Kategorie: Vermischtes

  • Macht Sinn

    Eigentlich ergibt dieser Ausdruck, „etwas mache Sinn“, gar keinen Sinn. Eine Überlegung oder eine Handlung hat entweder Sinn oder eben auch nicht. Auf keinen Fall kann sie Sinn erzeugen. Woraus sollte Sinn eigentlich hergestellt werden?

    Schon das Verb „machen“ selbst ist ja etwas unglücklich gewählt. Ein Kind macht in die Hose, der Ängstliche wird aufgefordert, sich nicht ins Hemd zu machen. Ein Euphemismus für die Absonderung von Stoffwechselendprodukten also. Kein Wunder, daß mich die Aussage eines Wahlplakates nicht überzeugen konnte, in dem gar versprochen wurde, der beworbene Kandidat mache Sinn.

    Zwar findet sich dieser Terminus längst auch im Duden, sogar schon viel länger als die Auswüchse der Rechtschreibreform, aber vor zehn Jahren gab es ihn noch nicht. Er kam erst in unserern Sprachgebrauch, als Fotomodelle plötzlich Namen hatten und Interviews geben durften. Zu der Zeit fand man es nämlich chick, sich seiner Muttersprache nur mehr bruchstückhaft erinnern zu können, um zu unterstreichen, wie überaus kosmopolit man ist. Damals hat man aber offenbar versäumt, „das macht Sinn“ unter der Kategorie Falsche Freunde abzulegen.

    Sprache lebt. Sie wandelt sich im Lauf der Zeit. Immer wieder wird sie durch Begriffe aus anderen Sprachen bereichert. Was könnte man statt Hightech schon schöneres sagen? Vielleicht wird das Handelsbilanzdefizit eines Tages vom Trade Gap abgelöst. Umgekehrt könnte der Amerikaner statt Cell Phone ja irgendwann auch Handy sagen. Oder Mobile, wie der Engländer. Der Spanier könnte sich auch davon trennen, das warme Würstchen in der Semmel (Brötchen für Nicht-Bayern), verbissen Perro Caliente zu nennen und stattdessen einfach von einem Hot Dog sprechen.

    Aber den deutschen Wörtern aus Mangel an Kenntnis der englischen Sprache englische Grammatik aufzupflanzen, wirkt einfach nur ungelenk. Es ist wie Sinn machen.

  • Darwins Alptraum

    Darwins Alptraum ist ein Film über Kapitalismus. In den 60er Jahren setzt jemand einige Nilbarsche im Viktoriasee aus. Der Raubfisch frisst alle anderen Fische auf und vermehrt sich so rasant, daß Tansania nun täglich 500 Tonnen Fischfilet nach Europa exportiert. Dabei wird das Land von einer Hungersnot nach der anderen heimgesucht. Reis gibt es nur, wenn es genug regnet und der Fisch bleibt den Exporteuren vorbehalten.

    In verwackelten Bildern zeigt Regisseur Hubert Sauper die Beteiligten. Dabei verzichtet er völlig auf eigene Erklärungen. Selbst die Fragen, die er den gezeigten Personen stellt, sind kaum zu hören. So erzählen uns eben die Einheimischen, wie Kapitalismus aus ihrer Sicht funktioniert. Sie dürfen arbeiten und verhungern, um uns ihre Rohstoffe zu erschließen. Damit das auch in Zukunft so bleibt, liefern wir ihnen die Waffen, die nötig sind, um die Bürgerkriege am Laufen zu halten.

    Der Film erzählt also nichts neues. So sagt Sauper über seinen Film denn auch, „Darwin’s Nightmare könnte ich in Sierra Leone erzählen, nur wäre der Fisch ein Diamant, in Honduras eine Banane, und in Angola, Nigeria oder Irak, schwarzes Öl.“

    Das Elend in Bildern vorgeführt zu bekommen, ist allerdings beklemmend.

  • 17. Bundesland

    Wenn man so prominente beliebte Blogger wie Kathleen interviewt, bekommt man natürlich viel virtuellen Besuch aus aller Herren Länder.

    Etwas verwirrend fand ich allerdings das hier:
    Besucher aus Texas, Deutschland

    Das es fünf „neue“ Bundesländer gibt, weiß ich ja, aber ich dachte, das wären Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thürigen. Aber jetzt Texas? Sollte Deutschland da unbemerkt Teile der USA annektiert haben? Im Zuge der Globalisierung halte ich ja nichts mehr für unmöglich.

  • Frauen!

    Es wird wieder Fühling. Die Sonne scheint, die Pflanzen knospen. Kurz: es ist Paarungszeit. Für euch ist es ja einfach. Ihr hüpft im bauchfreien T-Shirt umher und versprüht beiläufig ein paar Pheromone, die Männergehirne kurzerhand in Magerquark verwandeln.

    Im Gegenzug versuchen wir, mit unserem sozialen Status zu prahlen. Wir wedeln mit unseren dicken Brieftaschen, versuchen euch mit teuren Autos zu beeindrucken oder machen uns auf gar noch schlimmere Weise lächerlich. Dabei habt Ihr eure Auswahl längst getroffen. Das ist doch entwürdigend!

  • Limmerick I

    Es gibt da so Leute aus Bayern
    die können den ganzen Tag Feiern
    Am Abend trinkt ein jeder fünf Maß
    von dem golden schimmernden Naß
    und am Morgen danach geht es zum Reiern

  • Zivilisation nicht wetterfest

    Heute wird meine Großmutter 91 Jahre alt. Eigentlich sollte ich diesen Beitrag aus Erlangen schreiben, wo sie lebt. Doch es hat heute geschneit. Deswegen konnte niemand sich auf der Autobahn 9 nach Norden bewegen. Auch nicht der 15 Jahre alte Peugeot 405 mit unserer kleinen Reisegruppe, bestehend aus Sohn, dessen Freundin, ihrer gemeinsamen Tochter, die meine nicht mehr ganz so kleine Schwester ist, und mir.

    Unsere Zivilisation hat es geschafft, den Begriff „Halbschwester“ hervorzubringen. Dabei ist er vollkommen idiotisch, denn meine Schwester ist vollständig. Sicher fühlt sie sich selbst gerade etwas unvollständig, weil Ihr Lebensabschnittspartner sie kürzlich verlassen hat. Aber das kann damit wohl kaum gemeint sein.

    Gegen schlechtes Wetter hat unsere Zivilisation hingegen kein Rezept. Da schafft man es in fünf Stunden nur von München die 60 Kilomenter bis zur Holledau und zurück, vorausgesetzt man hat Schneeketten.

    Sonst sitzt man fest und kann nur auf besseres Wetter hoffen. Bei den Fahrern der gestauten Autos war dafür das Rote Kreuz. Bei unserer Oma war leider niemand.

  • Endlich! Der Link zum Horror Vaccui

    Sehen Sie selbst das Grauen mit eigenen Augen! Kommen Sie! Fühlen Sie das beklemmende Gefühl der Leere.

  • Eisig

    R. sitzt auf Goa und verkauft Ihre münchner Bücher per Amaz*n-Gebrauchtbuchandel. Beneidenswert. Weil ich Ihren Wohnungsschlüssel habe, musste ich heute eines über Yoga holen, eintüten und zur Post bringen.

    Eiskratzender Feuerwehrmann auf der LeiterAls ich die Georgenstaße entlanglief, fiel mir eine ganz schöne Menge ziemlich großer Eisbrocken vor die Füße. Ich überlegte, was so passieren würde, wenn mir so eine Ladung auf den Kopf fällt. So schlimm würde es schon nicht sein. Jedenfalls habe ich noch nie gehört, daß jemand auf diese Weise zu Tode gekommen wäre.

    Feuerwehrmann vor kaputtem AutoAuf dem Rückweg bemerkte ich ein ansehnliches Aufgebot an Polizei und Feuerwehr vor dem Haus Nummer 132 der Schellingstraße. Dort hatten nämlich solche Eisbrocken die Heckscheibe eines Autos durchschlagen. Der Gehsteig war gesperrt, weil die Feuerwehr gerade das restliche Eis vom Dach des Gebäudes angelte.

    Ich glaube, ich gehe lieber auf der Staße als auf dem Gehweg. Das ist nicht so gefährlich.

  • about:blank

    Mir dräut ein horror vaccui. Seit über 48 Stunden habe ich nicht gebloggt. Mit jeder Stunde wächst der Druck schreiben zu müssen. Aber was?

    J. W. v. Goethe pflegte bereits beschriebene Seiten in seine leeren Notizbücher zu legen, um diese Situation zu vermeiden. Etwas, woran er sich beim Schreiben festhalten kann. Das Phänomen ist also keineswegs neu. Bis dato aber ungelöst, zumindest für mich.

    Dabei ist mein Kopf umschwirrt von so vielen Gedanken. Allein über welchen ich schreiben soll kann ich mich nicht entscheiden. Sie passen ja auch alle nicht so recht zusammen. Über Politik oder das, was unser Bundestag so macht könnte ich Bücher füllen. Aber das Thema ist so frustrierend, daß ich so ein Buch vermutlich nichteinmal selbst würde lesen wollen.

    Ich verbringe gerade viel Zeit, Interviews mit anderen Bloggern vorzubereiten, die ich hier gerne veröffentlichen möchte. Dabei war ein erstes Vorbereitungsgespräch am Telefon überaus kurzweilig. Darüber mag ich aber vorab nicht schreiben.

    Gestern habe ich mir endlich auch eine Digitalkamera gekauft. Jetzt frage ich mich, wie ich ein Foto von ihr machen kann, um es der Welt zu zeigen. Brauche ich für mein Blog eine zweite? Natürlich könnte ich eine meiner Kleinbildkameras dafür verwenden. Aber meine bisherige Lieblingskamera habe ich einer Freundin geliehen, die derzeit auf Goa weilt.

    Überhaupt sind ja alle weg. Meine Mitbewohnerin in Thailand. Der erste und bislang einzige Mann, der mir einen Knutschfleck auf den Hals machen durfte mit ihr. Keiner hat Kinder, trotzdem machen alle gleichzeitig Urlaub.

    Aber ich werde mich rächen! Im Solarium nämlich. Dort werde ich mich rösten, auf das sie mich nicht triumphierend als Mehlwurm bezeichnen können.

    Mehr habe ich für heute nicht zu sagen.