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  • Küchenlyrik aus enttäuschter Liebe

    Canard al Orange hab ich gemacht
    und auch Schweinebraten zubereitet
    Durch den Magen ginge Liebe, habe ich gedacht
    doch war mein Wirken fehlgeleitet.

    Auguste Escoffier und Richard Hering habe ich gelesen
    Paul Beaucuse, Witzigmann und all die tollen Namen.
    Auch meine Speisen sind nicht schlecht gewesesen
    Doch Haute Cuisine ist eben nicht für Damen.

    Mögen sie doch besser Leberkäs‘ mit Ei verspeisen
    Fast Food und Salat mit Joghurt zu sich nehmen
    ich werde nur statt dessen eine neue Welt bereisen
    und mich besser an die Lehren Buddhas lehnen.

    Lebt wohl ihr Fleischpflanzerl mit Kartoffelbrei
    Rösti und Brezenknödel werde ich vermissen
    mit Sauerbraten und Lasagne ist es nun vorbei
    denn auch als Koch bin ich verschlissen.

    Rahmschwammerl und Spätzle wird es weiter geben
    gefüllte Paprika und Chilli con Carne werden bleiben
    Es gibt sie nur einfach nicht mehr in meinem Leben
    denn das wird schon bald dafür viel zu bescheiden.

  • Fast wie im richtigen Leben

    Die eine schreibt was, die anderen lesen es. Einer glaubt es nicht, forscht nach und schreibt darüber. Der nächste schwingt darüber seinen errigierten Zeigefinger und moralisiert was das Zeug hält, worauf seine Kommentatoren in zweil Lager zerfallen. Derweilen wird anderswo ein freiwilliger Art Direktor für seine Entwürfe kritisiert und der Kritiker widerum zensiert. Der schreibt munter bei sich selber weiter, wo er sich unzensiert beschimpfen lässt. Die Blog-Schreiber sind schon ein lustiges Völkchen.

  • Fußfessel für Langzeitarbeitslose

    Es hat mich ja bei Herrn Schröder sehr gewundert, daß er immer so tut, als wären Arbeitslose, faule Säcke, die partout nicht arbeiten möchten. Die muß man nur mal ordentlich unter Druck setzen, damit die mal was arbeiten gehen. Und schwups ist die Arbeitslosigleit wegregiert. So einfach ist das.

    Aber was ist das? Kaum wird in der Arbeitslosenstatitistik etwas weniger gelogen als vorher, haben wir auf einmal 5,2 Millionen Faulpelze. Doch nicht so einfach?

    Der hessische Justitzminister Christean Wagner hat da aber ganz interessante Ideen, die er, bislang eher unbemerkt, über seine Pressestelle verlautbaren ließ. In der Presseinformation steht tatsächlich:

    Die elektronische Fußfessel bietet damit auch Langzeitarbeitslosen und therapierten Suchtkranken die Chance zu einem geregelten Tagesablauf zurückzukehren und in ein Arbeitsverhältnis vermittelt zu werden. Viele Probanden haben es verlernt, nach der Uhr zu leben, und gefährden damit ihren Arbeitsplatz oder ihre Ausbildungsstelle. Durch die Überwachung mit der elektronischen Fußfessel kann eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe geleistet werden.

    Wenn die bösen Arbeitslosen elektronische Fußfesseln bekommen, so wie verurteilte Straftäter auf Bewährung, wird sicher alles besser. So einfach ist das.

    Der SPIEGEL-Online schreibt „Immer mehr Deutsche zweifeln an der Demokratie“. Ob es wohl daran liegt, daß das Leben in dieser Demokratie immer mehr wird, wie man es aus Diktaturen kennt? Ja, tut es. So einfach ist das.

    Hinweis auf die Pressemitteilung via Mehrzweckbeutel und Nachdenkseiten.

  • Money for Nothing

    Meine Auftragslage ist ja zur Zeit alles andere als rosig. Offensichtlich ist mein Kundenaquisition nich aggressiv genug. Auch der zugegeben konservative Irrglaube, für Geld arbeiten zu müssen ist ganz offensichtlich überkommen, ja geradezu hinderlich.

    Der Betreiber von savetoby.com zeigt, wie es auch ohne Mühe geht. Er erpresst kurzerhand seine Leserschaft damit, sein Haustier hinzurichten und zu verspeisen, es sei denn, er würde 50.000 US-Dollar aus den von ihm angebotenen Fan-Artikeln erlösen. Über 28.000 Dollar hat er inzwischen angeblich erhalten. Nicht schlecht.

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  • Wie einmal alles zu spät war

    Als ich von der Geschäftsstelle eines Kunden aus, mal meine E-Mails ansehen wollte, war mein Mail-Server nicht erreichbar. Na gut, dachte ich mir, da wird die Telekom mal wieder was verbockt haben. Das bin ich ja gewohnt.

    Nach zwei Stunden kam es mir aber doch irgendwie seltsam vor, denn werktags bemerken die Netzwerker bei T- (sprich Te-minus) ihre Verfehlungen meist schon bald selbst. Vielleicht liegt es ja am Router dachte ich, und rief mal zuhause an, auf daß einer meiner Mitbewohner mir Bericht erstatten würde. Doch in der Leitung herrschte lange Stille, gefolgt von einem Besetzt-Ton.

    Vielleicht hat irgendwo ein Bagger aus Versehen die Leitung abgezwickt, dachte ich und nahm Kontakt mit der Störungsstelle auf. Dort sagte man, die Leitung sei in Ordnung. Das von mir geschilderte Phänomen sei aber typisch für eine Telefonanlage ohne Strom.

    Besorgt rief ich unsere Vermieterin an, die im selben Haus ein Ladengeschäft betreibt. Sie konnte mir glaubhaft versichern, daß zumindest das Haus noch stünde, und auch die elektrische Versorgung grundsätzlich gewährleistet sei. Sie wolle aber gerne weiter ermitteln.

    Das tat sie und rief eine Viertelstunde später prompt zurück. Sie sei nicht ganz sicher, aber bei den Stromzählern im Keller wäre an jenem der mit „4. Stock, rechts“ beschriftet ist, der Schalter andersherum als bei allen anderen. Darüberhinaus sei dort eine Plombe angebracht.

    Ich fand es nun angebracht, etwas aufgebracht bei den Münchner Stadtwerken nachzufragen, ob sie etwas damit zu tun hätten. Das hatten Sie. Man beschied mir, wegen offener Außenstände habe man sich entschlossen die Versorgung einzustellen. Immerhin 1067 Euro seien noch offen.

    So recht erklärlich war mir dieses nicht, dennoch wollte ich den Inhalt meines gewaltigen amerikanischen Luxuskühlschrankes um keinen Preis verderben lassen. Außderdem wollte ich der Rest-WG ein Leben im Kerzenschein nichtzumuten, egal wie romantisch das sein mag. Ich habe also meinen Kunden in aller Eile verlassen, um festzustellen, das mein wohlgedecktes Bankkonto mich nicht befugt an einem Geldautomaten mehr als 1000 Euro pro Tag abzuheben. Selbst mit den am Mann befindlichen 46 Euro war die Forderung unmöglich zu erfüllen. Mit dem kurzfristig arrangierten beinahe konspirativen Treffen mit meiner Mutter am Münchner Hauptbahnhof konnte ich schließlich den geforderten Betrag aufbieten. Mit diesem habe ich schließlich zwei Minuten vor Geschäftsschluß die Stadtwerke München erreicht.

    Dort habe ich auch erfahren, wie es geschehen konnte, daß die, zugegeben exorbitante Nachforderung, welche von mir aber längst beglichen war, aus Sicht der SWM noch immer offen stand. Ich hatte mit den Stadtwerken nämlich eine Ratenzahlung vereinbart. Weil mein Einkommen kein Regelmäßiges ist, zahlte ich nicht elf Monate jeweils 100 Euro, sondern zweimal 300 und einmal 500. Dies würdigte die Buchhaltung der SWM aber lieber als Vorauszahlungen für kommende Abschlagsforderungen, die sie deswegen nie gestellt haben.

  • Vorbeugehaft

    Die Junge Welt berichtet von einer der schwachsinnigsten Begründungen für ein weiteres verfassungswidriges Gesetz:

    „Der »Unterbindungsgewahrsam zur Verhinderung von Straftaten« wird im Entwurf von bisher zulässigen 48 Sunden auf 14 Tage ausgeweitet. Mit der Begründung, daß Hamburg Austragungsort der Fußball-WM 2006 sei, verweigerte die CDU jeglichen Kompromiß.“

    In Bayern und Baden-Württemberg ist das im Polizeiaufgabengesetz bereits verankert. Hamburg wird nun aller Voraussicht nach folgen.

    „Unterbindungsgewahrsam“ ist eine etwas ungelenke Wortkonstruktion, die unser Gesetzgeber hervorgebracht hat, um nicht „Vorbeugehaft“ sagen zu müssen. Aber so hieß das früher bei den Nazis. Dabei ist dasselbe gemeint. Aber gerade weil es dasselbe ist, braucht es heute einen anderen Namen.

    Die Polizei darf, zum Beispiel Sie, lieber Leser, einsperren, wenn sie der Meinung ist, daß Sie vielleicht demnächst etwas anstellen wollen könnten. Vorsichtshalber. Das muß auch gar nichts schlimmes sein, nichts wofür Sie, wenn Sie es getan hätten, von einem Gericht bestraft oder sogar eingesperrt würden. Sich zur falschen Zeit am falschen Ort mit grün gefärbten Haaren aufzuhalten genügt vollauf.

    Egal wann und wo, reicht es auch, die „falsche“ Meinung zu haben. Bislang nur theoretisch, aber das liegt schon jetzt im Ermessen von Polizeibeamten.

  • Interaktives Editorial

    1. Liebe von mir gern gelesene Bloger (und Blogerinnen!),

      bei einigen von Ihnen habe ich in schamloser Weise völlig egozentrisch und sachfremd kommentiert, nur um meinem jüngsten Papst-Beitrag einer größeren Leserschaft zugänglich zu machen. Das war unfein, notwendig und erfolgreich. Bitte verzeihen Sie mir! Es ist Frühling und ich hatte das dringende Bedürfnis mal so richtig durchgeklickt zu werden. Ich hoffe Sie sind mir deswegen nicht böse.

    2. Mit Entsetzen stellte ich fest, das auch der dritte Anbieter, dem ich die Bilder meines Blogs anvertraut habe, diese nicht mehr bereitstellen kann. Daher war der Fellow Passenger ausgerechnet in dieser populären Phase unbebildert. Dank guter Beziehungen zu einer oft unterschätzten Videokunstformation fanden die Bilder inzwischen Asyl.

    3. Der Blog-Anbieter blogger.com verblüfft mit immer neuen Ausfallerscheinungen. Das führt teilweise zu enormen Aufwand und erheblichen Verzögerungen, wenn es beispielsweise gilt, jede Referenz auf eine Abbildung zu ändern. Daher sucht der Fellow Passenger ein neues Zuhause. Die Suche gestaltet sich beschwerlich, denn ich möchte meinen Lesern die Zumutung von wahllos eingestreuten Werbebotschaften ersparen. Natürlich gibt es Blog-Anbieter, die das bieten, aber die möchten dafür bezahlt werden. Um aber deren Preisvorstellungen zu genügen, müsste ich, der Gegenfinanzierung halber, auf ein sehr liebgewonnenes Zeitschriftenabonement verzichten. Das kann und will ich nicht. Wenn da jemand einen guten Tip hätte, würde es mich sehr freuen.Erledigt.

    4. Angeregt durch einige Kommentare würde ich gerne Klopapier mit meinen Blog-Beiträgen bedrucken lassen. Ich möchte mich daran nicht bereichern, dabei aber auch nicht verarmen. Hat da jemand eine Idee, wie das gehen könnte? Mit einem Nadeldrucker wäre das machbar. Könnte mir jemand zu solch einem Gerät verhelfen? Peppy würde es Ihnen danken.

  • Papstwahl ungültig!

    „Annuntio vobis gaudium magnum. Habemus papam: Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum Joseph, Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Ratzinger qui sibi nomen imposuit Benedikt XVI“ („Ich verkünde euch große Freude. Wir haben einen Papst: Seine Eminenz, den hochwürdigen Herrn Joseph der Heiligen Römischen Kirche Kardinal Ratzinger, der sich den Namen Benedikt XVI gegeben hat“)

    Mit diesen Worten verkündete Kardinalprotodiakon Jorge Arturo Medina Estévez den Willen Gottes, den 115 Zyniker Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle zuvor erkannt haben wollen.

    Der „neue“ wird kein Spaßpapst, wie sein medienfreundlicher Vorgänger. Kardinal Ratzinger, schon aus seiner Zeit als Erzbischof von München und Freising als ultrakonservativer Hardliner bekannt, wurde aufgrund seiner Linientreue von Papst Johannes Paul II zum Präfekten der Kongregation für den Glauben und zum Kardinal ernannt. Die Glaubenskongregation ging 1908 aus der Römischen Inqusisition hervor.

    Der ehemalige Großinquisitor sprach den apostolischen Segen „Urbi et Orbi“ aus, der sonst nur zu Ostern und Weihnachten erteilt wird, und eben wenn ein neuer Papst seinen Dienst antritt. Das ist ein wenig wie Ostern und Weihnachten gleichzeitig.

    Kaum war der Segen erteilt, kam es bereits zu Ungemach. Ratzinger habe das Konklave manipuliert, gab der indische Kandidat Kardinal Ivan Dias zu verstehen. So habe es zum Beispiel während des Konklaves keinerlei vegetarische Speisen gegeben.

    Peter Kodwo Turkson, 56, Kardinal von Ghana berichtet, man habe ihm einfach gesagt, er sei nach dem Kirchengesetz noch nicht volljährig und deshalb nicht Wahlberechtigt. „Neger wählen die eh nicht“, bemerkte er lakonisch.

    Ähnlich ging es Kardinal Francis Arinze, 72 aus Nigeria. „Die Schlange für meinen Wahlkreis ging dreimal um die Sixtinische Kapelle. Bis ich meinen ersten Stimmzettel abgeben konnte, waren bereits 3 Wahlgänge vorbei.“

    Ein italienischer Kardinal, der lieber anonym bleiben möchte, erzählt, „am ersten Tag des Konklaves war Joseph noch ganz nett. Er hat sogar jedem etwas von seinem marokkanischen Weihrauch abgegeben. Davon wurde aber allen ganz schwummerig. Am zweiten Tag hat er dann das Kruzifix der Kapelle umgedreht und mit blutigen Hühnerkrallen ein Pentagramm auf den Altar gezeichnet. Das kam mir irgendwie merkwürdig vor.“

    Nach dem Kirchenrecht ist es den Kardinälen untersagt, Wahlwerbung für ihr Ponifikat zu betreiben. Ebendies wird aber Kardinal Ratzinger vorgeworfen. So soll er schon vor der Sedisvakanz, der Zeit, in der der das Papstamt unbesetzt ist, einen blühenden Handel mit Devotionalien betrieben haben. Insbesondere der von Ratzinger unterstützte Ratzinger-Fan-Club erregte durch sein Angebot von Fan-Artikeln ungewollt Aufsehen. Insbesondere die Baseball-Kappen mit dem Aufdruck „Papist“ (Papstanwärter) könnten Ratzinger nun zum Verhängnis werden.

    Eilig dementierte die Pressestelle der Kongregation für den Glauben: „Es hat zu keiner Zeit einen direkten Kontakt zu diesem Verein gegeben. Wir haben uns bereits zu Beginn der Sedisvakanz von ihm losgesagt. Einen Button mit der Aufschrift ‚Ratzinger Rules‘ hat es nie gegeben. Der Button ist nie in Auftrag gegeben worden. Außerdem hat Kardinal Joseph Ratzinger ihn aus Privatmitteln finanziert.“

    Erst einmal ist ein Papst von seinem Amt zurückgetreten. Noch nie wurde ein amtierender Papst exkommuniziert. Benedikt XVI könnte der erste sein.

  • Rechnungen

    Rechnungen auf Papier sind angenehm. Man kann sie abheften und der Buchhaltung zuführen. Sie zeigen schwarz auf weiß, was man wofür bezahlen soll. Manche Unternehmen wollen kein Geld für Porto, Papier und Toner ausgeben und schicken ihre Rechnungen nur per E-Mail. Das geht zum Glück nur bei solchen, die sicher sein können, daß alle ihre Kunden tatsächlich auch ein elektronisches Postfach haben. Dadurch bleibt diese Unsitte auf Internet-Anbieter beschränkt.

    Bei der Telekom darf man es sich aussuchen. Man merkt aber schon deutlich, daß sie die Kosten für das Drucken der Rechnungen auf den Kunden abwälzen und das Porto einsparen möchte. Das sagt sie so nicht, vielmehr argumentiert sie mit Umweltaspekten. Die Rechnung-Online sei ja auch viel bequemer für den Kunden, verspricht sie. Weil sie selbst nicht ganz davon überzeugt ist, lobt sie eine einmalige Prämie von 5 Euro für die Umstellung aus.

    Nun ist mir kaum eine Tätigkeit mehr verhasst, als die einzelnen Positionen der Telefonrechnung so aufzuschlüsseln, daß ersichtlich wird, welcher Mitbewohner welchen Anteil daran zu tragen hat. Eingedenk der schier unendlichen Vielfalt an Call-by-Call-Vorwahlen ist das nämlich ausgesprochen mühevoll. Wenn die Telefonrechnung nun zusätzlich in elektronischer Form vorläge, müsste sich das doch automatisieren lassen.

    Aber Rechung-Online hat einen Haken. Statt daß die Telekom die Rechnung-Online als zusätzliche Dienstleistung zu einem realistischen Preis anbietet, definiert sie dem Rechnung-Online-Kunden die normale Rechnung auf Papier als Zusatzleistung. Diese bietet sie dann für 1,36 Euro monatlich an. Das ist satt, wenn man bedenkt, daß diese Kosten ja durch die Grundgebühr eigentlich bereits gedeckt waren.

    Trotzdem habe ich die Telekom nun beauftragt, die Rechnung elektronisch zu stellen. Schweren Herzens habe ich mich entschieden, auf die liebgewonnene Papierausgabe zu verzichten. Die Antwort der Telekom kam prompt per E-Mail:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    vielen Dank für Ihre Bestellung.

    Wir bestätigen Ihnen den Eingang Ihres Auftrages, der bei uns unter der Internet-Eingangsnummer xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx geführt wird. Diese E-Mail ist keine Auftragsbestätigung, sondern die Bestätigung des Eingangs Ihrer Bestellung!.[sic]

    Unsere Online Prozesse für Rechnung Online stehen aus technischen Gründen zur Zeit nicht zur Verfügung. Ihr Auftrag wird unter Vorbehalt entgegengenommen. Sobald ihr Auftrag realisiert wurde, erhalten Sie ihre Rechnung Online Zugangsdaten schriftlich mitgeteilt. …

    Ich ahne bereits, daß mein Entschluß ein schwerer Fehler war.

  • Der Fachmann staunt, der Laie wundert sich

    Es ist ja schön, daß man für jede Lebenslage einen Experten befragen kann. Leider kennen sich diese aber eben nur in bestimmten Fachgebieten aus, nicht aber mit dem Leben selbst. Ein etwas altes, aber schönes Beispiel ist ja die Rasterfahndung. Da haben schon in den 70er-Jahren Experten herausgefunden, daß Terroristen bestimmte Merkmale aufweisen. Sie fahren unauffällige Automobile, wohnen in Wohngemeinschaften, unternehmen gelegentlich Flugreisen und benehmen sich eben überhaupt wie typische Terroristen. Das ist sehr praktisch, weil man sie so leicht erkennen kann. Der normale Mensch, der Nicht-Experte also, mag sich denken, daß diese Kriterien vielleicht auf einen beachtlichen Teil der Bevölkerung zutreffen dürften. Studenten zum Beispiel. Aber vielleicht sind Studenten immer auch potentielle Terroristen. Wie soll man das beurteilen, wenn man kein Experte ist?

    Das Beste an Experten ist ja, daß es nicht nur für jedes Fachgebiet welche gibt, sondern auch für jedes Ergebnis. Die einen Klimaexperten sagen, globale Erwärmung voraus. Andere kündigen eine neue Eiszeit an. Ob es nun auf unserem Planeten wärmer oder kälter wird, ist mir jetzt zwar nicht ganz klar, aber ich bin ja auch kein Fachmann.

    Manchmal denke ich selbst. Nicht weil man es von mir erwartet. Auch nicht, weil ein Gesetz es mir vorschreiben würde. Das passiert einfach so. Zum Beispiel, wenn mir jemand sagt, er habe kein Einsehen für Privilegien von Geistlichen, Rechtsanwälten, Journalisten und Ärzten. Wer nichts zu verbergen habe, könne sich schließlich auch getrost abhören lassen. Dann muß ich immer ganz laut denken. Völlig laienhaft sage ich dann etwa: Es geht nicht um die Privatsphäre von denen, sondern um Deine. Auch einer, den die Staatsanwaltschaft, vielleicht nur aus Versehen, für kriminell hält, müsste sich doch trotzdem trauen dürfen, mal mit seinem Arzt zu telefonieren, wenn er ein Rezept für seine Herztropfen braucht. Das ist ein Grundrecht, das jedem Menschen zusteht, selbst wenn er wirklich kleine Kinder frisst.

    Der Experte muß immer Sachen denken, auf die normale Menschen gar nicht erst kommen. So dachte einer mal, UMTS-Lizenzen zu verkaufen, würde den Bundeshaushalt sanieren. Andere Fachleute meinten, rund 50 Milliarden Euro für so ein Papier zu bezahlen wäre ein tolles Geschäft. Heute wundert sich der eine Experte, warum der Bund das Geld nicht bekommt, die anderen Spezialisten fragen sich, weshalb sie es nicht bezahlen können. Der Laie versucht es mit einfachen Mitteln nachzuvollziehen. Mit seinen rudimentären Kenntnissen der Mathematik, rechnet er munter darauf los: 100 Milliarden DM sind ungefähr 50 Milliarden Euro. Eine Milliarde sind tausend Millionen. Über 60 Millionen Handys haben die Deutschen gekauft. Wahrscheinlich ist die Hälfte davon inzwischen schon kaputt. Aber sagen wir mal, es gibt 50 Millionen Handytelefonierer. Jetzt darf man nur mit den vielen Nullen nicht durcheinanderkommen. 50.000.000.000 geteilt durch 50.000.000 gibt 1000. Tausend Euro, die eine Mobilfunkfirma jedem seiner Kunden zusätzlich abknöpfen muß. Klingt viel. Ein prüfender Blick auf die letzten Handyrechnungen des Fellow Passenger zeigt, er steuert pro Monat etwa 30 Euro Umsatz bei. Wie viel mag davon als Gewinn hängen bleiben, den sein bevorzugter Netzbetreiber in neue Technik investieren könnte? Vielleicht 5 bis 7 Prozent. Der Einfachheit halber rechnet der Laie – ab jetzt mit Taschenrechner – mal mit 10 Prozent, also 3 Euro im Monat. Die 1000 Euro wären also nach 333 Monaten bezahlt. Das wären ja über 27 Jahre! Das kann nicht sein. Kopfschüttelnd beschließt Herr Passenger, daß er zu wenig mobiltelefoniert und wiederholt die Rechnung mit 100 Euro pro Monat und kommt dabei auf 10 Jahre. Verzweifelt versucht er es andersherum: Wenn die Investition sich über drei Jahre, also 36 Monate rechnen soll, muß der Gewinn pro Nase 27,77 Euro monatlich betragen. Dafür muß also jeder Handybesitzer monatlich 278 Euro vertelefonieren, nur um die Lizenzen zu bezahlen. Hoffentlich ist so ein UMTS-Sendemast nicht so teuer.