefahr von Verstößen gegen bestehende Softwarepatente, ebenfalls eine Genehmigungspflicht gegenüber dem Europäischen Patentamt.

    Während China ein ähnliches Modell längst umgesetzt hat, zeigt die Bundesrepublik praktisch keine Handlungsbereitschaft. Selbst Tunesien darf hier als Vorreiter gelten. Dabei steht nicht weniger auf dem Spiel als die innere Sicherheit.

  • Big Papa Show

    Der Pope-Contest 2005 findet in der total chilligen Sixtinischen Kapelle statt. Die liegt in der Vatikanstadt. Das ist ein eigenes Miniland und liegt in Rom, der Hauptstadt von Italien. Ein bißchen so wie Monaco in Frankreich.

    117 Kandidaten werden zwischen dem 17. und 22. April antreten, und alle ihr Bestes geben. Katholisch sind sie alle, aber wer von den sympathischen Boys wird die Herzen der anderen erobern? Girls dürfen übrigens leider nicht mitmachen.

    Italiens Liebling ist eigentlich Camillo (74), der gerne mal was neues ausprobiert. Angelo aus aus Venedig mit den wuscheligen Haaren ist auch super süß. Er ist aber erst 63 Jahre alt und kann darum nur Papst werden, wenn seine Eltern es erlauben. Ganz weit vorne im Rennen ist auch Giovanni (71), dessen Urgroßvater Re mal Gott in Ägypten war. Genauso alt ist Dionigi aus Mailand, den alle auf den Arm nehmen, weil er so abstehende Ohren hat.

    José (69) aus Portugal, der gerne Anzugjacken zum Stehkragenhemd trägt, möchte in der Kirche gerne vieles ganz anders machen. Joseph (77) aus Deutschland würde lieber alles so lassen wie es ist. Manche finden ihn komisch, weil er immer so dicke Augenringe hat. Aber er feiert die Feste eben wie sie fallen.

    Juan Luis (61) aus Peru will sich, wenn er gewinnt, erst mal eine neue Brille mit entspiegelten Gläsern kaufen. Die beiden Brasilianer Cláudio (70) und Geraldo (71) streiten sich immer beim Monopoly. In Wirklichkeit sind sie aber dicke Freunde.

    Ivan (68) kommt gar nicht aus Russland, sondern aus Indien. Im katholischen Fernsehen ist er aber Profi. Er arbeitet schon seit 36 Jahren für den Vatikan und kennt Gott und die Welt.

    Das Nesthäkchen ist Peter Kodwo aus Ghana. Er ist erst 56. Er findet, es ist Zeit für einen schwarzen Papst. Wenn es diesmal nicht klappt, will er Basketball-Profi werden. Francis (72) ist auch schwarz und rechnet sich bessere Chancen aus, schließlich ist er immerhin seit zwei Jahren volljährig und hat schon einen Führerschein der Klasse 3 (Anm. d. Red.: Entspricht heute B, BE, C1, C1E).

    Es wird eine echt spannende Wahl, weil wirklich alle Kandidaten das Zeug zu einem Star haben. Aber Papst darf eben nur einer werden. Die Kirchenprofis nennen dieses Casting Konklave. Gemein: Während des Konklaves haben alle Kandidaten absolutes Handy- und Fernsehverbot. Die haben voll altmodische Spielregeln. Darum darf dabei auch niemand zuschauen. Obwohl alles so geheim ist, könnt ihr aber hier voten, wer als erster rausfliegen soll.

  • Zustand der „Zeit“ kritisch

    Harald Juhnke, Terri Schiavo und der Papst sind tot. Für Fürst Rainier besteht kaum mehr Hoffnung. Wie aber steht es um „Die Zeit“? Der Zustand ist auf jeden Fall kritisch. Deutlich sind Anzeichen von Demenz zu erkennen. So prangt auf der Titelseite der Online-Ausgabe diese Umfrage:

    Abstimmung auf der Zeit-Seite

    Hilflos steht auch der Leser dieser unangenehmen Situation gegenüber. Einerseits peinlich berührt, andererseits pflichtbewußt nimmt er an der Abstimmung teil, kann sich aber nicht recht entscheiden, wie er antworten soll:

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  • Fellow Passenger Preisrätsel

    Jeder kennt diese eigenartigen senkrechten Striche, die praktisch auf jedem Produkt das man kaufen kann, zu finden sind. Wer aber kann sie lesen?

    EAN-Barcode

    Wer als erster herausfindet, welches Produkt dieser EAN-Barcode kennzeichnet, gewinnt. Als Preis winkt ein Exemplar davon.

    Zuschriften bitte als Kommentar zu diesem Artikel.

  • Frühjahrsdiät

    Der Fühling naht. Pünktlich mit der Blüte der ersten Krokusse keimen auch Empfehlungen für Frühjahrsdiäten in nahzu sämtlichen Zeitschriften, die sich an weibliche Leser richten: Brigitte hat die Frühjahrsdiät, zur Traumfigur verhilft Freundin, Amica teilt ihre Leserinen per Online-Rechner sogar in Apfel oder Birnenform ein. Gerade so, als seien ein, zwei zusätzliche Kilo durch winterlichen Bewegungsmangel, eine krankhafte Fehlentwicklung, der nur durch eine strenge selbstauferlegte Mangelernährung beizukommen wäre.

    Dabei schwindet der Winterspeck von ganz alleine, es sei denn, Sie machen eine Diät. Dann verlieren Sie die „überflüssigen Pfunde“ auch, aber durch ebenso überflüssige wie qualvolle Entbehrungen. Außerdem bekommen Sie das Fett dann nicht erst im Herbst zurück, sondern schon wenige Wochen nach der Diät, und das gleich mit Zins und Zinseszins.

    Den Zeitschriftenverlegern gefällt das, weil Sie dann auch das nächste Heft mit dem ganz neuen Artikel über den ganz alten „Jo-Jo-Effekt“ kaufen und die nächste Diät antreten.

    Wenn Sie nicht im medizinischen Sinne bedenklich Übergewichtig sind, sondern diätieren, weil Sie glauben, Ihre Paarungsausichten dadurch verbessern zu können, überlegen Sie, wie schmackhaft Sie erscheinen mögen, wenn Sie auf eine Einladung zum Essen mit den Worten reagieren, „Ich würde herzlich gern, aber ich darf diese Woche nur Ananas essen“.