Kategorie: Misswirtschaft und Politiktheater

  • Deutsche, schaut deutsches Internet!

    We Need Freedom Of Speech!
    Creative Commons License photo credit: Youssef Hanna

    Nach dem unsäglichen Hickhack, ob eine Internetkinderpornoblockade nach dem Ermessen des BKA mit oder ohne rechtliche Grundlage erfolgen soll, lässt Justizministerin Simone Zypries endlich die Katze aus dem Sack. Wer gutgläubig oder hoffnungsfroh genug war, ihre öffentlich geäußerten Bedenken gegen die Zensur im Netz, wie Ursula von der Leyen sie plant, als Plädoyer für Rezipientenfreiheit zu deuten, mag enttäuscht sein. Die diffuse Formulierung Zypries [1]„Zypries stemmt sich gegen Vertrag zu Kinderporno-Sperren“, heise.de, 15.03.2009 ließ im Grunde erkennen, daß es nur darum geht, das Unrecht von einem im Zweifel ungültigen Vertrag in ein im Zweifel verfassungswidriges Gesetz zu gießen.

    Die Maske ist gefallen, das Totschlagargument, wer Kinder schützenswert fände, dürfe der Zensur, die nur Blockade genannt werden soll, nicht widersprechen, ist vom und die Wahrheit auf dem Tisch: „Wie können wir verhindern, dass deutsche Internetbenutzer auf ausländische Seiten gehen“, sei die Frage, sagte Zyrpies diesen Morgen [2]„Justizministerin beharrt auf Gesetz zu Internet-Filterung“, heise.de, 25.03.2009.

    Die Antwort ergibt sich eigentlich von selbst: In fünf Jahren gibt es in Deutschland nur noch De-Mail [3]„Regierung plant sichere „De-Mail““, taz.de, 18.11.2008. In diesem Projekt ist längst zu viel Geld verbrannt worden als das man es vernünftigerweise sterben ließe. Wer dort als Anbieter auftreten will, wird sich abschreckend hohe Gebühren leisten müssen und sich auf genehme Inhalte beschränken, oder draussen bleiben.

    References
    1 „Zypries stemmt sich gegen Vertrag zu Kinderporno-Sperren“, heise.de, 15.03.2009
    2 „Justizministerin beharrt auf Gesetz zu Internet-Filterung“, heise.de, 25.03.2009
    3 „Regierung plant sichere „De-Mail““, taz.de, 18.11.2008
  • Sozialistische Medienvielfalt im Netz

    Eine goldene Regel des Journalismus sagt, ehe man einer Nachricht glauben darf, muß man sich zuerst aus verschiedenen Quellen darüber informieren. Dank Internet ist das heute einfacher denn je. Ein Recherchebeispiel in drei Bildern:

    Nachrichten bei web.de
    Quelle: Eigenes Bildschirmfoto
    Nachrichten bei GMX
    Quelle: Eigenes Bildschirmfoto
    Nachrichten bei 1&1
    Quelle: Eigenes Bildschirmfoto

    Man fragt sich warum die Papierzeitungen immernoch bei „Bild“ abschreiben. Das ist doch völlig ineffizient.

  • Warum Staat und Kirche sich nicht trennen wollen

    Möglicherweise hat das brustbehaftete Kanzlerwesen Merkel angenommen, wer die Mitgliedsbeiträge für die beiden größten deutschen Weltanschaungsvereinen eintreibt, könne dadurch diesen vorschreiben, welche Mitglieder sie aufnehmen dürfen und vor allem auch welche nicht. Ein peinlicher Irrtum, denn Merkel wurde zum Vereinsvorsitzenden der Katholischen Kirche, Joseph Ratzinger, gar nicht erst vorgelassen [1]„Merkel fordert Klarstellung vom Papst“, Tagesschau, 03.02.2009. Das verwundert nicht, denn weder trägt sie Röcke, wie es sich aus Sicht Josephs neuer Freunde geziemt, noch hat sie sich endlich von diesesen evangelischen Sektierern losgesagt, die die Stirn haben, den Pontifex nicht als als das weltliche Oberhaupt des gesamten Christentums anzuerkennen.

    Da hätte das Merkel viel besser ihren Bundesinnenminister geschickt. Ratzinger hätte aus seiner Zeit in der er der Kongregation für die Glaubenslehre, der Nachfolgeorganisation der Römischen Inquisition [2]„Kongregation für die Glaubenslehre“, Wikipedia vorstand viel leichter Anknüpfungspunkte gefunden, bei einem Mann, der öffentlich erklärt, „Einen Rechtsstaat macht aus, dass Unschuldige wieder freikommen“. So klingen die Worte eines überzeugten Großinquisitors. Da mag ihm verziehen werden, daß auch er evangelisch ist.

    Nachdem es sich aber so nicht ereignet hat, wäre es mal wieder an der Zeit, zu überlegen, ob man in der Frage der Trennung von Kirche und Staat, nicht endlich reinen Tisch machen soll. Das, was der Artikel 4 des Grundgesetzes [3]Art. 4 GG, dejure.de verlangt. ist in Deutschland bei weitem nicht umgesetzt.

    Nicht nur, wie eingangs erwähnt, sind die christlichen Kirchen die einzigen Weltanschauungsvereine, deren Mitgliedsbeiträge durch den Staat eingezogen werden. Moslems, Juden, Hindus, Buddhisten müssen also selbst sehen, wie ihre Glaubensklubs zu Geld kommen.

    Auch hilft es einem rational denkenden Menschen nicht, einfach keine Kirchensteuer bezahlen zu müssen. Sobald er arbeitslos wird, wird sie ihm, „der Einfachheit halber“ trotzdem abgezogen.

    Da Bischöfe zumindest in Bayern schon seit 1924 nicht über die Kirchensteuer bezahlt werden, sondern direkt aus der öffentlichen Hand, hat der Deutsche Bürger keine Wahl, als die Kirchen finanziell zu unterstützen. Mit völliger Selbstverständlichkeit verbreiten an unseren Schulen Religionslehrer den wahren, also christlichen Glauben, werden aber für ihre Missionarstätigkeit nicht von der Kirche bezahlt, sondern vom Kultusministerium.

    Bei Ihrem Antrittsbesuch in Castel Gandolfo hat das Merkel dem Papst erzählt, „… dass wir eine europäische Identität in Form eines Verfassungsvertrages brauchen und … dass der Bezug auf das Christentum, der Gottesbezug aus unserer Sicht ein sehr wesentlicher Teil sein sollte“ [4]„Merkel zu Privataudienz beim Papst“, Tagesschau, 28.08.2006.

    Diese Aussage macht deutlich, daß Staat und Kirche durchaus daran festhalten werden, gemeinsame Sache zu machen, solange es sich um den wahren und richtigen Glauben handelt und nicht etwa Islam, Judentum, Hinduismus oder Buddismus.

    Kirche und Staat werden sich aber auch deswegen nicht entflechten lassen, weil Politiker und Kleriker einem gemeinsamen dogmatischen Denkmuster folgen. Es lautet: „Was gut und richtig ist, bestimme ich.“ Lästige Fakten, wie sie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages immer wieder herausarbeitet, dienen allein dafür, zu demonstrieren, mit welch moderner Milde man heute mit Ketzern umgeht. Die Gutachten und Gutachter werden nicht mehr am Scheiterhaufen verbrannt, sondern einfach ganz unblutig ignoriert.

    Dabei würde sich ein Blick ins benachbarte Frankreich lohnen. Dort leben so viele Anhänger unterschiedlichster Glaubensrichtungen, daß unser Deutsches Modell dort unverzüglich scheitern würde. Der Laizistische Staat aber, hat sich in Frankreich längst bestens bewährt [5]„Laizismus in Frankreich’“, Wikipedia. Nachdem im Einwanderungsland Deutschland längst nicht mehr nur Christen die Mehrheit bilden, wäre es höchste Zeit, Frankreich in dieser Angelegenheit zu folgen.

    References
    1 „Merkel fordert Klarstellung vom Papst“, Tagesschau, 03.02.2009
    2 „Kongregation für die Glaubenslehre“, Wikipedia
    3 Art. 4 GG, dejure.de
    4 „Merkel zu Privataudienz beim Papst“, Tagesschau, 28.08.2006
    5 „Laizismus in Frankreich’“, Wikipedia
  • Mit Internetsperren durch das Brett vorm Kopf

    Man möchte sich regelmäßig erstaunen, wenn nicht gleich übergeben, wie die unerträglich geistlosen Regenten der Republik sich in die Bresche werfen, bewährte Gesetzgebung gegen irrationale, ja wahnwitzige Moraldoktrin zu ersetzen. Kaum einen Lebensbereich möchten die indolenten Kahlschläger der Demokratie verschonen.

    Als hätte die Sozialhilfe vor ihrer Konversion zum ubiquitären Druckmittel gegen Arbeitslose und solche die es jederzeit werden könnten, je einem ein sorgloses Leben ermöglicht, geiferte schon 2006 Arbeitsminister Müntefering unter Schröder, „nur wer arbeitet, soll auch essen“ [1]Katharina Schuler, „Arbeiten fürs Essen“, Zeit Online, 10.5.2006. Eine Impertinenz für die sich jeder Wähler bis heute nur in Grund und Boden schämen kann, was freilich die damals Schröder noch wohlgesonnene „Bild“ zum Anlass nahm, Neid gegen die Armen zu schüren und dies bis heute weiter zu treiben [2]Autor nicht genannt, „Hartz-IV-Betrügerin zockte 30000 Euro vom Staat ab“, bild.de, 19.09.2008 als hätten sie etwas, um das man sie beneiden könnte. Daß Kindergeld von der Sozialhilfe abgezogen wird, erwähnt „Bild“ nicht.

    Wie in die Enge getriebene Tiere, versuchen die Politkobolde von Berlin das was eben nicht möglich ist, mit sinnloser Gewalt zu erreichen. Wer keine Arbeit findet, soll gründlicher suchen oder verrecken. Wenn Arbeit für ein Auskommen nicht mehr reicht, soll es denen ohne Arbeit eben noch schlechter gehen, auf daß die prekär beschäftigten nicht unruhig werden sollen.

    Wenn die bestehenden Gesetze schon nicht verhindern können, daß in der realen Welt hin und wieder Betrüger, Terroristen und Kinderschänder herumlaufen, kann man ja noch hirnrissigere fürs Internet erfinden und so tun, als lebten diese Leute allein im Internet. Weil die Aufgabe des Bankgeheimnisses die „abstrakte Bedrohungslage“ genausowenig abzuwenden imstande ist, wie dessen Umkehr und die Degradierung der Bankangestellten zu Erfüllungsgehilfen des Staats, musste eben beides her. Im Internet darf der Bürger dementsprechend kaum einen Mausklick wagen, ohne daß er dabei beobachtet wird.

    Was Innenministern wie Familienministerinnen an der nicht nur abstrakten, sondern eingebildeten und vor allem eingeredeten Bedrohungslage am Meisten schätzen können, ist der Umstand, daß sie niemals enden wird. Unendlich ist folgerichtig der antidemokratische Irrsinn mit dem sie das Land überziehen und seine Bürger Zug um Zug ihrer Freiheit berauben.

    Der neueste Coup kommt aus dem Ministerium von Ursula von der Leyen. Wie Schäuble vom Terrorismus, keift die Fruchtbarkeitsministerin von der an jeder Ecke lauernden Kinderpornographie und wie selbstverständlich verschwendet sie keinen Gedanken daran, dieser in der realen Welt etwas entgegenzusetzen. Als sei ein weltweiter Verbund von Computern die Wurzel allen Übels, soll nun durch die Pervertierung des Fernmeldegeheimnisses allen Bürgern eine technische Sichtblende aufgesetzt werden, auf daß die Päderasten unter ihnen nicht mehr sehen können, was dann aber ruhig unbehelligt weiter bestehen darf — gerne auch unter deutscher Jurisdiktion. Völlig neu ist der hysterische Aktionismus allerdings nicht, wie Alvar Freude [3]Alvar Freude, „jugendschutz.net, Moral und Medienkompetenz“, Blaster-Blog, 10.12.2007 bereits 2007 klar beschrieben hat. Nur wird er wie immer schlimmer.

    Freilich ist dem noch paranoideren Nachfolger Schilys, Wolfgang Schäuble der generalverdächtigende Umgang mit den Bürgern noch nicht willkürlich genug. Als wäre der Begriff „Ermittlungsparagraph“, nicht schon für seine schiere Existenz beschämend genug, dekretiert er gerade munter weitere, als wären die Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts nichts weiter als unverbindliche Empfehlungen für sorglose Zeiten. Dies tut er wiederum so sorglos, daß man sich nicht wundern würde, wenn er Heribert Prantl demnächst als querulatorischen Topgefährder überwachen ließe, der indessen, zwar kopfschüttelnd, aber völlig sachlich ausführt [4]Heribert Prantl, „Ein falscher Mausklick, und du bist ein Terrorist“, süddeutsche.de, 31.01.2009, warum Schäubles Umtriebe massiv gegen die Gewaltenteilung verstoßen.

    Weil auch Wirtschaftslobbyismus eine Chance bekommen soll, an den Überresten der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu rütteln bis auch der letzte Putz von der Decke rieselt, glaubt Frau Zypries, sie müsse dem unerträglichen Gejammer eines Dieter Gorny Gehör verschaffen, der unverhohlen fordert, die Anbieter von Internetzugängen hätten zu überwachen, ob ihre Kunden vielleicht auch Daten aus dem Netz ziehen, die er stattdessen zum hundertsten mal verkaufen zu können halluziniert. Würden sie fündig, möchten die Anbieter doch so freundlich sein, ihre eigenen Kunden aus dem Netz zu sperren. Vielleicht hat die Telekom ja noch ein paar Kuvertiermaschinen im Keller stehen und will die Rechnungen lieber wieder mit der Post verschicken. Frau Zypries sagt, die Sperrung von Internetzugängen sei rechtlich problematisch und würde in Frankreich, wo sie ausgemachte Sache ist, für groben Ärger sorgen [5]Johnny Haeusler, „Exklusiv: Bundesjustizministerin Zypries zu Olivenne und Internetsperrungen“, spreeblick.com, 2.02.2009 und meint damit vermutlich, sie muß sich dafür erst ein paar neue Gesetze einfallen lassen und abwarten, bis die Franzosen sich damit abgefunden haben, auf ihre Rechte zu verzichten, ehe sie mit aller gebotenen Entschlossenheit rückhaltlos umfallen kann.

    Ganz beiläufig, aus Gewohnheit und weil es langsam ohnehin schon egal scheint, alimentiert das Berliner Gruselministerkabinett möglichst jeden Multimilliardenpleiter, der sich nur als unfähig genug hervorhebt, seine größenwahnsinnigen Unternehmungen am Markt zu orientieren [6]Alexander Otto, „Glos stellt Schaeffler Sozialhilfe in Aussicht“, chefarztfrau.de, 31.01.2009  [7]„Schaeffler – In der Rettungsfalle“, Financial Times Deutschland, 30.01.2009.

    Die räuberische Wut der Legislative, egal ob ihr Kohl, Schröder oder Merkel vorsteht, kann sich der Entwicklung einer Zerstörungskraft rümen, die man sich ohne einen weiteren verlorenen Krieg, nicht hätte vorstellen wollen.

    References
    1 Katharina Schuler, „Arbeiten fürs Essen“, Zeit Online, 10.5.2006
    2 Autor nicht genannt, „Hartz-IV-Betrügerin zockte 30000 Euro vom Staat ab“, bild.de, 19.09.2008
    3 Alvar Freude, „jugendschutz.net, Moral und Medienkompetenz“, Blaster-Blog, 10.12.2007
    4 Heribert Prantl, „Ein falscher Mausklick, und du bist ein Terrorist“, süddeutsche.de, 31.01.2009
    5 Johnny Haeusler, „Exklusiv: Bundesjustizministerin Zypries zu Olivenne und Internetsperrungen“, spreeblick.com, 2.02.2009
    6 Alexander Otto, „Glos stellt Schaeffler Sozialhilfe in Aussicht“, chefarztfrau.de, 31.01.2009
    7 „Schaeffler – In der Rettungsfalle“, Financial Times Deutschland, 30.01.2009
  • Medikamentenausgabe

    Die Pharmaindustrie, die mit großem Einfallsreichtum und teuren PR-Agenturen Krankheiten zu erfinden im Stande ist, die zu ihren Medikamenten passen, ist nun völlig überraschend in den Verdacht geraten, mit ihren Produkten Geld verdienen zu wollen.

    Nach Recherchen von Hans Weiss [1]Hans Weiss, „Fast alle großen Pharmakonzerne sind notorische Gesetzesbrecher„, Telepolis, 30.01.2009 sollen viele der Konzerne womöglich Wirtschaftsunternehmen sein, die sogar unverblümt als Aktiengesellschaften firmieren.

    Es besteht der schlimme Verdacht, daß trotz des deutschen, weltweit einzigartigen und durch und durch korrupten Gesundheitssystems, Geld auf Kosten Kranker verdient wird und die Pharmabranche doch keine Einrichtung der Heilsarmee ist, in deren Auftrag sie zum Selbstkostenpreis erforscht, wie die Menschheit vom Siechtum zu befreien wäre.

    Damit wäre dann auch klar, warum Ratiopharm-Chef Adolf Merckle sterben musste [2]ddp, „Unternehmer Adolf Merckle begeht Selbstmord„, dernewsticker.de, 06.01.2009. Er konnte sich nach seiner Fehlspekulation mit VW-Aktien einfach kein Antidepressivum mehr leisten, oder das Zeug wirkt einfach nicht. Vielleicht sogar beides.

    References
    1 Hans Weiss, „Fast alle großen Pharmakonzerne sind notorische Gesetzesbrecher„, Telepolis, 30.01.2009
    2 ddp, „Unternehmer Adolf Merckle begeht Selbstmord„, dernewsticker.de, 06.01.2009
  • Verwaiste Junggesellen

    Was ist eigentlich gegen verwaiste Junggesellen einzuwenden? „Nichts“, werden Sie jetzt vermutlich denken und sich fragen, wie ich darauf komme. Dabei ist die Antwort sozusagen amtlich: Verwaiste Junggesellen, sind die einzigen, für die sich das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [1]Das BMFSFJ im Internetz ausweislich seines Namens nicht zuständig sieht.

    Wenn man die Zuständigkeit von UvdLs Ministerium nur geringfügig erweiterte, könnte es einfach „Bundesministerium für Leute“ heißen. Das wäre in jedem Fall sprachlich eine deutliche Verbesserung. Vielleicht wären die Mitarbeiter dann auch besser ausgelastet und müssten nicht versuchen, Kinder im fernen Ausland vor Mißbrauch zu schützen, indem sie in Deutschland eine Zensurmaschinierie gegen das Internet [2]Chaos Computer Club, „Internet-Zensur errichten lassen, die weniger gegen Kindesmissbrauch, sondern eher gegen die Demokratie wirken wird, sobald sich weitere Anwendungen für das System finden. Musiktauschbörsen [3]Thomas Knüwer, „Ursula von der Leyen und der Kampf um das Internet„, „Indiskretion Ehrensache“, Handelsblatt, 15.01.2009 und Onlineglücksspiele [4]Torsten Kleinz, „Internet: Glücksspielseiten droht Sperrung„, Locus Focus Online, 29.11.2008 stehen ja schon jetzt auf der Tagesordnung.

    Es mag ja sein, daß es den Kindern aus Thailand, Brasilien, Kenia, den Philippinen, der Dominikanischen Republik, Indien, Sri Lanka, Birma, Laos, Ungarn und Tschechien [5]Adolf Gallwitz und Bernhild Manske-Herlyn, „Kinderpornographie Entwicklung von Gegenstrategien Verbesserung der Situation betroffener Kinder„, 1999, S. 3 besser geht, wenn sie unbehelligt Teppiche knüpfen, Turnschuhe kleben oder in Minen arbeiten dürfen. Zumindest sieht das Ministerium gegen verwaiste Junggesellen dann keinen Handlungsbedarf. Wahrscheinlich hat die Fruchtbarkeitsministerin [6]Wikipedia, „Ursula von der Leyen davon noch keine Bilder im Netz gefunden.

    Nachdem es Superuschis Wunderministerium nicht gelingen will, den Deutschen das Kinderkriegen schmackhaft zu machen, werden ihm langsam die Kunden ausgehen. Die Senioren werden ja auch nicht jünger. An den verwaisten Junggesellen führt also auf lange Sicht kein Weg vorbei, es sei denn, man wäre gewillt, ein Ministerium aufzulösen, nur weil es nicht mehr benötigt wird.

    References
    1 Das BMFSFJ im Internetz
    2 Chaos Computer Club, „Internet-Zensur
    3 Thomas Knüwer, „Ursula von der Leyen und der Kampf um das Internet„, „Indiskretion Ehrensache“, Handelsblatt, 15.01.2009
    4 Torsten Kleinz, „Internet: Glücksspielseiten droht Sperrung„, Locus Focus Online, 29.11.2008
    5 Adolf Gallwitz und Bernhild Manske-Herlyn, „Kinderpornographie Entwicklung von Gegenstrategien Verbesserung der Situation betroffener Kinder„, 1999, S. 3
    6 Wikipedia, „Ursula von der Leyen
  • Wilder Westen im Nahen Osten

    Endlich können wir unseren Blick von Somalia abwenden, unserem dort ebenso unfreiwillig wie gratis betriebenen Endlager für radioaktive Abfälle, wo wir jedes Jahr Fische für eine Milliarde Dollar stehlen, die wir erstaunlicherweise essen, statt sie im Schnellen Brüter zu Reaktorbrennstäben zu verarbeiten.

    Damit Fisch nicht seinen guten Ruf verliert, gesund zu sein, lassen wir unsere Soldaten Fischer jagen, die wir Piraten nennen, weil sie inzwischen nicht mehr Fische sondern Schiffe fangen, das Einzige was außer Giftmüll dort noch im Meer umherschwimmt. Damit wir uns nicht mit dem blutigen Handwerk unserer eigenen Streitkräfte auseinandersetzen müssen, üben wir uns lieber darin, das Besondere in der Routine des Nahostkonflikts zu erkennen, bei dem wir uns erfolgreich einreden, daran völlig unbeteiligt zu sein.

    Während wir betroffen dem prasselnden Streubombenfeuerwerk über dem Wilden Westen des Nahen Ostens zusehen, brauchen wir uns nicht einmal zu sorgen, ob wir Partei ergreifen müssen. Psychopathische Kriegstreiber haben schließlich beide Seiten, resümieren wir zufrieden. Aus reiner Nächstenliebe gepaart mit untrüglichem Sinn für Gerechtigkeit, beliefern wir sie auch beide mit Geld und Waffen.

    Kritisch verweisen wir darauf, daß es doch Regeln dafür gibt, wie Kriege korrekt zu führen sind, obwohl selbst dem kopflahmsten klar sein muß, daß sich daran niemand halten wird, sobald er in den Krieg zieht. Wenn über hundert Staaten Streubomben ächten, tun sie das aus dem selben Grund, warum die übrigen sie verwenden. Sie demoralisieren die gegnerische Bevölkerung, indem sie deren Kinder zerhächseln und schonen dabei die Infrastruktur. Militärisch ist das ideal, denn wer den Rückhalt seines Volks verliert, verliert den Krieg.

    Der calamitas collateralis ist keine unbeabsichtigte Nebenwirkung eines ansonsten redlichen Handwerks, wie die PR-Agenturen der Kriegsbranche nicht müde werden zu behaupten, sondern ein wirksames und willkommenes Mittel, den Gegner das Fürchten zu lehren. Der Euphemimus „Begleitschaden“ entstammt offensichtlich den gleichen schwer erkrankten Denkorganen, jener Zyniker, die sich auch ausgedacht haben, aus der Luft geführte Fächenbombardements, mit Begriffen aus der Heilkunde zu beschreiben.

    Obwohl wir das alles wissen, räkeln wir uns behaglich in unseren Fernsehsesseln und reden uns ein, Kriege würden zwischen Armeen ausgetragen, deren Angehörige sich ihren Beruf selbst ausgesucht haben. So wie die Piraten von Somalia, die ja schließlich auch eine Banklehre hätten machen können.

  • Bürgerliche Kräfte

    Seehofer warnt davor, den nahenden Wahlkampf auf Merkel auszurichten, weil sonst „eine zweite bürgerliche Kraft“ [1]„Seehofer geht auf Distanz zu Merkel“, Süddeutsche Zeitung, 2.1.2009 zu entstehen droht.

    Was aber ist eine zweite bürgerliche Kraft? Im Interview konkretisiert Seehofer dann, es könne „sehr schnell eine zweite bürgerliche Kraft neben der Union entstehen“ [2]Seehofer, a. a. O.. Demnach ist die Union also eine bürgerliche Kraft, neben der es nach dem Willen Seehofers keine zweite geben soll. Schlägt er damit in die Kerbe jener seiner Parteifreunde, die meinen, „Wir brauchen keine Opposition, weil wir sind schon Demokraten“ [3]„Der Standort Deutschland“, Gerhard Polt? Befürchtet er einen Verlust von Wählerstimmen, die dann einer anderen bereits vorhandenen Partei zugute kämen, die darauf zu einer zweiten bürgerlichen Kraft erstarkt?

    Wenn er sich so sehr über Merkels Beliebtheit freut, andererseits die Union „inhaltlich und personell breiter aufgestellt“ [4]Seehofer, a. a. O. wissen möchte, was meint er dann bitte damit?

    References
    1 „Seehofer geht auf Distanz zu Merkel“, Süddeutsche Zeitung, 2.1.2009
    2, 4 Seehofer, a. a. O.
    3 „Der Standort Deutschland“, Gerhard Polt
  • Große Zahlen, kleine Werte

    Weil es auf der Welt zu viel Geld gibt, das zudem etwas unglücklich verteilt ist, kommt man leicht ins Schlingern, wenn es um die korrekten Bezeichnungen für Nullen geht.

    Brustbehaftete Kanzlerwesen, emporgequollen aus der „Gesichte“ (Helmut Kohl, Historiker) der FDJ, und angeschlossene Minister sollen hier wohlwollend unbeachtet bleiben.

    Die Null als Faktor wurde hier bereits von Gustav Freischütz eingehend halbwissenschaftlich untersucht.

    Hier stellen wir also nur die relevanten Vorsätze der deutschen Sprache für die Größenordung von Zahlen und einige Beispiele vor, damit man vor lauter Konsumgutscheinen, Sozialhilfesätzen, Jahresgehältern, Vorstandsbonifikationen, Rettungspaketen und Staatsschulden nicht durcheinander gerät.

    Eins bis Tausend, 1 – 999.999: Trinkgeld, Sozialhilfe, Jahresgehalt, Aufwandsentschädigung von Abgeordneten, Kraftfahrzeug, Eigentumswohnung

    Millionen, 1.000.000 – 999.999.999: Vermögen Wohlhabender, Einfamilienhaus, Herrschaftliche Villa, Vorstandsgehalt, Vorstandsbonus, Flugabwehrrakete „Patriot“ (ein Schuß)

    Milliarden, 1.000.000.000 – 999.999.999.999 [1]Dank wertvollen Sicherheitshinweises von Herrn Rossi, korrigiert (siehe Kommentare) : Vermögen Reicher, Marktkapital von Großunternehmen, Bruttoinlandsprodukt von Ländern der Dritten Welt

    Billionen, 1.000.000.000.000 – 999.999.999.999.999: Bruttoinlandsprodukt von Industrienationen, Weltwirtschaftsprodukt

    Billiarden, 1.000.000.000.000.000 – 999.999.999.999.999.999: bislang im Finanzwesen nicht verwendet.

    Trillionen, Trilliarden, Qadrillionen haben jeweils noch drei Stellen mehr, aber keine praktische Bedeutung, weil in diesen Größenordnungen vorwiegend schreibfaule Naturwissenschaftler agieren, die sich dafür längst die Exponentialschreibweise haben einfallen lassen. Sie wissen, daß es bei 1078, also einer 79-stelligen Zahl von Atomen im gesamten Universum auf ein paar Milliarden hin oder her einfach nicht ankommt. Deswegen werden sich Quadrilliarden, Quintillionen und alles, was die lateinischen Zahlenbegriffe sonst noch hergäben, vermutlich nicht durchsetzen.

    Ob die Wirtschaft sich mit der Exponentialdarstellung anfreunden kann wird sich zeigen. Nicht länger benötigte Stellen wird sie in jedem Fall streichen. Wie immer.

    References
    1 Dank wertvollen Sicherheitshinweises von Herrn Rossi, korrigiert (siehe Kommentare)
  • Die Zwerge haben zu tief gegraben

    Der „Stern“ übt sich gerade darin, das journalistische Machtvakuum zu füllen, das „Focus“ und „Spiegel“ derzeit hinterlassen. Im Artikel „Eiskalt abserviert“ beschreibt Frauke Hunfeld, was passiert, wenn Steuerfahnder den falschen Leuten auf die Finger schauen.