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  • Mobiltelefone und Bomben

    Besitzer von GPS-Empfängern könnten nach der Lektüre dieses Artikels auf Spiegel-Online Angst bekommen, das Gerät würde es ermöglichen, sie zu überwachen. Keine Sorge. Der Autor des Beitrages hat einfach nur keine Ahnung, ist dafür aber anscheinend etwas paranoid.

    GPS und wohl auch das System an dem Rosum arbeitet ist ein Ortungssystem. Es versetzt den Empfänger in die Lage, seine eigene Position herauszufinden und diese dem Anwender mitzuteilen. Mit Überwachung hat das etwa so viel zu tun, wie Mobiltelefone mit Bomben: Man kann beides miteinander kombinieren.

    via Mario Sixtus

  • Phaeton

    Auf der Suche nach einem standesgemäßen Dienstfahrzeug der Redaktion des Fellow Passenger wurde von Volkswagen auch deren Luxusmodell „Phaeton“ angeboten. Das kommt für den Fuhrpark der Redaktion nicht infrage. Vermutlich auch nicht für irgendjemanden, der es sich leisten könnte.

    Autokauf ist eine zutiefst emotionale Angelegenheit. Bei einem Kraftfahrzeug genügt es nicht, daß es fährt und mit allerlei Annehmlichkeiten ausgestattet ist. Gut, dem reinen Pragmatiker reicht das natürlich. Der kauft dann auch gerne ein preiswertes und zuverlässiges Kombi-Modell aus Japan.

    Der typische Luxuslimousinenkäufer hingegen hat völlig andere Ziele. Er wünscht ein Fahrzeug mit einer Aura des Erhabenen. Ob es der Fahrer darin besonders bequem hat, spielt eine Rolle, ist aber zweitrangig, denn der gehört zum Personal. Selbst fährt das Volk, zum Beispiel einen Volkswagen.

    Abgesehen vom Lottogewinner aus Proletenkreisen, dürfte die in Wolfsburg gewünschte Klientel zumindest soweit mit der griechischen Mythologie vertraut sein, ein Fahrzeug mit dem Namen „Phaeton“ als hochgradig peinlich zu empfinden.

    Wir erinnern uns: Phaeton der Halbgott, hervorgegangen aus der Liebe des Sonnengottes Helios zu der sterblichen Klymene, verlangte zum Beweis seiner Herkunft, Helios‘ Sonnenwagen lenken zu dürfen. Trotz der eindringlichen Warnungen seines Vaters wich er nicht von seiner Forderung ab. Wie erwartet war Phaeton völlig überfordert, als er des Sternbildes Skorpion ansichtig wurde. Er verlor das Bewußtsein. Füherlos brachte der Wagen die gesamte Welt aus den Fugen. Erst nachdem die Haut der Äthiopier sich durch die sengende Sonne bereits schwarz gefärbt hatte, wurde der Göttervater Zeus durch einen Hinweis Demeters auf die Entgleisung aufmerksam. Vor Wut über die durch Phaeton vorzeitig herbeigeführte Unterbrechung seines jüngsten amourösen Abenteuers, bereitete Zeus Phaetons Treiben schließlich mit einem gewaltigen Donnerkeil ein Ende.

    Kein Wunder also, daß dieses Automobil sich nicht so recht verkaufen läßt. Mit ähnlichem Erfolg könnte Porsche wohl versuchen, ein Modell „James Dean“ zu vermarkten. Auch ein Mercedes „Lady Diana“ würde wohl auch keinen reißenden Absatz finden. Apropos Mercedes: Dürfen wir schon auf den Maybach „Adolf“ hoffen?

    Die Redaktion von des Fellow Passenger bleibt einstweilen beim Dienstfahrad.

  • Kochbücher sind Sexy

    Inspiriert durch diesen Artikel, stelle ich fest, gute Kochbücher und der Playboy haben für mich viel gemeinsam.

    Einerseits regen sie durch Abbildungen den Appetit an, andererseits warten sie mit sehr brauchbaren Informationen in Textform auf, die man anderswo nicht findet. Den Playboy lese ich eher sporadisch, habe aber jüngst einen erschreckenden Artikel über die flächendeckende Videoüberwachung von Johannisburg durch eine private Sicherheitsfirma gelesen. Ein wichtiges Thema, daß in der Presse sonst nirgends auftaucht.

    Kochbücher lese ich wesentlich öfter und auch dort schaue ich mir nicht nur die Bilder an. In einem Buch über thailändische Küche habe ich hochinteressante Einzelheiten über die Herstellung von Curry-Pasten gelesen.

    Beide Genres dienen ganz klar der Anregung. Essen muß man selbst. Sex haben auch. Für beides empfiehlt sich die richtige Gesellschaft, denn alleine ist es zwar möglich, macht aber nicht halb soviel Spaß.

  • Arbeitslose? Nein Danke!

    Die Lage ist eindeutig. Deutschland hat ein volkswirtschaftliches Problem. Die Arbeitslosigkeit. Es gibt nicht genug Arbeit, die verrichtet werden muß. Weil die Wirtschaft nicht dafür zuständig, und die Politik damit überfordert ist, haben die Arbeitslosen selbst schuld. Die Lage ist schwierig, aber nicht aussichtslos.

    Als überparteiliches und unabhängiges Arbeitslosenorgan stellt der Fellow Passenger die Lösungsansätze der beliebtesten Parteien vor.

    SPD: Alle Arbeitslosen werden beim Arbeitsamt angestellt. Die Gehälter (Arbeitslosengeld) werden ohnehin bezahlt, es entstehen also keine weiteren Kosten. Die Arbeit ist auch Branchenfremden zumutbar, weil sie ja ohnehin nichts tun müssen. Sämtliche Arbeitsämter können geschlossen werden, denn nichts kann man auch leicht per Home-Office erledigen. Ergebnis: Vollbeschäftigung.

    CDU: Arbeitslose werden mit elektronischen Fußfesseln ausgestattet. Wenn man jeden Schritt eines Arbeitslosen überwacht, schafft das Arbeitsplätze, denn irgendwer muß das ja machen. Jeder Arbeitslose bekommt einen Aufseher, der vorher arbeitslos war. Ergebnis: Halbierung der Zahl der Arbeitslosen.

    FDP: Der Mittelstand wird gefördert. Weil mittelständische Unternehmen nicht mehr existieren, hat jeder Arbeitslose ein Unternehmen zu gründen. Ergebnis: Keine Arbeitslosen, aber 5,2 Millionen insolvente Unternehmer und 18 Prozent FDP-Wähler.

    Die Grünen: Jeder Arbeitslose soll einen Baum an seinem Wohnort pflanzen und bei trockenem Wetter gießen. Ergebnis: Ein Grüneres Stadtbild.

    PDS: Arbeit wird abgeschafft. Erst wenn alle arbeitslos sind, ist soziale Gerechtigkeit möglich. Ergebnis: 100 Prozent gerechte Arbeitslosigkeit.

    NPD: Der Deutsche zeichnet sich dadurch aus, daß er hart und gerne arbeitet. Wer keine Arbeit hat, ist demnach kein Deutscher. Wer kein Deutscher ist, hat hier nichts verloren und wird ebenso wie Nicht-Arier ausgewiesen. Ergebnis: Mangel an Arbeitskräften. Gastarbeiter werden benötigt.

  • Alarm!

    Bestimmt zwei mal am Tag fängt ein beliebiges in der Nähe meines Fensters abgestelltes Auto unvermittelt an, hysterisch zu hupen. Ja, das Auto selbst, nicht der Fahrer. Denn in dem Auto sitzt niemand. Selbst in der Nähe befindet sich kein Mensch. Nicht einmal ein Autodieb. Dazu blinkt die Warnblinkanlage im Takt. Das geht etwa eine halbe Minute, dann ist für einige Minuten Ruhe, bis das Schauspiel sich wiederholt.

    Da ich nicht annehme, daß in meiner Nachbarschaft zweimal Täglich versucht wird, ein Auto zu stehlen, erscheinen mir diese Lärmbelästigungsapparate in höchstem Maße überflüssig. Zumal sich selbst die jeweiligen Autobesitzer offensichtlich nicht im Geringsten für das infernalische Getöse ihres blechernen Lieblings zu interessieren scheinen. Ich schlage vor, die Hupe durch ein halbes Pfund C4 zu ersetzen. Das macht zwar auch Krach, aber nur einmal. Außerdem schlägt es mehrere Fliegen mit einer Klappe. Der Diebstal wird nachhaltig vereitelt, es wird ein Parkplatz frei und auch wenn sich im Berufsverkehr Fahrzeuge gegenseitig im Weg stehen, ist durch einen einfachen Knopfdruck schnell wieder freie Bahn.

  • Das also ist des Poodles Kern

    Ralf (43), der Kopf hinter poodlepop.net, über deutsche Gegenwartsliteratur, alberne Haustiere, den Geiz der Schwaben und Zensur in Weblogs.

    Porträit von Ralf aka PoodleHast Du Deine Kunstfigur, den überheblichen Gourmand Herrn Poodle an ein literarisches Vorbild angelehnt, oder wie ist er entstanden?
    Es gibt kein konkretes Vorbild, jedenfalls keines was mir bekannt ware. Es ist zwar durchaus möglich, daß Züge literarischer Lieblingsfiguren mit eingeflossen sind, ich würde aber sagen, es bleibt diffus. So genau benennen kann ich es zumindest nicht. Es ist auch gar kein richtiges Konzept, was der Figur zugrunde liegt. Sie plätschert so vor sich hin und entwickelt sich glaube ich erst. Da gibt es keinen wirklichen Plan, durch den die Figur klar umrissen wäre.

    Wie kam es zu dem Namen „Poodle“?
    Da könnte ich mich jetzt aufblähen und auf den Faust verweisen, auf Schopenhauer und solche Dinge, der Pudel als literarisches Motiv. Es ist aber sehr viel einfacher. Es ist irgendein Zeug, was einem eben mal so einfällt. Die Kombination aus vielen O’s und vielen P’s in „poodlepop“ fand ich witzig. Es sieht albern aus, wenn es so dasteht. Dann ist auch der Pudel ein ziemlich albernes Tier.

    Warum ist der Pudel besonders albern im Gegensatz zu anderen Tieren?
    Ich glaube er ist ja gar nicht wirklich albern, er wird zu einer albernen Figur gemacht. Durch die Haarschnitte und das Geföhne. Er gilt in gewisser Weise auch als arrogant, ist aber in Wirklichkeit gar kein so blöder Hund, er gehört meines Wissens eher zu den intelligenteren Hunden.

    Dein Schreibstil findet bei Deinen Lesern großen Anklang. Woher hast Du diese Fähigkeit zur Formulierung?
    Wenn es sie denn gibt, kann ich nur vermuten: viel Lesen! Ich habe jedenfalls keine Schule oder Kurse für Creative-Writing oder sowas besucht.

    Wer ist Dein Lieblingsautor?
    In der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur gibt es eine ganze Reihe, die ich gerne mag. Ganz sicher Henscheid, ganz sicher Genazino. Wiglaf Droste lese ich gerne. Jörg Fauser finde ich auch ziemlich gut. Frank Schulz natürlich. Ganz groß, ein Gott. „Morbus Fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien“ kann ich nur empfehlen. Ich möchte mich nicht mit denen vergleichen, das wäre vermessen. Aber von den schrägen Figuren, die in den Geschichten herumlaufen, stecken sicher auch einige Züge in Herrn Poodle.

    Das soziale Umfeld des Herrn Poodle bilden ja im wesentlichen zwei Zwergteufel. Was hat es damit auf sich?
    Das ist eine literarische Anspielung. Es gibt eine Geschichte von Franz Hohler, in der geht es darum, daß sich mal einer einen Teufel als Haustier zugelegt hat, der hat dann ganz furchtbare Dinge getan. Wenn man das mit dem üblichen Haustiergedöns verbindet, wie Zwergkaninchen und Zwergpudel – das gibt es ja, daß man irgendwelche Tiere einfach verzwergt und dann eignen sie sich plötzlich als Haustiere – finde ich es einfach besonders absurd.

    Auch im wahren Leben ißt Du gerne Kekse. Wer bäckt die eigentlich?
    Die kommen unter dem Jahr aus dem besseren, gutsortierten Supermarkt. Gegen Weihnachten hin gibt es dann diverse Verwandte, Schwestern und so weiter, die das ganz exzellent machen und mich immer großzügig ausstatten. Wenn es gut läuft und ich gerade flüssig bin, kommen sie auch mal aus der Konditorei.

    Wie wichtig ist Essen und Trinken für Dich?
    Abgesehen davon, daß es eine notwendige Versorgung darstellt, ist Essen über alle Maßen wichtig, im Sinne von Genuß. Ich würde mich zwar nicht als Gourmet bezeichnen, aber ich lege Wert auf gutes Essen und gutes Trinken.

    Porträit von Ralf aka PoodleWas ist Dein liebstes Gericht?
    Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Da gibt es wohl eine ganze Palette.

    Stuttgart gilt vielen als die langweiligste Stadt in Deutschland. Wie lebt es sich dort?
    Da lebt es sich eigentlich ziemlich gut, für meine Begriffe. Stuttgart hat einen diskreten Charme, den man sich erst erschließen muß. Es ist keine Stadt, wo man als Fremder hinkommt und sofort begeistert ist, wie meinetwegen New York oder vielleicht ansatzweise auch München, wo sofort klar ist, hier steppt der Bär. Es ist eher etwas in sich gekehrt. Es gibt diese Redewendung, „man trägt den Pelz nach innen“. Wenn man sich mal eingefunden hat, ist es eine sehr angenehme, unaufgeregte, tolerante, freundliche Stadt. Aber unspektakulär.

    Man sagt, Schwaben wären geizig. Was ist dran an diesem Vorurteil?
    Ich glaube das hat einen wahren Kern. Der hat weniger mit krankhaftem Geiz zu tun, den gibt es überall. Es hat eher etwas damit zu tun, daß man guckt, wofür man sein Geld ausgibt. Es scheint mir hier sehr verbreitet zu sein, daß man nicht unbesehen jeden Scheiß kauft, sondern sich relativ lange schlau macht und sehr gezielt versucht, gute Qualität und Beständiges zu bekommen. Dazu kommt der erwähnte Hang, den Pelz nach innen zu tragen. Wenn man das mit München vergleicht, was einen sehr extrovertierten Eindruck macht, wo man, um im Bild zu bleiben, den Pelz nach außen kehrt, könnte man Understatement als Geiz mißverstehen.

    Warum findest Du die Inder unsympathisch?
    Ich finde die überhaupt nicht unsympathisch. Ich kenne relativ wenige Inder (lacht). Das ganze ist im Original ein Aufkleber von „Ein Herz für Kinder“ von der Bildzeitung. Auch diese 25 Jahre sind vom Original. Da mußte man nur das K austauschen, um das ganze ins Absurde zu verkehren. Der Witz ist auch, daß ich das vor mehr als 2o Jahren schon einmal gemacht habe. Ich war Zivildienstleistender bei der Arbeiterwohlfahrt, habe mir – damals noch mit der Schere – Aufkleber gebastelt und die dann auf den Dienstwagen gepappt. Darauf gab es sofort lauter empörte Anrufe. So ist auch der ziemlich schale Witz schon fast 25 Jahre alt, was den Jubiläumsausruf noch absurder macht. In seiner ganzen Tiefe versteht ein Außenstehender das natürlich nicht, aber das ist auch völlig wurscht.

    An welche Leserschaft richtet sich poodlepop?
    Die darf sich frei formieren. (Lacht) Ich kann es mir ja nicht aussuchen. Da bin ich offen.

    Stichwort „Politblog versus Befindlichkeitsjournal“ – Was liest Du in Blogs am liebsten?
    Politblogs geben mir meistens nicht so viel. Es ist manchmal ganz nett zu lesen, aber eine große Bereicherung ist es nicht, was da drinsteht weiß ich meistens selber. Es ist selten etwas wirklich ganz neues, letztendlich wird da Zeitgeschehen kommentiert. Wenn es gut gemacht ist, kommt vielleicht auch der ein oder andere prickelnde Aspekt. Aber generell sind mir im weitesten Sinne künstlerische Blogs lieber, wo eher irgendwas verdichtet wird, wo pointiert über irgendwas geschrieben wird. Das muß sich nicht unbedingt am Tagesgeschehen entlanghangeln. Wenn es um die reine Befindlichkeit geht, im Sinne von, ich schaue mir hier die ganze Zeit auf den Nabel und grüble vor mich hin, finde ich das meistens ziemlich fade. Das reine Tagebuch von irgendjemand, ob gerade alles ganz Scheiße ist und morgen ist wieder alles nicht mehr ganz Scheiße, finde ich nicht spannend. Es muß schon etwas dazukommen, was das ganze für einen Außenstehenden interessant macht. Ich bin kein Voyeur, der sich am Privatleben irgendwelcher Leute ergötzen will. Sonst könnte ich mir auch Big Brother anschauen.

    Welcher Deiner Artikel gefallt Dir selbst am besten?
    Ohne Koketterie, es gibt keinen an dem ich nichts auszusetzen hätte. Um das auch mal klar zu machen. Ich fühle mich eher als Stocherer oder Suchender, wenn man es pathetisch ausdrücken will, der irgendeine Art von eigener Form sucht. Passagenweise geht das schon in eine Richtung die mir ganz gut gefällt, andere Passagen finde ich nicht so berauschend. Da könnte ich mir vorstellen, wenn ich in einem halben Jahr nochmal drüberginge, könnte man das besser machen. Am gelungensten ist vermutlich der Herr Pütz. Das ist aber sehr mit Vorsicht zu genießen, vielleicht finde ich morgen einen anderen besser. Und auch an dem gibt es Dinge, die nicht so richtig sitzen.

    Wer ist Dein größtes Vorbild in der Blogosphäre?
    Definitiv niemand. Ich will mich jetzt nicht als Ausnahmeerscheinung darstellen, aber die meisten Sachen gehen doch in eine andere Richtung. Jedenfalls kenne ich keinen, der sowas macht, wovon ich sagen würde, das ist ungefähr dasselbe.

    Porträit von Ralf aka PoodleWenn Du andere Blogs kommentierst, schreibt da Ralf oder Herr Poodle?
    Normalerweise Herr Poodle. Es gab zwar schon vereinzelte Kommentare, an an denen auch Poodle dranstand, aber inkonsequenterweise die Figur dahinter erschien. Als Herr Poodle tue ich mich logischerweise schwer, wenn ich über ernsthafte Dinge, zum Beispiel in Befindlichkeitsblogs, wie Du es nennen würdest, schreiben will. Die penetrante Art, die Herr Poodle an sich hat, wäre da extrem unpassend, ich würde den Leuten damit ungewollt auf den Schlips treten. Das heißt, ich müsste mich in solchen Fällen auf die ernsthafte Befindlichkeitsebene einschwingen, was Herrn Poodle nicht möglich ist, es paßt nicht zu ihm, er ist ein Schwadronierer, ein Schwätzer.

    Kürzlich hat ein Blogger Deine Kommentare gelöscht. Wie denkst Du über Zensur in Blogs?
    Ich finde es sagt mehr über den aus, der zensiert, als über den, der zensiert wird. Es sieht etwas blöd aus, wenn dreimal „Poodle: gelöscht“ dransteht und die Leute beziehen sich darauf. Dann könnte ich sagen, meine Position wird nicht mehr gehört, das ist nicht ganz fair. Ich bin der Meinung, ein Mensch der Widerspruch löscht, weil er ihm nicht paßt, ist uncool und unsouverän, das habe ich ja schon dokumentiert. Aber es soll bitte jeder machen was er will. Ich kann deswegen trotzdem gut schlafen, es ist nicht so, daß mich das fertig machen würde.

    Hast Du schon mal einen Kommentar gelöscht?
    Nein. Was ich aber auch nicht ausschließen will. Wenn es mir mal ganz zu blöd wird und wirklich nur noch dummes Zeug abgesondert wird oder wenn jemand glaubt er muß Werbung für seine Web-Site machen, behalte ich mir das vor. Aber ich würde es keine Zensur nennen. Wenn man mich ein Arschloch nennt, das halte ich aus, da sterbe ich nicht dran. Und wenn man Herrn Poodle ein Arschloch nennt, kann es mir ohnehin wurscht sein.

    Die neueste Reform der Rechtschreibreform soll einige Neuerungen wieder abschaffen. Welche Folgen erwartest Du?
    Die erwarte ich nicht, die lebe ich schon. Ich bin hochgradig verwirrt. Ich habe mal angefangen mich mit der neuen Fassung zu beschäftigen, welche Revisionsnummer das war weiß ich nicht, es war ein Zustand der mal irgendwann galt. Ich habe mir mehrere Duden beschafft und versucht mir das alles reinzutun. Vorher konnte ich ziemlich fehlerfrei schreiben, dann habe ich mit diesem neuen Zeug angefangen und den Überblick verloren, was alt und was neu ist. Speziell diese Auseinanderschreibung und Großschreibung kapiere ich überhaupt nicht. Ich glaube da gibt es auch keine Logik. Ich finde nur dieses Doppel-S, statt des scharfen ß gut, wenn der Vokal davor verkürzt ist, das ist das einzige was mir schlüssig erscheint. Ich habe noch nie verstanden, warum zum Beispiel Schluß und Fraß, beide mit scharfem ß geschrieben wurden. Da ist Schluß mit Doppel-s und Fraß mit scharfem ß einfach schlüssiger. Ansonsten ist diese Rechtschreibreform einfach sinnlos, wie halt alles, was man hierzulande tut, in gewisser Weise. Immer so ein bißchen überdreht, was am Ende rauskommt. Es wird wirtschaftliche Folgen haben. Man wird Schulbücher zum hundertsten mal einstampfen. Man wird noch mehr Verwirrung stiften. Die armen Schüler werden noch mehr geplagt als bislang.

    Ralf, ich danke Dir für dieses Gespräch.

    Fotos: Diwa

  • Bild schreibt ab

    Eigentlich hatte ich es bereits vermutet. Aber nun ist es offensichtlich. Die „Bild“ schreibt ab und zwar aus Blogs. Es war schon zu vermuten, als am 27. April die Schlagzeile „Justiz-Minister knallt durch – Fußfesseln für Arbeitslose!“ auf der Titelseite zu lesen war.

    Warum am 27. April, wenn doch die Presseerklärung des Hessischen Justizministerium bereits am 10. März abgegeben wurde. Die hat „Bild“ doch sicher auch bekommen? Das könnte natürlich Zufall sein.
    Die von Bild veröffentlichte Abbildung ist von der Urheberin mit der Bitte um Vervielfältigung abgewandelt worden.
    Sicher kein Zufall ist es aber, wenn „Bild“ Weblogs als kostenloses Bildarchiv betrachtet und sich freimütig und ungefragt daran bedient. So ist es geschehen mit insgessamt sechs Bildern aus der Reihe „Wir sind Papst!“ auf www.eye-said-it-before.de. Dort waren diese Fotos Beiträge von Bloggern, die dazu gedacht waren, die Bild-Schlagzeile zu verulken. In der Bild mit dem Zusatz „Eine Schlagzeile wird Kult“ abgedruckt, wirkte das freilich ein bißchen anders.

    Nun hat Rechtsanwalt Udo Vetter, Author von www.lawblog.de das Mandat jener Bloggerin übernommen übernommen, die ihr Gesicht unversehens in der Bild wiederfand. Mit der Bildunterschrift „Blonder Papst-Gruß mit Schlagzeile in Schwarz, Rot, Gold (gelb)“, versehen ist ihr die Veröffentlichung verständlicherweise unangenehm.

    Deshalb hat die Axel Springer AG nun Post von RA Vetter bekommen. Auf den Ausgang kann man gespannt sein. Immerhin die Redaktion der Online-Ausgabe (Bild.de) hat das betreffende Foto ziemlich zügig vom Netz genommen.

  • Urkunde

    Mit großer Freude darf ich vermelden, daß meine Kenntnis des Werkes der Gebrüder Grimm nun offiziell beurkundet ist:

    Urkunde über die Befähigung den Titel 'Grimm-Experte' führen zu dürfen.

    Meine Dankesrede finden Sie hier.

  • Gute Nachricht für Peppy

    Nach intensiver Forschungsarbeit zeigte sich, daß der HTML-Quelltext für den Spendenknopf nicht Copy-&-Paste-resistent ist. Das sollte er, weil der Quelltext auf der Paypal-Seite erzeugt wird und anschließend auf die Seite von Peppy eingefügt werden muß. Weil an unglücklicher Stelle ein Zeilenumbruch enthalten ist, wird dieser von WordPress in ein <br /> verwandelt. Mit verheerenden Folgen für die Funktionsfähigkeit des Knopfes und für Peppy. Der hat dadurch wertvolle Zeit verloren.

    Aber der Fehler ist nun behoben. Es kann gespendet werden.

  • Fernsehglück

    Am Sonntag war ich in einem Lokal in dem anläßlich eines Fußballspiels ein Fernseher betrieben wurde. Nach dem Spiel gab es auf DSF eines dieser Gewinnspiele, die man eigentlich nur als Erregung öffentlichen Ärgernisses bezeichnen kann.

    Der private Fernsehsender 9Live hat damit angefangen. Er stellte seinen Zuschauern Fragen und für deren richtiger Beantwortung einige tausend Euro als Gewinn in Aussicht. Der findige Rätsellöser durfte unter einer Mehrwert-Nummer (49 Cent/Anruf) seine Lösung mitteilen. Die Fragen selbst waren nicht zu schwierig. Etwa so: „Der Maler Rembrandt malte 1629 ein Selbstportrait. Wer ist auf dem Gemälde zu sehen? A: Rembrandt, B: Marilyn Manson“. Unter den Anrufern wurde durch die Telefonanlage des Fernsehsenders einer ausgewählt, der die Frage beantworten durfte. Der Rest musste mit dem Anrufbeantworter vorlieb nehmen. Wärenddessen fuchtelte der Moderator wild mit dicken Geldbündeln vor der Kamera und kreischte „Das gibt’s doch gar nicht, daß niemand anruft! Brauchen Sie denn kein Geld?“

    Das ist doch Glückspiel, dachte sich mancher. Das ist in Deutschland nicht erlaubt, zumindest darf das nur der Staat. Die Staatsanwaltschaft ermittelte. Die kam zu einem höchst erstaunlichen Ergebnis. Sie fand nicht nur keine Beweise, die den Vorwurf hätten erhärten können. Sie hat vielmehr herausgefunden, daß 9Live in keiner Weise vorgeworfen werden könne, unerlaubtes Glücksspiel zu betreiben.

    49 Cent pro Anruf wäre ja auch nicht teurer als eine Postkarte zu verschicken, argumentierte der Sender. Ja schon, aber wenn ich eine Postkarte verschicke, verdient der Empfänger daran keine 30 Cent.

    Noch erstaunlicher ist der seit dem erfolgte Sinneswandel des Senders. Der stellt inzwischen nämlich Fragen von ganz anderem Kaliber. Zum Beispiel: Wie viele Vierecke sind hier zu sehen:

    Es sind insgesamt siebenundzwanzig Vierecke in diesem Bild zu sehen.

    Wissen Sie es? Es sind 27 Stück. Das ist kniffeliger zu beantworten als die Frage, wie die Staatsanwaltschaft zum Ergebnis Ihrer Untersuchung kam und warum 9Live plötzlich Fragen stellt, die kaum jemand beantworten kann. Es könnte ja sein, daß Staatsanwalt und Sender ganz viel Glück gehabt haben. Darum haben sie sich dann vielleicht in etwa so geeinigt: Wenn in Zukunft alles anders wird, war in Vergangenheit alles rechtens.

    Ist vielleicht auch besser so, weil inzwischen jeder Privatsender das Nachtprogramm mit solcherlei spannenden Quizshows füllt. Es kann ja nicht sein, daß eine ganze Branche illegales Glückspiel betreibt. Wo kämen wir da hin?